Hardheim

FN-Interview mit Wolfgang Kaufmann Er stellt sich einer ungewohnten Herausforderung / Mitarbeit in der Kirchengemeinde

Neue Lebensphase birgt viele Chancen

Archivartikel

Schweinberg.Wolfgang Kaufmann aus Schweinberg wird im Gottesdienst um 10.30 Uhr in Schweinberg am Sonntag, 22. Juli, als erster ehrenamtlich tätiger Mitarbeiter in der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen mit dem Beerdigungsdienst beauftragt. Die Fränkischen Nachrichten sprachen mit ihm über seine Beweggründe und Intention, als Laie dieses durchaus nicht leichte Amt zu übernehmen.

Herr Kaufmann, Sie sind bald der erste ehrenamtliche Mitarbeiter im Beerdigungsdienst der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen. Beruflich waren Sie Lehrer/Rektor, inzwischen sind Sie pensioniert. Was ist für Sie der Beweggrund, sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit zu engagieren?

Wolfgang Kaufmann: In meinem Beruf habe ich die Erfahrung gemacht, wie wertvoll und erfüllend es sein kann, mit Menschen zusammen Neues zu entwickeln und in schwierigen Situationen mit und für Menschen eine neue Perspektive zu finden. Insofern war es für mich von vornherein klar, dass ich jetzt nicht die Hände in den Schoß lege und es mir einfach nur gemütlich mache. Das wäre mir viel zu langweilig. Ich sehe meinen Ruhestand als neue Lebensphase mit vielen Chancen, meine Kraft in Aufgaben einzusetzen, die aus meiner Sicht sinnvoll sind.

Und was bewegte Sie, sich ausgerechnet im Beerdigungsdienst einzubringen, was doch eher ungewöhnlich ist?

Kaufmann: Damit habe ich vor einem Jahr auch selbst noch nicht gerechnet. Im zurückliegenden Jahr gab es mehrere Todesfälle in Schweinberg, bei denen ich aus meiner Betroffenheit heraus den Angehörigen anbot, die Trauerfeier mitzugestalten. Dabei habe ich gespürt, wie ich in ein Mitgefühl hineingenommen wurde und gleichzeitig war ich von der Gestaltung des Abschieds sehr berührt. Anschließend wurde ich angesprochen, ob das nicht eine Aufgabe für mich sein könnte. Die Frage ließ mich nicht mehr los. Ich wusste bis vorher gar nicht, dass es diesen Dienst in der Kirche überhaupt gibt.

Waren dazu bestimmte Qualifikationen oder Ausbildungen erforderlich?

Kaufmann: Voraussetzung war eine theologische Ausbildung, die ich als Religionslehrer habe, sowie die Einbindung in das Leben der Seelsorgeeinheit. Hinzu kam ein Kurs „Liturgie des Abschieds“ in Freiburg sowie die Praxis- Begleitung durch Claudia Beger. Ab jetzt wird eine Supervision dazu kommen, um Erfahrungen zu reflektieren.

Als Lehrer sind Sie ja den Umgang mit Menschen gewohnt. Aber die Begegnung mit trauernden Hinterbliebenen ist doch noch mal eine andere Stufe der Herausforderung. Da muss man selbst sehr glaubensfest und stark sein.

Kaufmann: Ja, das ist tatsächlich eine andere Stufe der Herausforderung. Ich erlebe dabei auch die eigene Hilflosigkeit. Angesichts des Todes gibt es keine billigen Antworten. Gleichzeitig habe ich selbst schon erlebt, dass es mitten in den Erschütterungen hilft, wenn jemand ganz da ist. Und es gibt noch eine andere Wirklichkeit: Für mich ist die Auferstehung eine Realität. Auch im Tod ist nicht alles aus. Das habe ich beim Sterben von Familienangehörigen mehrmals erlebt und das hat mich durch schwierige Zeiten getragen. Dafür stehe ich. Mit dieser Gewissheit kann ich mich auf diesen Dienst einlassen. Bild: Ingrid Eirich-Schaab