Hardheim

Beschäftigte Experten machen in Hardheim Halt Von Hagel eingedellte Fahrzeuge werden im Autohaus Günther von einer Fachfirma aus Hamburg repariert

„Wir fahren dem Hagel hinterher“

Die Firma DRS aus Hamburg hat im Autohaus Günther viel zu tun. Die Experten für Hagelschäden „entbeulen“ derzeit in Hardheim über 250 Fahrzeuge.

Hardheim. Keine 20 Minuten benötigte der Hagelschauer am 11. Juli, um nahezu jedes im Freien stehende Auto rund um Hardheim zu beschädigen. In den beiden Filialen des Autohauses Günther in Hardheim und Walldürn kümmert sich ein Weltmeister um die fachgerechte Entbeulung: Die international tätige Fachfirma DRS reparierte im vergangenen Jahr in Lateinamerika 40 000 Autos in nur neun Wochen.

Bereits im Juni 2015 hatte die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Hamburg in Latein Amerika 15 000 beschädigte Fahrzeuge repariert. Das war bis dato der größte je vergebene Einzelauftrag in der Geschichte der sanften Instandsetzung von Hagelschäden. Mit einer Belegschaft von über 600 Personen wurden in nur sieben Wochen alle 15 000 Fahrzeuge instandgesetzt. Damit hat DRS alle Grenzen gesprengt und ihren ersten inoffiziellen Weltrekord aufgestellt.

„Ganz so viele sind es hier natürlich nicht“, räumt der für den Einsatz im Autohaus Günther zuständige Projektteamleiter Steve Joachim ein, „aber wir sind trotzdem noch einige Wochen im Einsatz. Neben den rund 250 Fahrzeugen der Firma Günther wird auch eine hohe Anzahl von Kundenfahrzeugen repariert!“ Um das normale Tagesgeschäft mit Inspektionen, Ölwechseln und Reparaturen nicht zu beeinträchtigen, arbeiten die Kräfte der in Hamburg ansässigen Firma DRS in einer Art Zelt auf dem Betriebshof des Hardheimer Autohauses. „Damit reduziert man gleichermaßen auch die Durchlaufzeiten“, bemerkt Joachim und verweist auf das „prozessgesteuerte Arbeiten“.

Ausnahmesituation

Wobei es nicht gleich einen Tag nach dem Hagel losgehen konnte. „Erfahrungsgemäß dauert es rund drei Wochen, bis überhaupt die Gutachten der durch die Versicherungen beauftragten Kfz-Sachverständigen vorliegen“, erklärt er und spricht von einer Ausnahmesituation, die auch durch die Schwere des Unwetters bedingt ist. Dabei ist das seit 2007 bestehende Unternehmen keinesfalls nur in Hardheim und Walldürn tätig. „Wir fahren dem Hagel buchstäblich durch ganz Deutschland hinterher“, lacht Joachim, der das Unwetter vom 11. Juni auch im Sinne auf die instandzusetzenden Autos als „eines der schlimmsten Sturmereignisse des Jahres auf deutschem Boden“ bezeichnet.

Betroffene Fahrzeuge werden dabei in aller Regel ohne Neulackierung bearbeitet. „Das sogenannte ‚sanfte Ausbeulen’ sieht vor, dass das Blech durch fundiert ausgebildete Fachkräfte mit speziellen Werkzeugen von der Rückseite bearbeitet und dadurch mit einem gewissen Feingefühl in seine ursprüngliche Form gebracht wird“, beschreibt er die Herangehensweise. Ist eine „Hageldelle“ von innen nicht zugänglich oder an einer anderen komplizierten Stelle , findet sich aber immer eine Lösung.

Strenge Vorschriften

„Mittels der Klebemethode, bei der ein für den Autolack ungefährlicher Heißkleber zum Einsatz kommt, können die Dellen von außen herausgezogen werden“, verdeutlicht Steve Joachim vor Ort. Dabei gelten für die Mitarbeiter strenge Vorschriften, die sich sogar auf ihre Kleidung beziehen. „Es dürfen etwa keinerlei Uhren oder Schmuckstücke wie Ketten oder Armreife getragen werden, damit der Lack des zu reparierenden Fahrzeugs nicht beschädigt wird“, sagt der Experte. Dass die Techniker mit dem Modellprogramm der Volkswagen-Gruppe besonders vertraut sind, käme ihnen in Hardheim entgegen. „Wir wissen, wo wir was machen müssen“, erklärt er. Auf die durchschnittliche Verweildauer angesprochen, erklärt Geschäftsführer Elmar Günther, dass diese „ganz unterschiedlich“ sei. „Bei machen Autos müssen Lackierungen vorgenommen werden, die dann länger dauern. Da kommt es natürlich darauf an, wie die Lackiererei ausgelastet ist und wann sie die Arbeit bewältigen kann“, räumt er ein. Ferner käme es darauf an, ob Ersatzteile bestellt und eingebaut werden müssen. „Wenn ein Fahrzeug kommt und nur Arbeiten zum Dellenziehen anstehen, ist es jedoch in einem Tag fertig“, bemerkt er.

Professionelle Schadensbehebung

Günther ist stolz darauf, mit der Firma DRS einen echten Weltrekordler auf seinem Gelände zu haben: „Natürlich hoffen wir, dass ein solcher Hagel nicht so schnell wieder kommt – aber dass wir uns und die Kunden in professionellen Händen wissen, erleichtert dann doch vieles“, lässt er wissen.