Hardheim

Evangelische Kirchengemeinde Christoph Fischer absolviert seit 1. September ein Freiwilliges Soziales Jahr / FN-Gespräch mit ihm und Pfarrer Keller

Von Ravensburg als FSJler nach Hardheim

Archivartikel

Christoph Fischer absolviert seit dem 1. September sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der evangelischen Kirchengemeinde Hardheim/Höpfingen.

Hardheim/Walldürn. Am Anfang stand der Computer. Genauer gesagt der Computer von Christoph Fischer. Ohne den „Kasten“ wäre der 18-Jährige Ravensburger nämlich nie nach Hardheim gekommen.

Aus reinem Zufall wurde er Mitte August per Mail auf die Stelle aufmerksam: „Im Verteiler des VCP (Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder der evangelischen Kirche in Deutschland) fand ich die Ausschreibung und dachte mir spontan, dass das etwas für mich sein könnte. Denn dort war zu lesen, dass die Stelle auch den Aufbau eines Pfadfinderstamms beinhaltet“, erklärt er. Schließlich verfügt Christoph Fischer über umfangreiche Vorkenntnisse: „Bei Ravensburg leitete ich bereits Jugendgruppen und einen Pfadfinderstamm“, verdeutlichte er im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Postwendend habe er sich bei Pfarrer Markus Keller gemeldet. „Zuerst hatten wir per Mail Kontakt, ehe wir telefonierten und Christoph sich vor Ort ein Bild machen konnte“, erinnert sich der seit 2015 in Hardheim wirkende Geistliche.

Der Besuch vor Ort geriet zum Erfolg. Schnell fand man Gemeinsamkeiten: „Gerade die Pfadfinderarbeit ist mir wichtig und war letztlich auch ausschlaggebend für meine Wahl, mein FSJ in Hardheim zu absolvieren“, schildert Christoph Fischer.

Pfadfinder verbindendes Element

So ging es zum 1. September ins Erftal, wo er bei Claudia und Hagen Zoermer eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekam. Der Gemeinde offiziell vorgestellt wurde der 18-Jährige am Sonntag im Verlaufe des Gottesdienstes. Die Reaktionen in der Gemeinde waren positiv: „Rasch konnte ich seitdem zahlreiche Kontakte – insbesondere zu Familien und Jugendlichen – aufbauen und werde regelmäßig von Gemeindemitgliedern zum Mittagessen eingeladen, was mir auch sehr dabei hilft, neue Leute kennenzulernen“, berichtet er.

Seitdem bringt er sich täglich ins Geschehen der evangelischen Kirchengemeinde ein, wo sein Dienstplan auf rund 40 Wochenstunden ausgelegt ist. Diese Zeit verbringt Christoph Fischer schwerpunktmäßig in Hardheim, nimmt aber auch an ein bis zwei Aktivitäten der evangelischen Kirchengemeinde Walldürn teil.

Anderer Fokus

Allerdings ist das noch nicht der endgültige Stand: „Wir müssen durch die Neuausrichtung auf die Pfadfinderarbeit noch schauen, wie die Stunden am besten aufgeteilt werden“, gibt Pfarrer Keller zu verstehen. Immerhin ist die Stelle von Christoph Fischer im Gegensatz zu seinen FSJ-Vorgängerinnen Lea Schmelzer und Sophie Brenner nicht auf die rein kirchliche Jugendarbeit eingegrenzt, sondern richtet ihren Fokus mehr auf die Pfadfinder.

Damit änderte sich auch die Trägerschaft: Statt dem „EC“-Verband („Entschieden für Christus“) fungiert nun das Diakonische Werk Baden als Träger. Finanziert wird die Stelle über Projektmittel des evangelischen Kirchenbezirks Adelsheim-Boxberg, der Christoph Fischer bezahlt.

Aufbau eines Stammes

Zwar nimmt der Oberschwabe wie seine Vorgängerinnen auch an klassischen Jugendangeboten wie dem „Kidstreff“ oder dem Walldürner Jugendkreis teil und wirkt an der Vorbereitung von Gottesdiensten sowie diversen Aktivitäten der Bezirksjugend mit, aber mehrheitlich bringt er seine vorhandenen Kenntnisse über die Pfadfinderarbeit in den Aufbau des Hardheimer Stamms ein, was er selbst als „sehr spannende Tätigkeit“ ansieht.

„Es ist eine unglaublich interessante Situation mit hohem Gestaltungsspielraum, weil weder Traditionen noch etablierte Angebote existieren und wir die Pfadfinderarbeit von Grund auf ganz neu entdecken“, erklärt der 18-Jährige sichtlich begeistert. Er spricht von einer „etwas anderen Form der Jugendarbeit“.

Einen klassischen Feierabend kennt er indes auch nicht: „Manche Gruppenstunden hören pünktlich auf, während andere eben etwas länger dauern“, merkt er an und gibt bekannt, durchschnittlich „gegen etwa 21 Uhr“ zuhause zu sein. Was für ihn kein Problem darstellt: „Es macht einfach Spaß! Das liegt aber auch daran, dass die Hardheimer mich herzlich aufgenommen und vom ersten Tag an akzeptiert haben.“

Wohin sein Lebensweg ihn nach dem einjährigen FSJ führt, kann er freilich noch nicht sagen: „Grobe Gedanken darüber habe ich mir zwar schon gemacht, aber noch nichts Festes“, lässt er wissen und gibt an, dass das FSJ für ihn „eine willkommene Gelegenheit sei, Genaueres herauszufinden und Perspektiven auszuloten“.

Einen Beruf im Rahmen der kirchlichen Arbeit jedoch schließe er nicht aus und fiebert aktuell auf den 1. Advent hin: An diesem Tag wird die offizielle Gründung des christlichen Pfadfinderstamms in Hardheim erfolgen. „Das wird das absolute Highlight“, freut sich Christoph Fischer.