Hardheim

Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“ Dr. Thomas Schmandra referierte über die Ursachen des Schlaganfalls

„Nur wer die Risiken kennt, kann helfen“

Archivartikel

Hardheim.Eine „große Runde“ begrüßte Fritz-Peter Schwarz als Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises „Unser Krankenhaus“ am Dienstag im Pfarrheim. Privat-Dozent Dr. Thomas Schmandra referierte über die Ursachen des Schlaganfalls sowie Früherkennungs-, Vorbeugungs- und Behandlungsmethoden.

8000 Verengungen

„Nur wer die Risiken kennt, kann im Zweifel helfen“, betonte er. Auf die etwa 600 000 Einwohner des Zuweisungsgebiets der Herz- und Gefäßklinik Bad Neustadt/Saale, deren Chefarzt der Referent ist, fallen rund 8000 hochgradige Verengungen der Halsschlagader.

„Oft kennen die Patienten ihre Problematik nicht und wissen ebenso wenig um den Zusammenhang zu Schlaganfällen Bescheid“, klärte er auf und definierte Schlaganfälle aus Schädigungen des Hirngewebes. Dabei führe ein linkshirniger Schlaganfall in der Regel zu einer Aphasie (Sprachstörungen) beim Rechtshänder, während beim Linkshänder der rechtsseitigen Schlaganfall Sprachprobleme verursachen kann.

Mit einem Blick in die Statistik führte der Mediziner sein mit Schaubildern unterlegtes Referat fort: Von 200 000 jährlichen Schlaganfällen verlaufe ein Viertel tödlich; während 40 Prozent aller Überlebenden dauerhafte Behinderungen davontragen, erholen sich 35 Prozent ohne spürbare Folgeschäden.

In 15 Prozent aller Fälle habe man es mit blutungsbedingten Schlaganfällen, dafür in 85 Prozent mit Minderdurchblutungen aus Auslöser zu tun. „90 Prozent aller Minderdurchblutungen entstehen im vorderen Hirnkreislauf, der über die Halsschlagader versorgt wird“, informierte Schmandra und attestierte den über 65-Jährigen eine überproportional häufig verengte Halsschlagader.

Eine gute Methode zur Früherkennung sei die Ultraschallüberprüfung, wobei auch körperliche „Warnschüsse“ sich als Vorboten eines Schlaganfalls zeigen.

„Typische Symptome sind neurologische Ausfälle wie kurzzeitiger Verlust der Sehkraft auf einem Auge oder ein nicht anhebbarer Arm“, zeigte der Franke auf und sprach von „ernsten Zeichen, die man nicht auf die leichte Schulter zu nehmen hat“.

Von einem Schlaganfall werde gesprochen, sobald der Ausfallzustand mindestens 24 Stunden anhält. Klassische Signale des Körpers seien auch transistorisch-ischämische Attacken, die sich in Gesichtslähmungen, Seh- oder Sprachstörungen, Schwindelgefühlen und tauben Körpergliedern äußere.

Einfacher Selbsttest

Getreu dem Motto „Zeit ist Hirngewebe“ könne bei früherer Behandlung umso mehr gerettet werden. Als hilfreichen Parameter ging Schmandra mit den Zuhörern den einfachen „FAST-Selbsttest“ durch. „Sobald man etwas spürt, sollte unverzüglich der Notarzt angerufen werden“, empfahl er und schilderte den folgenden Weg der Behandlung.

Dieser beginnt mit dem Ausloten von Behandlungsmethoden, bei denen man zwischen konservativer Therapie mit Tabletten, einer Operation sowie interventioneller Therapie mittels einem Katheter unterscheide.

Hier informierte Schmandra über geläufige Operationsverfahren wie das „Neuromonitoring“ bei örtlicher Betäubung, aber auch über vorbeugende Schutzmaßnahmen. „Die Operation verringert das Risiko weiterer Schlaganfälle vor allem bei Patienten über 75 Jahren, sodass der Eingriff auch im höheren Alter durchaus sinnig ist“, betonte er.

Mit Hinweisen zur Wahl fachlich geeigneten Arztpersonals und einer Fragerunde beschloss er seinen Vortrag, in dem er fundiertes Fachwissen leicht verständlich aufbereitete, und wurde von Fritz-Peter Schwarz mit einem Präsent verabschiedet. ad