Hardheim

„Grafensee“ bei Rüdental Bauamt, Bauhof und die Arbeitsgruppe Denkmalpflege des Museumsvereins „Erfatal“ nahmen sich des verfallenen Bauwerks an

Kulturhistorische Anlage neu aufgerichtet

Archivartikel

Längst vergessen ist, dass es zwischen Hardheim und Rüdental oberhalb der Neumühle einen See gab mit einem Staudamm von etwa sieben Metern Höhe und einem Überlauf.

Hardheim. Der „Grafensee“ unterhalb des Mainberges hatte einen etwa 70 Meter langen Staudamm und fasste bei einer Staulänge von rund 300 Metern ein Wasservolumen von rund 30 Millionen Liter Wasser. Noch in den frühen 1950er Jahren waren die ursprünglichen Ausmaße des Sees erkennbar und bis in die 1990er Jahre war noch ein kleiner Fischteich am oberen Ende des Seeareals vorhanden.

Während des Hochwassers 1864 wurden große Teile dieser Stauanlagen am Rüdentaler See weggerissen. Das gleiche Hochwasser richtete auch im „Ried“ und in der Lindenmühle im Erfatal erhebliche Schäden an, berichtete Helmut Berberich, Leiter des Arbeitskreises Denkmalschutz im Museumsverein Erfatal. Daraufhin begann die Gemeinde Hardheim mit dem Bau neuer Anlagen für Wasserversorgung und Gewässerschutz.

Dank der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Denkmalpflege konnten nun Reste dieser historischen Anlage am Rüdentaler See gesichert und sichtbar gemacht werden.

Die Arbeitsgruppe Denkmalpflege im Museumsverein Erfatal und die Gemeinde Hardheim bemühen sich schon seit längerem um die Wiederherstellung des Bauwerks, die nun durch die Leitung des Bauamtes der Gemeinde, des Bauhofs und der Mithilfe der Initiatoren Helmut Berberich und Bernhard Löffler von der Arbeitsgruppe Denkmalpflege kostengünstig nach einer historischen Planskizze erfolgte.

Und was ganz wichtig ist: Die Änderungen werden an das archäologische Kataster des Denkmalamtes in Karlsruhe weitergeleitet und dort fortgeschrieben.

Was hat es aber mit dem „Rüldemer-See“ auf sich? Eine historische Quelle ist die Aussage von Professor Julius Rapp, der 1930 schreibt: „Am Mittwoch, den 6. April 1345 nach der Osterwoche erlaubt Heinrich Slemper (von der unteren Burg) seinem Vetter Walter (von der oberen Burg) das Wasser vom Rüdentaler See in den alten Arm bis zum Wehr bei dem Brunnen von Mittwoch früh bis Donnerstag früh auf seine Wiesen zu leiten:“

Um die recht verzwickten Eigentumsverhältnisse an den beiden Hardheimer Burgen zu bereinigen, hatten sich Reinhard II. und Walter 1326 verständigt und so gingen die unter Burg auf Reinhard II. (Onkel) und die obere Burg auf Walter (Neffe) jeweils zum Alleineigentum über.

Heinrich Slemper war ein Sohn des Reinhard II. und erbte nach dessen Tod 1342 zusammen mit seinen Brüdern Konrad und Andreas dessen Besitzungen. Nachdem die Brüder (Söhne des Reinhard II.) ihr Erbe nicht geteilt hatten, sondern zur Gesamthand von je einem Drittel weiterführten, verkauften sie ihren Anteil schließlich nach und nach an Slemper. Er und sein Cousin Walter einigten sich schließlich, wie eingangs beschrieben, über die Nutzung des Wassers aus dem Rüdentaler See für ihre Besitzungen.

Mit dem Wasser aus dem Rüdentaler See wurden die Wiesen unterhalb des Sees (heute an der alten Würzburger Steige bis hin zur Kaserneneinfahrt) und bis zum heutigen DRK-Vereinsheim bewässert.

Das übrige Wasser aus dem Rüdentaler See wurde am „Hoffenbachwehr“ wieder eingeleiten. Etwa 50 Meter unterhalb des Wehres war der „alte Brunnen“ aufgerichtet. Das Wasser dieser Quelle und aus dem Rüdentaler See führte in die Richtung des Schlosses.

Ehrenbürger Robert Hensle berichtet dazu im Hardheimer Heimatbuch: „Der Wassergraben des oberen Schlosses wurde vom Rüdentaler See bewässert. Der Abfluss ging über das „Jobstseelein“, von dort über einen weiteren kleinen See, der im Ostteil des zum Schloss gehörenden Baumgartens lag. Ein Kanal führt zum Riedbach.“

Die eigentliche Wasserversorgung für das Schloss selbst, erfolgte aber über eine eigene Wasserleitung aus einer Quelle in der Wertheimer Straße und ging über die heutige Schlossstraße.

Leider verfielen Wasserleitungen und Wehranlagen. Teile der historischen Wasserleitung sind im Erfatalmuseum zu sehen. Später verschwanden auch nach und nach die Brunnen im Innerortsbereich für die Haushaltsversorgung für Mensch und Tier und eine zentrale Wasserversorgung hielt Einzug in der Erftalgemeinde.