Hardheim

Sitzung des Gemeinderats Hardheim Mäharbeiten auf Grundstück des Bürgermeisters beschäftigte das Gremium / Kindergarten nutzt Fläche als Naturentdeckungsraum

„Man darf nicht einfach darüber hinwegsehen“

Hardheim.Die Gemeinderatsmitglieder diskutierten am Montagabend im Rathaus auch über die Nutzung und Pflege einer Außenspielfläche des Gemeindekindergartens „Kunterbunt“. In der Sitzung im April gab Bürgermeister Volker Rohm (Freie Wähler) bekannt, dass er sein Grundstück in der Thüringer Straße seit drei Jahren in Absprache mit der Kindergartenleitung den Kindern als Naturentdeckungsraum zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr habe er die 13 Ar seines 15 Ar großen Streuobstwiesengeländes dreimal vom Bauhof mähen lassen. Genau deswegen hatte sich in den vergangenen Wochen Widerstand geregt – in der Bevölkerung und auch im Gemeinderat.

Lars Ederer (SPD) sagte, es sei lobenswert, wenn der Bürgermeister den Kindern sein Grundstück zur Verfügung stelle. „Doch darum geht es nicht. Es wirkt unglücklich und ist schwierig, wenn viele Bürger ehrenamtlich arbeiten und dann so etwas mitbekommen. Die könnten sich fragen: Ich hab’ auch wenig Zeit, warum kann das nicht der Bauhof für mich erledigen?“, bemängelte er und sprach damit einigen Gemeinderäten aus der Seele.

Fünfmal selbst im Einsatz

Bürgermeister Rohm erklärte, dass er fünfmal selbst das Gelände gemäht habe. In drei Fällen sei er zeitlich bedingt nicht dazu gekommen und habe auf Zuruf der Erzieherinnen den Bauhof damit beauftragt. Bei den drei Einsätzen mit einer Dauer von jeweils 45 Minuten seien Kosten in Höhe von 141 Euro für die Gemeinde entstanden.

Er pflege auch die Bäume und Sträucher selbst, so Rohm, und in den Jahren zuvor, als der Kindergarten die Fläche noch nicht nutzte, habe er die Wiesen immer hochwachsen lassen. Er sehe darin keinen Vorteil für sich. „Ich will auch kein Geld dafür, dass die Kinder den Garten nutzen“, erklärte das Gemeindeoberhaupt.

Aus den Reihen des Gemeinderats kam die Frage auf, ob der Bauhof nur für die Mäharbeiten im Einsatz war und für keine anderen Arbeiten. Darauf antwortete Rohm: „Einmal kam noch die Bitte von den Erzieherinnen, ob der Bauhof zehn einbetonierte Zaunpfosten entfernen kann.“ Durch diese einmalige Aktion mit einer Dauer von zwei bis drei Stunden sei für die Kinder eine große Fläche entstanden.

Alle zwei Wochen vor Ort

Die Leitung des Kindergartens erklärte auf Anfrage des Gemeinderates, dass es sich um eine Ganztagesgruppe handle, die alle zwei Wochen das Grundstück nutze. Manchmal werde auch eine Gartenwoche durchgeführt, in der die Kinder jeden Tag auf dem Grundstück sind und die Natur erkunden. Rohm erklärte, dass sich auf dem Grundstück eine Sitzgruppe, ein Reisighaufen, eine Hütte und ein Balancierbaum befinden sowie verschiedene Streuobstbäume.

Pachtvertrag vorgeschlagen

Während Klaus Kreßner (Freie Wähler) das Wohl der Kinder in den Vordergrund stellte, mahnte Dr. Ingo Großkinsky von der CDU an, dass sich der Bürgermeister damit auch rechtlich angreifbar mache. „Man könnte das Grundstück auch einfach zwischen dem Bürgermeister und der Gemeinde verpachten. Der Pachtbetrag wird dann gespendet, das wäre eine saubere Lösung“, schlug Großkinsky als Beispiel vor. Auch sein Fraktionskollege Torsten Englert warnte den Gemeinderat und meinte, dass auch beispielsweise der damalige Bundespräsident Christian Wulff wegen einer Kleinigkeit Probleme bekam. „Man darf nicht einfach darüber hinwegsehen“, so Englert. Er bemängelte, dass das Thema nicht schon früher angesprochen wurde. „Bei uns Gemeinderatsmitgliedern wird auch gleich alles thematisiert.“

Anderer Meinung war dagegen Manfred Böhrer von der SPD. Er sagte: „Es handelt sich um eine unbürokratische Vereinbarung, von der jeder einen Nutzen hat. Man hätte es auch schriftlich festlegen können, aber dann wäre alles zu kompliziert. Man sollte es so lassen, wie es ist.“ Klaus Schneider von den Freien Wählern stimmte ihm zu und betonte, dass es durch den minimalen Aufwand und die zentrale Lage des Grundstücks mitten im Ort viele positive Argumente für die Nutzung der Außenspielfläche gebe.

Über den Beschlussvorschlag, dass die Außenspielfläche wie bisher durch die Kindergartengruppe unentgeltlich genutzt werden darf und bei Bedarf die Wiese durch den Gemeindebauhof gemäht wird, stimmte der Gemeinderat wie folgt ab: Den elf befürwortenden Stimmen standen vier Enthaltungen gegenüber. Einige Gemeinderäte mahnten an, für das Thema intern eine Einigung zu erzielen, um den Bürgermeister zu schützen.