Hardheim

Senioren-Radlergruppe Hardheim Kameradschaft wichtiger als Höchstgeschwindigkeit und Streckenrekorde / FN-Gespräch mit Edgar Farrenkopf und Irene Leiblein

Spaß an der Bewegung im Vordergrund

Hardheim.Als immer freundlicher Ford-Händler dürfte Edgar Farrenkopf zahlreichen Hardheimern in bester Erinnerung sein. Dass der inzwischen 81-Jährige auch eine starke Affinität für zweirädrige Fortbewegungsmittel besitzt, weiß vielleicht nicht jeder: Zum Einen ist er in der „IG Mühlenradweg Erftal“ aktiv, zum Anderen organisierte er von 2008 bis 2015 die Fahrten der Senioren-Radlergruppe, über die er und Irene Leiblein sich mit den Fränkischen Nachrichten unterhielten.

Die eigentliche Gruppe besteht bereits seit den 90er-Jahren: „Unter der Leitung von Peter Arnold etablierte sich ein Radlertreff, der in den Sommermonaten immer dienstags rund zweistündige Abendtouren unternahm“, schildert Farrenkopf.

Um die Jahrtausendwende war die Mehrzahl der Mitglieder nicht mehr berufstätig, was die Ausgangssituation veränderte: „Kurt Saffri und Hermann Konrad regten an, künftig bereits am Donnerstagnachmittag zu fahren“, schildert Farrenkopf.

Aus dieser „Runde“ entstanden schließlich die „Donauradler“, die im Sommer 2002 ihre erste große Reise auf zwei Rädern antraten und von Passau nach Wien radelten. Seither wird in jedem Jahr eine größere, in der Regel einwöchige Tour unternommen: 2003 ging es von Donaueschingen nach Passau, ehe 2004 mit der Radtour von Hardheim nach Regensburg mit Rückfahrt ein ganz besonderes Erlebnis auf dem Programm stand. „Das war schon toll, auch wenn manche von uns bereits in Rothenburg ob der Tauber ziemlich geschafft waren“, erinnert sich Edgar Farrenkopf lächelnd.

In den Folgejahren führten die Wege der Hardheimer Seniorenradler von Krimml nach Passau (2005), entlang der Weser von Hannoversch Münden nach Bremen (2006) und parallel zur Elbe von Bad Schandau nach Schnackenburg (2007). Im Jahr 2008 wurde der bekannte Mosel-Radweg erkundet, der vom französischen Metz bis nach Koblenz führt.

Schon viele Gegenden erradelt

Diese Touren wurden von Sieglinde Gärtner organisiert, wobei die Wahl stets ganz bewusst auf Streckenradtouren an Flüssen fiel: „Durch die relativ ebenen Fahrstrecken ohne große Auf-und-Ab-Fahrten sind solche Touren auch für ältere Leute wie uns sehr gut geeignet“, resümiert Edgar Farrenkopf, der 2002 zur Gruppe stieg und 2008 die Organisation der Touren übernahm.

Ein Jahr später erkundete die Truppe den Radweg entlang der Drau in Österreich, wo es von Lienz über Villach nach St. Kanzian ging, ehe die alpine Idylle 2010 gegen das maritime Flair des von Lübeck nach Stralsund führenden „Ostsee-Küstenradwegs“ eingetauscht wurde. „Diese rund 400 Kilometer lange Strecke bildete dann aber auch den Abschluss der typischen Streckentouren“, verdeutlicht Farrenkopf im FN-Gespräch und erklärt, dass seit 2012 nur noch Sterntouren stattfinden.

„Es ist ab einer gewissen Altersklasse besser, wenn man abends im gebuchten Hotel einkehrt und nicht immer das komplette Gepäck auf den Fahrrädern mit sich herumschleppen muss“, erklärt der 81-Jährige.

Als Dreh- und Angelpunkte der Sterntouren fungierten Fügen, Münster, Zielow, Breisach, Gunzenhausen, Harxheim in Rheinhessen sowie das fränkische Windelsbach (die FN berichteten). Auf diesen Strecken erlebte man allerhand Launiges, stellte aber auch einen Unterschied zum heimischen Wegenetz fest: „Manche als offizieller Radweg deklarierte Strecke ist mit dem Fahrrad fast unbenutzbar“, betont Edgar Farrenkopf und erinnert an einen Abschnitt am Müritzsee, wo die Hardheimer mit den Rädern im Sand steckenblieben. „Da merkt man erst, wie verwöhnt wir eigentlich mit unseren Wegen sind“, gibt er zu bedenken.

E-Bikes nur schwer zu befördern

Dass die Touren inzwischen auch eher in der näher erreichbaren Umgebung stattfinden, hat einen weiteren Grund: „Die E-Bikes sind mit dem Auto nur schwierig und mit der Bahn kaum zu transportieren“, sagt Irene Leiblein.

Das Motto ist so einfach wie eindeutig: „Bei uns geht es nicht um Geschwindigkeits-, Distanzen- oder Zeitrekorde und auch nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten und kulturelle Highlights zu sehen, sondern um den puren Spaß am Radeln und der Bewegung, die gute Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und das Ziel, bis ins hohe Alter möglichst fit zu bleiben“, schildert Irene Leiblein, die 2015 von Edgar Farrenkopf die Planung übernahm.

„Es ist auch schön, dass wir uns alle gut verstehen“, fügt dieser an und erklärt das „Einer für alle, alle für einen“-Gefühl am Beispiel einer Reifenpanne: „Als jemand einen Platten hatte, fuhr keiner weiter. Bei uns hilft man sich gegenseitig, wo es geht“, sagt der auch in der IG „Mühlenradweg Erftal“ sehr engagierte Farrenkopf.

Aktuell gehören der Gruppe 19 Teilnehmer zwischen 60 und 81 Jahren an, doch sei auch das nur ein Anhaltspunkt: „Wir sind eine lockere Runde: Wer kommt, ist da und fährt mit – allerdings nur mit Helm, denn Sicherheit ist unser oberstes Gebot!“, schildern Irene Leiblein und Edgar Farrenkopf abschließend.