Hardheim

Projekt an der Hardheimer Realschule Schüler der 6 a gaben für eine Woche ihre Smartphones ab / Positive Bilanz am Ende

Ohne Handy hat man plötzlich mehr Zeit

Hardheim.Häufig kritisiert wird der Medienkonsum der Jugend. Dass es auch ganz anders geht, bewiesen die 23 Mädchen und Jungen der Hardheimer Realschulklasse 6a: Im Zuge der von Schulsozialarbeiter Christian Parth und Klassenlehrerin Ines Kemper initiierten „handyfreien Woche“ ließen sie ihren „mobilen Kommunikationsapparat“ von Montag bis Freitag in den Tresor der Hardheimer Volksbank-Filiale einschließen und entdeckten „klassische“ Methoden der Freizeitgestaltung auf ein Neues.

Am Montag begrüßte Privatkundenberaterin Sabine Orciari die Klasse und sprach von einer „sehr guten Projektidee“, ehe die Smartphones eingesammelt und im Tresorraum eingelagert wurden.

Nachdem man direkt danach eine Klassenarbeit geschrieben hatte, starteten die Mädchen und Jungen in das interessante und lehrreiche Programm einer besonderen Projektwoche: So informierte Elmar Schmitt (Polizeiposten Hardheim) kompetent über Cyber- und speziell Handykriminalität. Weitere Thema waren der sachgemäße Umgang mit Smartphones und die durch sie besonders leicht nutzbaren sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram, der Messenger WhatsApp und auch der immer wichtiger gewordene, oftmals jedoch kaum beachtete Datenschutz.

Von der Realschule Walldürn kamen Schülermedienmentorinnen Alina Mann und Mia Martens mit Konrektorin Elke Gramlich zu der 6a, um aus erster Hand „von Jugendlichen für Jugendliche“ über die Vorteile, aber auch drohende Risiken und Gefahren der Smartphone-Nutzung aufzuklären. Mit Erfolg, wie Christian Parth beobachtete: „Die Schüler waren sehr eifrig und konzentriert bei der Sache!“, freute er sich. Gezeigt wurde auch, wie man ohne Smartphone und fortlaufende Erreichbarkeit eine attraktive Freizeit planen kann: Gemeinsam übte man sich in kooperativen Abenteuerspielen, in denen sich ein Schüler auf den anderen verlassen musste und zugleich spürte, auch ohne Mobiltelefon und mobiles Internet immer „mitten im Leben“ zu sein.

„Wir Erwachsenen merkten recht bald, dass die Kinder ohne Handy durchaus zurechtkommen und sehr wohl das ganz traditionelle Spielen nicht verlernt haben“, resümierten Christian Parth und Ines Kemper, die ihre Mobiltelefone am Montag ebenfalls abgegeben hatten.

„Wir wollten mit gutem Beispiel vorangehen: Leider stellt man zusehends auch an sich selbst fest, dass man das Smartphone oft genug gar nicht mehr ausschaltet“, erklärte Christian Parth, der mit Jugendlichen bereits im April 2014 eine „handyfreie Woche“ in die Tat umgesetzt hatte und nun von den damals gewonnenen Erkenntnissen profitierte.

„Es geht nicht darum, das Handy und seine durchaus auch hilfreichen technischen Möglichkeiten in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber wir wollten den Kindern zeigen, dass man auch ohne ständige Erreichbarkeit in der Lage ist, gut zu leben und nicht den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren“, räumte der engagierte Schulsozialarbeiter im FN-Gespräch ein.

Wie gut das Experiment ankam, zeigte am Freitag die Gesprächsrunde im Klassenzimmer. „Man unternimmt ohne Handy mehr mit Freunden, hat mehr Zeit für die Familie und die Hausaufgaben“, hielt Lena Sensbach fest. Ihr Mitschüler Marc Höll resümierte, „Gesellschaftsspiele wieder neu entdeckt und mehr zusammen unternommen zu haben“, was ihm Freude schenkte.

Auf die gute Stimmung des gemeinsamen Mittagessens ganz ohne auf dem Tisch liegende und läutende „Phones“ berief sich Melanie Böhrer. Angelina Gehrig schilderte, ohne das Handy mehr im Haushalt geholfen und auch so zu einem guten, sinnvollen Zeitvertreib gekommen zu sein.

Dennoch war die Freude groß, als man gemeinsam zur Volksbank-Filiale lief und von Sabine Orciari die Smartphones wieder gereicht bekam. „Die Volksbank Franken unterstützt Aktionen dieser Art gerne“, schilderte Orciari und würdigte die tolle Mitarbeit der 6a: „Ich finde es klasse, wenn in dieser medial so vernetzten Gesellschaft noch andere Werte gekannt, wieder entdeckt und geschätzt werden“, erklärte sie. ad