Hardheim

Walter-Hohmann-Schulverbund Hardheim Isabelle Semma arbeitete im Rahmen ihrer Schreib- und Theaterwerkstatt mit der Vorbereitungsklasse

Projekt rund um die Welt der Märchen

Archivartikel

Hardheim.In einer Reihe mit den Gebrüdern Grimm und Hans Christian Andersen stehen die aus Syrien, Nigeria, Russland, Mosambik und der Ukraine stammenden Mädchen und Jungen der Vorbereitungsklasse des Walter-Hohmann-Schulverbunds VKL II: Gemeinsam mit Lehrerin Jenny Köhler und Isabelle Semma („WERKstattSCHULE Heidelberg“) schrieben sie im Rahmen des „KooBo-Z“-Projekts („Kooperative Berufserfahrung für Zuwanderer“) mehrere Märchen, von denen eines am Donnerstag in der Aula aufgeführt wurde.

Mit seinem Hinweis auf eine „Präsentation der besonderen Art“ und den weitestgehend im Stillen erfolgten Vorbereitungsbetrieb weckte Schulleiter Harald Mayer zu Beginn hohe Erwartungen, ehe er Jenny Köhler und Isabelle Semma sowie den zwischen elf und fünfzehn Jahre jungen Darstellern für das inzwischen dritte „KooBo-Z“-Projekt an der Schule dankte.

Das kurze Theaterstück drehte sich auf so vergnügliche wie warmherzige Weise rund um die Welt der Märchen, mit der sich die Jugendlichen intensiv auseinandergesetzt hatten: Sie hatten Märchen kennengelernt, gespielt, gezeichnet und schließlich selbst verfasst.

Im Zentrum des Geschehens stehen hierbei Robin, Lola, Leo und der König: Sehr ungern sieht der Regent, dass seine Tochter Lola und Robin Gefühle füreinander haben. Immer wieder legt er ihnen Steine in den Weg und versucht, die beiden auseinanderzubringen, bis er sich dann doch ein Herz fasst und den beiden ihr Glück gönnt.

Als Zeichen der Familienverbundenheit erhält Robin die Krone und wird zum vollwertigen Mitglied des Hofstaats. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hält ihr Lieben und Leben bis heute an!

Dass hinter der auf der Bühne so locker und leichtfüßig wirkenden Aufführung viel mehr steckt, erfuhren die Fränkischen Nachrichten im Gespräch mit Jenny Köhler und Isabelle Semma. „Im Rahmen des Projekts wurden Berufe in Märchen thematisiert, so dass die Jugendlichen im Rahmen der Berufsorientierung verschiedene Handwerksberufe kennenlernten: Zum Beispiel den Schneider aus ‚Das tapfere Schneiderlein’, den Müller aus dem ‚Der gestiefelte Kater’ oder Schreiner und Zimmermann aus ‚Tischlein, deck’ dich’“, verdeutlicht Isabelle Semma im Rückblick auf die letzten fünf Monate.

Sprachgefühl geschult

„Ebenso wurden vor allem das Sprechen vor Publikum, die korrekte Betonung von Worten und Buchstaben sowie das Sprachgefühl geschult“, fährt sie fort und spricht von der eigentlichen Intention, die Schüler aus der sogenannten „Komfortzone“ zu holen.

„Hier sollen nicht nur Deutschkenntnis verbessert und Sprachbarrieren eingeschmolzen, sondern auch Talente geweckt werden“, erklärt sie, während Jenny Köhler als Klassenlehrerin der VKL-II-Klasse vom Erweitern des Wortschatzes, einem sichereren Sprachgebrauch und der damit einhergehenden Verbesserung der Kommunikation spricht: „Die Darsteller bekommen ein Gefühl für die Sprache, von dem sie im Alltag und erst recht bei der späteren Suche nach einer beruflichen Perspektive profitieren“, räumt sie ein und lässt wissen, dass das „KooBo-Z“-Projekt mit Schreib-, Theater- und Kunstwerkstatt in gleich mehrfacher Hinsicht die Sinne schule. Das aufgeführte Märchen etwa entstand im Rahmen der Schreib- und Theaterwerkstatt, wo Sprach- und Körpertraining mit theaterpädagogischen Aspekten vermischt wurde. Geschrieben wurden in Zweiergruppen gleich einige Märchen.

„Dann wurde darüber abgestimmt, welches einstudiert und vorgetragen wird“, erklärt sie. „So haben wir uns wieder etwas Tolles ausgedacht“, resümiert Isabelle Semma, die den Weg zur Aufführung als „bereichernd für alle“ erlebte.

Starker Zusammenhalt

Die zumeist neben dem VKL-Betrieb auch stundenweise in den Regelklassen unterrichteten Jugendlichen lernten in kürzester Zeit, wurden sprachlich mit jeder der wöchentlich mehrere Stunden in Anspruch nehmenden Trainingseinheiten sicherer, bewiesen dabei starken Zusammenhalt und hatten ebenso viel Freude an der Gestaltung der farbenfreudigen Bilderausstellung in der Aula, die gleichsam am Donnerstag eröffnet wurde: Die Auseinandersetzung mit den Märchen war der größte Bestandteil der Kunstausstellung und des Projekts – wiederzufinden im „Wimmelbild“, das die Fünftklässler des Walter-Hohmann-Schulverbunds als Geschenk überreicht bekamen. ad