Hardheim

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ Bei dem Auftritt von Stefan Müller-Ruppert in Hardheim kamen vor allem die älteren Besucher auf ihre Kosten

„Schön sind Dienst und Lohn, schöner noch ist die Pension“

Archivartikel

Hardheim.Der Rezitator, Schauspieler und Musical-Sänger Stefan Müller-Ruppert begeisterte am Freitag auf Initiative der beiden Kirchengemeinden bei seinem Auftritt unter dem Motto „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ in der Erftal-Halle zahlreiche Besucher.

Darunter waren – einem Wunsch des „Arbeitskreises Jubiläen“ des Pfarrgemeinderats entsprechend – vor allem jene, die in eine neue Lebensphase – das Rentenalter – eingetreten sind. Diesen verdeutlichte er mit Humor, aber auch mit nachdenklich stimmenden Wort- und Musikbeiträgen die für sie denkbaren Zukunftsperspektiven. Das Publikum ließ sich anstecken von der positiven Ausstrahlung des Künstlers und ging freudig mit.

Auf das Motto des gehaltvollen Abends stimmte Müller-Ruppert mit Richtung weisenden Dichterworten von Hermann Hesse und dessen Gedicht „Stufen“ ein.

Dann wartete er mit mancherlei Gedanken zum Eintritt in den Ruhestand auf und wollte beachtet wissen, dass für den zum Pensionär avancierten „Herrn Fleißig“ zwar die Freiheit ausbricht, er aber auch nicht übersehen dürfe, dass Neues Geduld und Liebe brauche.

Neu gewonnene Zeit genießen

Folgen ließ er die Empfehlung, die neu gewonnene Zeit in vollen Zügen zu genießen und an Folgendes zu denken: „Schön sind Dienst und Lohn, schöner noch ist die Pension“. Zu welchen Betrachtungen sich beispielsweise der Altheimer Erwin Thoma bei seinem Blick von oben auf das Dorf veranlasst sah, ließ der Rezitator ebenso folgen wie die Charakterisierung des früheren ländlichen Lebens und dessen Veränderungen, während er jedoch derselbe geblieben war.

„Wenn ich einmal reich wär’“

Dass es für eingebildete Städter keinerlei Grund zu Überheblichkeit über „Badisch Sibirien“ gebe, machte Müller-Ruppert deutlich, bevor der Musical-Sänger „Wenn ich einmal reich wär’“ zu Gehör brachte.

An der humorigen Form von Erich Kästners Charakterisierung des „September“ hatten die Zuhörer ebenso ihre Freude wie am Wechsel zwischen den Strophen des Liedes „Bunt sind schon die Wälder“ und vortrefflichen Texten von Dichtern zum Herbst.

Zu Wort kommen ließ Müller-Ruppert Hinweise auf das Wandern „der Gesundheit wegen“, auf Freuden des Angelns und beim Golfen, regelmäßige Arztbesuche und Tierliebhaber, die wie der Amorbacher Fritz Ehscheid auch im Jenseits am liebsten weiter ihrer „Liebhaberei“ nachgehen würden.

Den Wert des Bemühens um Nachhaltigkeit machte Müller-Ruppert mit Fontanes „Herr von Ribbeck…“ deutlich. Mit einem modernen Song bedauerte er, dass vieles verloren gegangen ist, ehe „Wiener Schmäh“ und das sarkastische „Taubenvergiften im Park“ ihren Platz bekamen – samt dem Kulturgut Mundart. Wie Erinnerungen an die Vergangenheit ausfallen können, ließ er mit einem humorvollen Text von Harald Hurst zum Klassentreffen deutlich werden, weil „manche halt verdorren“ und manche „zuviel Saft ziehen“.

Was Enkel an ihren Großeltern nicht mehr verstehen können, war in einem Zwiegespräch ebenso lustig dargestellt wie umgekehrt in einem Text von Margot Peterhänsel, in dem die Befürchtung gehegt wird, dass mit dem Enkel etwas nicht stimmen kann, der sich über eine „Flatrat(t)e“ gefreut hätte.

Mit der Hoffnung, dass es einen um das Buch nicht bang werden müsse, verband Stefan Müller Ruppert den Hinweis, dass Liebe für Bücher, Kunst und Musik niemanden verarmen lasse. Folgen ließ der Künstler weitere Ideen zur Gestaltung des Ruhestands.

Wie eine Weinprobe ausfällt, die von einem vermeintlich „echten“ Weinkenner durchgeführt wird, war ebenfalls ein lustiger Beitrag.

Gewinnbringender Abend

Mit Reinhard Mey machte Müller-Ruppert deutlich, dass alles endlich ist, ehe er ein Gedicht von Hans Magnus Enzensberger mit dem Dank für den Anfang, das Ende und das Dazwischen folgen ließ.

Und mit einem Hoch auf die schöne kurze Zeit und den Augenblick der Ewigkeit, „den wir auf Erden leben“, schloss er den gewinnbringenden Abend nachdenklich stimmend ab.

Während der Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Seelsorgeeinheit, Manfred Weihbrecht, in den Abend eingestimmt und den Anlass erläutert hatte, beschloss Pfarrer Andreas Rapp diesen mit Dankesworten an den Künstler und mit dem abendlichen Segen.

Der lange Beifall veranlasste Stefan Müller-Ruppert nach seinem fast dreistündigen Programm noch zu einer reizvollen Zugabe in Form des problemlos vorgetragenen Zungenbrecher- Märchens von der „Barbara“. Z