Hardheim

Seit einem Vierteljahrhundert Aktive aus den Reihen der „Jedermannturner“ und der Faustballer des TV fahren seit 1995 in den bekannten Wintersportort Oberhof

Langlauf-Wochenende lockt Hardheimer

Archivartikel

Aktive aus den Reihen der „Jedermannturner“ und der Faustballer des TV Hardheim fahren seit 1995 jedes Jahr auf ein aktives Skilanglauf-Wochenende in den bekannten Wintersportort Oberhof.

Hardheim. Thüringen gilt als grünes Herz Deutschlands und beliebtes Reiseziel für Wanderer und Naturfreunde. Dass es aber auch „ganz in Weiß“ faszinierend sein kann, erlebt eine Gruppe Hardheimer Männer seit einem Vierteljahrhundert: Aktive aus den Reihen der „Jedermannturner“ und der Faustballer des TV Hardheim fahren seit 1995 jedes Jahr auf ein aktives Skilanglauf-Wochenende in den bekannten Wintersportort Oberhof. Seit damals ist Manfred Merkert dabei, der inzwischen auch die Organisation übernimmt. Mit ihm trafen sich die Fränkischen Nachrichten zum Rückblick.

Der ursprüngliche Impuls kam von Manfred Jekosch, Günter Eichkorn und dem 2014 verstorbenen Hermann Wawatschek: Während einer gemeinsamen Wanderung im Sommer hatten sie die Schönheit der Landschaft kennengelernt und beim Anblick der charakteristischen „Rennsteighütten“ – einfacher Blockhütten im Wald – kurzerhand eine Fahrt nach Oberhof vorgeschlagen. 1995 schließlich folgte der erste Aufenthalt mit neun „Jedermännern“ und Faustballern unter Leitung von Manfred Jekosch, der bis 2004 mit Organisation und Planung betraut war. „Jedes Jahr fuhren wir von Aschermittwoch bis Sonntag und verzeichneten einen Anstieg der Teilnehmerzahlen – 2000 erreichten wir mit 16 Reisenden die bisher höchste Zahl“, erklärt Manfred Merkert, der über all die Jahre Statistik führte. In dieser hielt er auch zwei „Ausreißer“ fest: „2002 und 2007 waren die Schneebedingungen jeweils so schlecht, dass wir mit zwei Mountainbikes unterwegs waren und Naturwanderungen unternahmen – und Hermann Wawatschek nahm im Hallenbad von Suhl das Schwimm-Sportabzeichen ab!“, informiert er. 2004 übergab Manfred Jekosch die Leitung an Reinhard Wähler, auf den ein Jahr später wiederum Manfred Merkert folgte. Bei der Organisation und Planung der stets durch Abstecher zu Sehenswürdigkeiten aller Art abgerundeten Touren ist ihm ein ganzer Stoß an Literatur behilflich: „Ich besitze fast alles, was es an Reiseführern über Oberhof gibt“, schildert er.

Immer wieder Neues

Aber es gibt trotzdem immer wieder Neues: So spricht er von „purem Wahnsinn“, wenn er an die Schneehöhe von 120 Zentimetern im Jahr 2010 denkt. In diesem Jahr wohnte man auch letztmalig in den Rennsteighütten. „Es siegte nach 16 Aufenthalten in den Hütten der Wunsch nach gewissem Komfort, so dass wir seit 2011 in einer Pension wohnen – zumal wir eben nicht jünger werden!“, erklärt er. Insgesamt waren 27 Männer aus Hardheim und Umgebung bisher in Oberhof dabei. „Manche sind nur einmal mitgefahren, dafür haben wir in diesem Jahr aber Manfred Böhrer, Bernhard Goldschmidt, Kurt Saffri für 20 Jahre Treue und Reinhard Wähler geehrt“, schildert Manfred Merkert, der einen Jubilar derweil glatt unterschlagen hätte – nämlich sich selbst: Seine Freunde ehrten ihn für 25 Jahre. „Insgesamt war ich sicher 40-mal in Oberhof“, fügt er hinzu.

Prägende Erlebnisse

Natürlich bringt eine so lange Zeit auch eine Vielzahl prägender Erlebnisse sportlicher und menschlicher Art mit sich. „Mit Kurt Saffri bin vor einigen Jahren ich die inzwischen sogar gesperrte ‚Wolfsschlucht’ als schwierigste Abfahrt Oberhofs und Biathlon-Weltcup-Strecke gefahren“, blickt er zurück und spricht von einem besonderen Gefühl bei „bestimmt 60 Stundenkilometern auf den Skiern“. Natürlich wurde Oberhof als Wintersport-Mekka auch seinem Image gerecht, was „Promi-Begegnungen“ anging: Die Hardheimer trafen auf den Loipen immer wieder Top-Athleten und Trainer wie Uschi Disl, Andras Henkel, Frank Luck oder Ricco Groß an. „Zuletzt haben wir in diesem Jahr Eric Lesser getroffen“, erklärt Merkert. In besonderer Erinnerung aber bleiben die Jahre 1998 und 2004: „1998 stießen wir im Kurpark zu einem Empfang der Olympia-Medaillengewinner – und sechs Jahre fand in Oberhof die Biathlon-Weltmeisterschaft statt, wo wir Autogramme aller Sportler erhielten!“ Angesichts winterlicher Rahmenbedingungen verlief auch die Anfahrt zu den Rennsteighütten nicht immer ganz problemlos: „Mehr als einmal sind die Autos im hohen Schnee steckengeblieben – und wir mussten dann gemeinsam schieben!“, blickt Merkert zurück. Interessant waren ferner die noch Jahre nach dem Mauerfall sichtbaren letzten Züge der deutsch-deutschen Teilung. „Bis 1998 war der 983 Meter hohe Schneekopf von Oberhof russisches Sperrgebiet und durfte nicht befahren werden“, informiert der 65-Jährige, der nicht zuletzt durch die Fahrten nach Thüringen den technischen Wandel in der Fotografie hautnah miterlebte: „Anfangs habe ich analog fotografiert und unzählige Dias gerahmt, später griff ich zur digitalen Spiegelreflexkamera und halte die schönsten Momente heute mit dem Smartphone fest“, schildert er und holt sein Smartphone an den Kaffeetisch, um die aktuellsten Oberhof-Bilder vom letzten Wochenende zu zeigen.