Hardheim

Land und Leute Moritz Reinhard sammelt über sein Projekt „We can do more“ Spendengelder und übergibt diese an Krebseinrichtungen

Quer durch Europa für den guten Zweck

Im Kampf gegen den Krebs radelt Moritz Reinhard aus Bretzingen durch sechs Länder. Für die etwa 3000 Kilometer hat er vier Wochen Zeit. Sein Gefährt? Ein Fahrrad.

Bretzingen. Von Kopenhagen über Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Andorra bis nach Barcelona: Auf den ersten Blick klingt das nach einer schönen Urlaubsreise quer durch Europa, mit vielen unterschiedlichen Kulturen und Sehenswürdigkeiten. Dazu noch vier Wochen Zeit? Umso besser! Das Fortbewegungsmittel ist jedoch ein Fahrrad – und um Erholung geht es Moritz Reinhard in erster Linie überhaupt nicht. Viel mehr steht der gemeinnützige Zweck im Vordergrund: Der Student aus Bretzingen sammelt mit dem Projekt „We can do more“ Spendengelder, um Einrichtungen im Kampf gegen Krebs zu unterstützen.

„Meine letzten Semesterferien im Sommer will ich sinnstiftend nutzen“, erzählt der 25-Jährige. Nicht ganz zufällig fiel die Wahl auf die Krebsforschung als Ziel seiner gesammelten Spenden. Bereits mehrmals schlug die Krankheit in seinem familiären Umfeld und im Bekanntenkreis zu. „Das treibt mich an, dagegen etwas zu unternehmen.“

Mittlerweile hat der Student, der seinen Master in International Business Development in Reutlingen macht und in Lauda, Gissigheim und Königheim Fußball gespielt hat, über 3000 Euro gesammelt.

Am 18. Juli will der Student in Kopenhagen bei der onkologischen Abteilung des Rigshospitals loslegen. Das nächste Ziel in Deutschland ist das Universitäts-Krebszentrum in Göttingen, bevor Reinhard zum Cancer Center Braunschweig radelt. Nach dem Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder Gießen, der die Krebsstation und Forschung an der Universitätskinderklinik unterstützt, geht es weiter zu den „Waldpiraten“ in Heidelberg. Das Camp der Deutschen Kinderkrebsstiftung wird von Elterngruppen mitfinanziert und mitgetragen und organisiert in den Ferien Campfreizeiten für krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Geschwister. Von Heidelberg fährt der 25-Jährige weiter in Richtung Süden, zum Tumorzentrum Freiburg.

Über die Schweiz und das Tumorzentrum im Inselspital Bern geht die Reise weiter nach Lyon zum „Léon Bérard“, dem Zentrum für Krebsbekämpfung. In Andorra ist kein Halt bei einer Einrichtung geplant. Wenn Moritz Reinhard am 14. August in Barcelona im Sant Joan de Déu Kinderkrankenhaus, Abteilung für Kinderonkologie, ankommt, wird er in sechs Ländern mehr als 3000 Kilometer zurückgelegt haben – mit dem Fahrrad.

Seit zwei, drei Jahren fährt er regelmäßig, darunter auch längere Strecken. Sorgen bereitet ihm nicht die Distanz. „Es wird mit Sicherheit nicht einfach, vier Wochen am Stück jeden Tag zu fahren“, vermutet der Student. „Doch man muss daran denken, wofür man das macht, das treibt mich ja auch an“.

Mittlerweile hat er auch ein passendes Gefährt gefunden. Der Laden „2-Rad Dosch“ in Buchen stellt ihm ein kostenloses Reiserad für seine Tour zur Verfügung. „Ich konnte es auch schon ,Probe’ fahren.“

Nicht alles in der eigenen Hand

Die Idee zu seiner Aktion kam ihm Ende 2018. An Weihnachten weihte er Familie und Freundin ein. „Die waren positiv überrascht und haben mich seitdem bei vielen Dingen unterstützt.“ Denn in den vergangenen Wochen und Monaten gab es einiges zu erledigen: So erstellte Moritz Reinhard eine Homepage, auf der er über sein geplantes Vorhaben informiert. Auch die Einrichtungen musste er kontaktieren, Flyer und Spendenboxen in Geschäften verteilen, die Reise planen – und „nebenbei“ noch studieren. „Klar ist: Zuerst kommt das Studium, dann das Projekt. Vieles lässt sich deswegen erst abends organisieren, aber ich bin hochzufrieden damit, wie es läuft.“ Doch nicht alles hat der 25-Jährige in der eigenen Hand. Zwar plant er, in Jugendherbergen und Hostels zu übernachten oder auch über das „Couchsurfing“ eine Schlafmöglichkeit zu finden. „Es kann aber auch sein, dass ich mal nicht weiß, wo ich übernachte. Ich hoffe auf die Gastfreundlichkeit der Menschen, und eine Couch hat jeder“. Der Supergau wäre laut seiner Aussage: „Wenn ich vom Einkaufen zurückkomme und jemand hat mein Rad geklaut“.

Die Kosten für das gesamte Projekt trägt der Student selbst, denn alle Spendengelder sollen an die Krebseinrichtungen übergeben werden. Seine Ausstattung für den Trip hält er minimalistisch, wie er selbst sagt. In zwei Radtaschen will er eine Jeans, ein T-Shirt, Unterwäsche für eine Woche und Werkzeug für den Notfall unterbringen. Fahrradklamotten – also Hose, Trikot und Handschuhe – nimmt er jeweils zwei Mal mit. „Ich werde den ganzen Tag auf dem Rad sein, da brauche ich leichtes Gepäck.“

Minimalistisch wird seine Ernährung dagegen nicht ausfallen: Morgens reichhaltig frühstücken und mittags etwas „Herzhaftes“ stehen auf dem Speiseplan. „Und natürlich viel trinken“, betont Moritz Reinhard.

Er hofft, mit seiner Aktion andere zu ähnlichen Projekten zu inspirieren und Krebspatienten mit seinem Vorhaben Kraft zu spenden. „Krebs geht uns alle etwas an. Viele sind davon betroffen, ob direkt oder indirekt“.