Hardheim

„Hordemer Wölf“ FG macht sich zur Feier ihres 66-jährigen Bestehens selbst ein besonderes Geschenk / FN besuchten Wagenbauer bei einem ihrer Arbeitseinsätze

Neuer Prunkwagen fürs Ritterpaar

Zu ihrem närrischen Jubiläum beschenken sich die „Hordemer Wölf“ selbst mit einem neuen Prunkwagen fürs Ritterpaar. Dieser entsteht zurzeit in mühevoller Eigenleistung in Bretzingen.

Hardheim. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, sang Udo Jürgens 1977. Im Falle der auf ihr 66-jähriges Bestehen zusteuernden FG „Hordemer Wölf“ ist dieser geflügelte Spruch nur die halbe Wahrheit: Voller Leben waren die Fastnachter im närrischen Wolfsheim schon immer. Intensiviert wurde jedoch zur laufenden Saison der Wagenbau: Aktuell investiert die Truppe um Karlheinz Haas und Bernhard Ebert viel Zeit in den Bau eines Hinguckers von besonderem Kaliber, der weit mehr als „nur“ ein Ritterwagen sein wird.

„Als Vorlage für diesen Wagen dient uns das anlässlich der ‚Heimattage’ im Jahr 1955 angefertigte Modell des Hardheimer Schlosses“, erklärt Umzugsleiter Marco Katzenmaier. Diese acht Meter lange und laut Katzenmaier „soweit wie möglich originalgetreu rekonstruierte“ Nachbildung entsteht auf dem eigens dafür angeschafften Anhänger aus Bundeswehrbeständen.

Seit rund drei Monaten treffen sich Bernhard Ebert, Dominik Ebert, Karsten Erhardt, Janik und Karlheinz Haas, Andreas Künzig, Jürgen Lenk, Jochen Leuchs, Daniel Mairon, Jens Ritscher und Jürgen Steigerwald nach Feierabenden sowie an Wochenenden auf dem Grundstück von Karlheinz Haas in Bretzingen, um gemeinsam Hand anzulegen.

Diese abendlichen Treffen summierten sich auf bisher insgesamt rund 300 Arbeitsstunden. „Weitere 500 kommen aber bis zur Fertigstellung unseres Schmuckstücks bestimmt noch dazu“, schätzt Katzenmaier und verweist auf das bemerkenswerte Engagement der Wagenbaugruppe: „Zwei- bis dreimal pro Woche und auch an Werktagen wird rund drei bis vier Stunden lang intensiv gearbeitet“, betont er und spricht nicht ohne Stolz von einer „sehr würdigen Fortsetzung der großen Hardheimer Wagenbau-Tradition pünktlich zu unserer großen und langen Jubiläumskampagne“.

Zu dieser Form fastnachtlicher Würde trägt natürlich auch der Wagen als Solcher bei, ist er doch viel mehr als ein Umzugswagen, der optische Akzente setzt und die Umzugsteilnehmer bei bester Laune hält. „Letztlich soll der neue Ritterwagen ein Treffpunkt werden, an dem sich die Hardheimer Gruppen während der Umzüge sowie jeweils davor und danach orientieren und sammeln können“, erklärt Marco Katzenmaier. Diese Bedeutung wird durch die im Wagen untergebrachte „Bar Margarete“ mit klangstarker Musikanlage sowie die als „Wolfsabort“ bezeichnete Toilette unterstützt. Das alles schlägt sich natürlich auch im Gewicht des Fahrzeugs nieder: „Der Wagen wiegt am Ende mehrere Tonnen“, sagt der Umzugsleiter, der sich im Namen der FG „Hordemer Wölf“ bei den ortsansässigen Firmen für jede Unterstützung in Form von Geld- oder Materialspenden bedankt.

Fertiggestellt wird der Wagen „auf jeden Fall zum ersten Umzug der neuen Kampagne“, wie er den Fränkischen Nachrichten verrät – ein hehres Ziel, das entsprechende Vorarbeit erfordert. So wird munter gehämmert, geflext, geschraubt, gebohrt und gemalt – natürlich aber auch fleißig koordiniert: „Jeder hilft auf seine Art und Weise jedem, wo es geht“, stellt Marco Katzenmaier klar und hält fest, dass der Bau des Wagens „eine sehr aufwändige Geschichte“ sei.

„Durch die zulässige Aufbauhöhe von maximal 2,50 Metern ist es nicht einfach, das Schloss originalgetreu nachzubauen“, lässt er wissen und gibt bekannt, dass allein für das Dach des Schlosses 3000 Holzschindeln gebraucht werden - außerdem werden für den Hinterhof derzeit noch 50 originalgetreue Balustraden nachgedrechselt: Wenn schon, denn schon. ad