Hardheim

Gesangsworkshop mit Karolina Trybala im „Bahnhof 1910“ „OnStage“-Konzert zum Abschluss / Dani Arnold organisierte die Veranstaltung

„Sehr belebte und intensive Abende“

Archivartikel

Originalität, Ehrlichkeit und Begeisterung trafen beim „OnStage“-Konzertabend aufeinander, der am Samstag zahlreiche Besucher in den „Bahnhof 1910“ lockte.

Hardheim. Höhepunkt des Gesangsworkshops mit Karolina Trybala (Leipzig) war wieder ein Konzertabend. Organisiert wurde die Veranstaltung von Dani Arnold, die fast zehn „Wiederholungstäter“ und drei neue Gesichter im „Bahnhof 1910“ begrüßte.

Das freute auch Karolina Trybala: „So voll war es noch nie!“, bemerkte sie zu Beginn des überaus unterhaltsamen Abends und blickte auf „sehr belebte und intensive Abende“ zurück, an denen man „in einer spannenden Gruppe fleißig miteinander gesungen hat“.

Mit dem in jüdischer Sprache gesungenen Schlager „Bei mir bist du schön“ eröffnete Karolina Trybala das Konzert, spielte auf beeindruckende Weise mit ihrer Stimme und nahm ihre Shrutibox – ein aus dem Indischen stammendes Instrument zur Begleitung mit bassähnlicher „Hookline“ – zur Hand: So entfaltete die nun angestimmte bulgarische Volksweise über ein Mädchen, das sich den besten Tänzer des Dorfs, der auch der trinkfesteste Geselle seines Freundeskreises ist, zum Mann nimmt. Zu den kernig-klaren Rhythmen klatschte das Publikum fröhlich mit, ehe Trybala („eigentlich hab’ ich es nicht so mit Popsongs“) mit einer ganz besonderen klanglichen Kostbarkeit aufwartete: Den 1987 um die Welt gegangenen Hit „Voyage, Voyage“ der französischen Chansonneuse Claudie Fritsch-Mentrop („Desireless“) transferierte sie vom ursprünglichen Flair des urbanen, treibenden Synthesizer-Europops in die Ebene einer getragenen und doch kraftvollen Kaminzimmer-Hymne – ideale Musik also für den „Bahnhof 1910“, den Karolina Trybala und ihr „Bühnen-Compagnon“ René Desquiotz mit bestem Leben erfüllten.

Das galt im Rückblick auch für den Workshop: „Die Liebe war dabei“, hielt Karolina Trybala fest und nahm damit die Aussage des nächsten Titels vorweg: „Wie es auch sei, Liebe ist dabei“ verstand sich als warmherzige deutschsprachige Version von „Puttin’ On The Ritz“ und wurde vom Projektchor aller Teilnehmer angestimmt, die als „Trybalalas“ den passenden Rahmen zum Nachdenken und Zurücklehnen schufen.

Mit dem „Flackernden Feuer“ wurde eine Hymne der DDR-Pioniere angestimmt – allerdings ohne ein politisches Statement zu setzen: Eine schöne Melodie enstellt nichts, auch keine ehemals politische Verwendung.

Schließlich stand die Bühne allen Workshopteilnehmern offen. Zunächst stellte Dani Arnold sich und ihre künstlerische Intention vor, um sich durchaus erleichtert zu zeigen: „Vielen Dank, es hat alles wunderbar geklappt“, rief sie und griff zu ihrer Gitarre, um Liedern des Singer-Songwriters Jason Mraz ihre ganz eigene Note zu schenken.

Weiter ging es mit Simone Roth, Stephan Zoller, Frauke Laier, Wolfram Voeske und einem weiteren Intermezzo der ungemein temperamentvoll zu Werke gehenden „Trybalalas“: Wer dem Chor zusah, ließ seine Augen einem lebhaften Beweis für eine gute und harmonische Zusammenkunft folgen. Nach kurzer Pause, in der gern ein Gläschen erhoben und dabei zwanglos über das Leben und die Musik gesprochen wurde, nahm der zweite Teil dieses außergewöhnlichen Abends Fahrt auf: Nach der Formation „Jazz-A-Bossa“ unterhielten Stefan Hartmann, Stefan und Rebecca sowie Uli Walter, Kirsten Beran und Hans Blank die Gesellschaft, während René Desquiotz und abermals „The Trybalalas“ zur Höchstform aufliefen. Allerdings war auch das nicht das Ende der Fahnenstange: Wer Lust hatte, konnte weiterhin Musik machen und singen – die Bühne stand jedem offen.

Die Konzertbesucher hatten ihr Kommen nicht bereut: „Wäre die Fläche im ‚Bahnhof 1910’ doppelt so groß, hätte man diese auch mit glücklichen Besuchern und guten Musikern voll bekommen“, urteilte einer von ihnen, während sich neben ihm die Daumen anderer Musikfreunde in die Höhe reckten. ad