Hardheim

Franziskanerinnen aus Gengenbach wirkten über 100 Jahre in Hardheim Blick zurück auf deren Geschichte / Viele Generationen in der Erftalgemeinde geprägt

Nächstenliebe stand an erster Stelle

Einige Jahre ist es her, dass sich in Hardheim die Franziskanerinnen aus Gegenbach in der Krankenpflege engagierten. Fehlender Nachwuchs war schließlich der Grund für deren Abzug.

Hardheim. Längst noch nicht verblasst ist bei vielen Hardheimern die Erinnerung an das Wirken der Ordensschwestern vom „Mutterhaus der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu“ aus Gengenbach in der Erftalgemeinde. Eine beachtliche Zahl von Schwestern aus diesem Orden machte sich ab dem 30. Oktober 1873 in der Krankenpflege im Krankenhaus Hardheim um die Bevölkerung verdient.

Daneben leiteten die Frauen längere Zeit den Hardheimer Kindergarten (früher unter dem Namen Franz-Gruber-Stiftung bekannt). Andere erteilten Unterricht in der Nähschule oder übernahmen ambulante Krankenpflege in der Erftalgemeinde.

In Anerkennung an die vielfältige Arbeit würdigten Gemeinde, Pfarrgemeinde und Krankenhaus in Hardheim zur Jahrhundertfeier im November 1973 das Wirken der Schwestern mit einer Jubiläumsveranstaltung.

Zu dieser wurden die früher in Hardheim tätigen oder aus Hardheim stammenden Damen aus verschiedensten Richtungen abgeholt und am nächsten Tag wieder zurückgebracht. Das Festprogramm begann in der Pfarrkirche mit einem von Pfarrer Johann Schäfer gehaltenen Festgottesdienst, der von Kirchenchor und Orchester musikalisch gestaltet wurde.

Mahnende Worte

Zur anschließenden Feier in der Erftalhalle gehörten die Musik einer Orchestergruppe und Liedvorträge des gemischten Chores des Gesangvereins „Liederkranz“. Ansprachen hielten der damalige Bürgermeister Kurt Schmider, der Geistliche Rat Josef Heck, Dr. Fritz Maag als langjähriger Chefarzt des Krankenhauses und sein Nachfolger Dr. Jürgen Frank, Landrat Hugo Geisert und der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Josef Fräntz. Die damalige Generaloberin dankten den Frauen und verdeutlichte der Festversammlung, dass wegen des fehlenden Nachwuchses die Schwesternversorgung auch in Hardheim Probleme bekommen werde.

Schon längst hatten sich die befürchteten Prognosen der damaligen Oberin und anderer Verantwortlicher bewahrheitet. Denn auch aus Hardheim wurden die Schwestern abgezogen. Es fehlte an jungen Frauen und so siegte die Überalterung. Weltliche Krankenschwestern übernahmen im Krankenhaus deren Dienst.

In den frühen 90er Jahren verließ die in der Seelsorgehilfe der katholischen Pfarrgemeinde tätige Schwester Elfriede als letzte die Gemeinde Hardheim. Damit fand das imponierende Wirken der Gengenbacher Schwestern nach rund 120 Jahren sein Ende.

Gründung im Juli 1866

Nach Hardheim gekommen waren sie am 30. Oktober 1873. Nach dem abgelehnten Antrag des Hardheimer Gemeinderats, die Niederbronner Schwester zur Krankenpflege in dem als Krankenhaus genutzten Marstallgebäude einzustellen, hatten die Politiker bei den Frauen aus Gengenbach Erfolg.

Dort hatten sich unter der Schirmherrschaft von Pfarrer Berger im Juli 1866 junge Frauen zu einer religiösen Gemeinschaft zusammengeschlossen. Deren Absicht war die eigene Vervollkommnung und die Ausübung der Nächstenliebe durch Krankenpflege und die Pflege von Kindern und Armen.

Im Vertrag wurde zugestimmt, dass Hardheim eine barmherzige Schwester zur Übernahme der Haushaltung, ferner zwei weitere barmherzige Schwestern zur Übernahme der neu zu errichtenden Kleinkinderbewahranstalt zugesagt wurden.

Klosterfeindliche Gesetze

Also kamen die Schwestern Hyazinthe (bürgerlicher Name Maria Anna Weber) und Gertrud (bürgerlicher Name Emilie Spinner) nach Hardheim. Der Orden allerdings musste aufgrund der klosterfeindlichen Gesetzgebung im badischen Ministerium wieder aufgelöst werden, die „ordensähnliche Gemeinschaft“ auf dem Trettenhof wurde aufgelöst und schließlich fand die von Pfarrer Berger gestiftete und von vinzentinischem und franziskanischem Geist beseelte Gemeinschaft ihre neue Heimat in Gengenbach.

Mit den nach Hardheim entsandten Schwestern schloss die Gemeinde einen eigenen Anstellungsvertrag im Juli 1878 ab. Die im Krankenhaus Hardheim aushängende Kopie der Urkunde legt davon Zeugnis ab. Nach 1900 nahm die Anzahl der Schwestern aus Gengenbach zu. Im Krankenhaus waren bis zu 13 Schwestern tätig. Ferner war eine Kindergartenschwester, eine Nähschulschwester, eine Ortskrankenschwester und später auch eine Seelsorgeschwester beim katholischen Pfarramt tätig.

Auch bei Geburten eine Hilfe

Angesichts der Entwicklung Hardheims und des Krankenhauses waren die Schwestern im „Spital“ und sogenannten „Bedarfskrankenhaus“ lange Zeit unentbehrlich. Auch in der Geburtenabteilung konnten sich die Schwestern in idealer Weise einbringen. Doch auch diese Verhältnisse änderten sich. Und als der Mangel an Ordensfrauen bei der Feier des 100-jährigen Wirkens der Gengenbacher Schwestern von der Oberin angesprochen wurde, endete in Hardheim diese Ära. Deren Aufgaben haben inzwischen examinierte Krankenschwestern, Erzieherinnen und Gemeindereferentinnen übernommen.