Hardheim

Triduum hat in Hardheim eine Tradition Der langjähriger Hardheimer Pfarrer, Monsignore Johann Schäfer, hält die Predigten

Kurioser Brauch – Beten vor der Fastnachtsfeier

Archivartikel

Hardheim.Am 10. Juli 1894 feierte Weihbischof Dr. Justus Knecht in der halbfertigen Kirche das erste Messopfer auf einem Notaltar anlässlich der Firmung. Die Pfarrkirche St. Alban, welche im Volksmund auch als „Erftaldorm“ bezeichnet wird, kann deshalb in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen feiern.

Fast genauso alt wie die Pfarrkirche ist ein kurioser Brauch, das Fasten (später Fastnachts)-Triduum. Wann dieses erstmals in Hardheim abgehalten wurde, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Die Aufzeichnungen im katholischen Pfarrarchiv beginnen im Jahr 1897, als das Triduum vom 28. Februar bis 2. März abgehalten wurde.

Es ist jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das Triduum in Hardheim eine längere Tradition hat.

Der damalige Hardheimer Pfarrer Joseph Stephan schreibt in seinen Aufzeichnungen: „Früher blieben wir immer hinter 1000 heiligen Kommunionen zurück. Offenkundig haben die Predigten der hochwürdigen Kapuziner-Patres, die seit dem badischen Kulturkampf wieder zum erstenmal hier auftraten, angegangen und gewirkt. Gott erhalte die segensvolle Saat.“

Ursprünge nicht bekannt

Ob es schon vor dem badischen Kulturkampf der im Januar/Februar 1874 begann und 1880 endete, ein Triduum in Hardheim gab, geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Von älteren Bürgern Hardheims war auch schon zu hören, dass das Triduum aufgrund eines Gelübdes nach einer überstandenen Notzeit zurückgeht. Dies ist jedoch nicht bewiesen und reine Spekulation.

Die Predigten hielten im Jahr 1897 Pater Erhard aus Würzburg und Pater Salvianus aus Karlstadt. Die Predigtthemen waren: „Ziel des Menschen Himmel, Todsünde“,“ Gericht des Menschen auf dem Sterbebette“, „Jesus est veritas et vita“, „Gebet und allerheiligstes Sakrament“. Die Predigten dauerten zwischen einer und eineinviertel Stunden. Es wurden während des Triduums 1620 heilige Kommunionen ausgegeben. (Hardheim hatte 1871 bei der Reichsgründung 2289 Einwohner).

Volksmission 1899

Im Jahr 1899 wurde das Triduum zu einer Volksmission erweitert und dauerte vom 12. bis 20. Februar. Die Genehmigung wurde von Ordinariatsrat erteilt. Diesmal wurden 2900 heilige Kommunionen gespendet.

Viele Beichten

Aus den Aufzeichnungen ergibt sich im Jahr 1911, dass die Priester sehr viele Beichten abzuhalten hatten. Außerdem finden wir in den Aufzeichnungen des Jahres 1911 zum ersten Mal einen Hinweis auf einen Fastnachtsball in Hardheim. Pfarrer Joseph Stephan schreibt in seinen Notizen: „Wetter: Trüb, teilweise Sonnenschein, Weg sehr feucht, doch ziemlich viele Fremde. Filialen stark vertreten = Dornberg Rütschdorf Vollmersdorf. Notiz dieses Jahr war zum ersten Mal am Dienstag von 7 ab Ball. Ich warnte in der Predigt. Mädchen sollen nur zwei katholische dort gewesen sein; viel Juden und die Protestanten.“

Auch in späteren Jahren sind von den in Hardheim ansässigen Pfarrern immer wieder Bemerkungen zu Fastnachtsveranstaltungen zu finden, die den Leser heutzutage zu einem Lächeln veranlassen. Der „Wandel der Zeiten“ ist daran deutlich zu erkennen. Das Triduum war als eine „Lanze“ gegen die Fastnacht zu sehen.

Im Jahr 1919 kam aus Würzburg Monsignore päpstlicher Hausprälat Geistlicher Rat und Domkapitular Georg Hemmrich und hielt sämtliche Predigten. Für Hardheim war dieser hohe Besuch eine Besonderheit. Ein besonderes Ereignis war am Sonntag Abend um 8 Uhr die Begrüßung der heimgekehrten Krieger zu Beginn des Triduums.

Im Jahr 1928 fand das Triduum vom 19. bis 26. Februar statt und wurde zu einer religiösen Woche erweitert. Als im Jahr 1939 „nur“ 1355 Kommunionen gezählt wurden, schreibt Pfarrer Hellinger: „die stark abnehmende Zahl der hl. Kommunionen zeigt schon deutliche Spuren der Neuen Zeit“.

Ob Pfarrer Hellinger dies auf die Politik der Nationalsozialisten bezieht, lässt sich nicht feststellen. In den Kriegsjahren 1941/42 fand das Triduum statt, jedoch musste es durch die Behörde genehmigt werden. Auf Abendvorträge musste verzichtet werden, da die Kirche nicht abgedunkelt werden konnte.

Beim Triduum vom 11. bis 13. Februar 1945 beteiligten sich auch die Evakuierten rege. 1947 war das Motto: „Jesus Christus, das Licht der Welt“.

Nicht mehr an Fastnacht

Wegen des „neuen Zeitgeists“ und dem Verhältnis von Religion und Fastnacht wurde von dem neuen Hardheimer Pfarrer Johann Schäfer durch Beschluss des Pfarrgemeinderates das Triduum seit 1973 nicht mehr an den Fastnachtstagen, sondern am ersten Wochenende in der Fastenzeit gehalten. Deshalb auch die bis heute verwendete Bezeichnung „Fastentriduum“. Ab hier gibt es keine Aufzeichnungen über die Besucherzahlen beziehungsweise über die gespendeten Kommunionen mehr.

Soweit sich die Unterlagen über das Triduum zurückverfolgen lassen, war das Interesse an den Predigten groß gewesen. Auch in Zeiten wo die Kirchenbesuche rückläufig sind, haben die Predigten nichts an Aktualität und Interesse eingebüßt. Lediglich die Referenten sind in den letzten Jahren überwiegend die ortsänsässigen Geistlichen gewesen und keine Ordensleute von auswärts mehr.

Große „Spektakel“ wie der Besuch des Domkapitulars Hemmrich im Jahr 1919 wird es heute nicht mehr geben. Die zunehmende Toleranz hat zu einem erfreulichen Miteinander von Kirche und Fastnacht geführt. Die Narrenmessen von Pfarrer Franz Lang belegen dies.

Ein besonderes Ereignis sind die Triduumspredigten im Jubiläumsjahr 2019. Als Festprediger konnte der langjährige Hardheimer Pfarrer, Monsignore und Geistlicher Rat Johann Schäfer, gewonnen werden. Damit wird die Tradition, die in der Hardheimer Umgebung einzigartig ist, fortgesetzt.