Hardheim

Arbeitskreis Denkmalpflege im Museumsverein Erfatal Restaurierung von Denkmälern in Rüdental abgeschlossen

Schmucker Blickfang im Hardheimer Ortsteil

Hardheim.Gelungen sind die Erhaltungsarbeiten durch Bildhauermeister und Restaurator Ralf Drolshagen an den beiden Bildstöcken in Rüdental. Sie bilden nun den Abschluss einer Gesamtmaßnahme, die der Arbeitskreis Denkmalpflege im Museumsverein Erfatal 2017 mit den beiden Bildstöcken in der Roten Au und auf dem Fußweg zur Wohlfahrtsmühle begonnen und wegen der Finanzierung geteilt und nun in Rüdental vollendet hat.

Beide haben nun einen gemeinsamen würdigen Platz gegenüber der Rüdentaler „Maria-Hilf“-Kapelle gefunden. Bernhard Löffler hatte das Ensemble in freiwilliger Arbeitsleistung mit einem stilisierten Brunnen ergänzt und auch die dortige Sitzbank generalüberholt – ein schmucker Blickfang in dem Hardheimer Ortsteil.

Das „Pfarrerdenkmal“, ein Nischenbild, stellt eine Beziehung zum ehemaligen Gasthaus „zur Sonne“ am Marktplatz in Hardheim her. Möglicherweise sind deren Gastwirte die Stifter dieses Bildstocks gewesen. Die Insignien IHS und ein Kreuz auf der rechten Steinseite deuten auf ein kirchliches Denkmal hin. Das Steinmetzzeichen Barth aus Hardheim ist deutlich erkennbar.

Ursprünglich stand das Denkmal, wie Peter Steinbach berichtete, an der Straßenkreuzung auf dem „Steinfurter Buckel“ nahe der Abzweigung nach Schweinberg. Dort soll bei einem Unfall eines Lkw der US-Army der Bildstock umgeworfen worden sein und habe dort einige Jahre im Graben gelegen.

Etwa 1975 habe sein Vater Hugo mit einem Frontlader dieses Denkmal geborgen und in seinem Garten neben der Einmündung des Streitwegs in die L 508 aufgestellt, so Peter Steinbach. Nach dem Umzug der Familie Steinbach nach Hardheim blieb es dort und wurde mit der Zeit durch Sträucher verdeckt. Peter Steinach hat mit seinem Onkel Bernhard Löffler die Sträucher entfernt und zusammen mit dem Arbeitskreis Denkmalspflege mit der Wiederherstellung begonnen.

Der Text auf dem Denkmal trägt folgende Inschrift: „Gottes und seiner lieben werten Mutter Maria zum Lob und Ehren hat Georg Baumann und Elisabeth seine liebe Hausfrau zu Rüdental auf dem undern Hof für sich ihre neun Kinder deren noch fünf nach als Georg, Velten, Barbara, Apolonia, Margaretha im Leben dies Bild aufrichten lassen. Carfreitag Ano 1615.“ Nach mündlichen, aber nicht bestätigten Überlieferungen soll ein Priester auf dem Weg von der Filialkirche Steinfurt nach Rüdental überfallen worden sein. Dessen Tod soll den Anstoß für die Errichtung des Denkmals gegeben haben.

Das Boxerdenkmal, ein Nischenbildstock von 1910, rundet das Ensemble ab. Der Bildstock stand ursprünglich beim Anwesen Ditter an der Ecke Rüdentaler/Steinfurter Straße am Ortsende von Rüdental in Richtung Steinfurt und ist aus gelbem Sandstein gefertigt. Es hat einen vierkantigen Sockel mit Basis, Schaft, Nischenaufsatz mit Relief, Bekrönungskreuz und Pieta. Die Inschrift auf dem Schaft lautet: „Errichtet zur Ehre Gottes 1910 aus Dankbarkeit glücklicher Heimkehr Chinaexpedition 1900/01 Wilhelm Schretzmann“. Mit der „Chinaexpedition“ ist der sogenannte Boxeraufstand in Peking gemeint, der sich gegen die imperialistischen Mächte richtete. Um 1770 wurde die chinesische Geheimsekte „Schutzverband für Gerechtigkeit und Eintracht“ gegründet. Ab Mai 1900 bekämpfte sie immer mehr und auch aggressiver den westlichen Einfluss in China. Die Krise erreichte mit der Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteler am 20. Juni 1900 ihren Höhepunkt.

Tags darauf erklärte die Kaiserwitwe den ausländischen Mächten den Krieg und löste damit den Einsatz eines internationalen Expeditionskorps zur Rettung der ausländischen Staatsbürger aus. Von diesem Einsatz des Expeditionskorps gibt es zwei historisch verbürgte Aussprüche.

Der erste von Kaiser Wilhelm II, der bei der Verabschiedung des deutschen Corps seinen Soldaten zurief: „Pardon wird nicht gegeben!“ Das führte dazu, dass die Deutschen in Großbritannien fortan die „Hunnen“ genannt wurden. Der zweite Ausspruch stammte vom Kommandeur des englischen Kontingents: „Die Deutschen an die Front!“ Damit soll angeblich der Respekt vor dem beeindruckenden Kampfeswillen, des Mutes und der Tatkraft der deutschen Soldaten zum Ausdruck gekommen sein.

Von diesem nicht ganz ungefährlichen Abenteuer kehrte Wilhelm Schretzmann aus Rüdental wieder glücklich nach Hause und errichtete aus Dankbarkeit diesen Bildstock. Schretzmann war mit Magdalena Mayer aus Hardheim verheiratet. Das Ehepaar zog später nach Emmendingen. Für seine militärischen Verdienste soll Schretzmann mit dem Posten eines Steueraufsehers belohnt worden sein.

Für den Arbeitskreis Denkmalpflege im Museumsverein Erfatal wäre es Genugtuung und Freude zugleich, würden auch viele Bürger sich von der Schönheit und der gelungenen Restaurierung dieser alten, steinernen Kulturgüter überzeugen. hs