Hardheim

Wanderschäfer in Not Einheimische unterstützen ihn

„Wir helfen, weil wir Tiere gerne haben“

Archivartikel

Hardheim.Einer der ersten Helfer, die Karl-Heinz Neugebauers Schicksal berührte und der ihm in der Not zur Seite stand, war Paul Beuchert aus Rütschdorf. Er schaltete MdB Alois Gerig ein und dieser traf sich noch am gleichen Tag mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Landrat Dr. Brötel und das Veterinäramt in Buchen wurden eingeschaltet. Aber auch ihnen waren durch die Gesetzgebung die Hände gebunden.

Vorrangig galt es, die ab Heilig Abend neugeborenen Lämmer zu schützen. Paul Beuchert organisierte über Josef Grimm den Viehstall der Familie Albrecht Dörr in Dornberg als erste Notunterkunft für Muttertiere mit ihren Lämmern sowie eine Scheune in Rütschdorf.

Schäfer Neugebauer setzte sich parallel dazu mit Thomas Haas in Bretzingen in Verbindung, den er von früher kannte. Dieser fuhr die zum Überwintern untergestellten Maschinen aus seiner Scheune und grenzte darin stattdessen kleine Stallungen für etwa 30 Schafe und deren frischgeborene Lämmer ab.

Fortan waren er und seine Frau Christine wie alle Helfer und an erster Stelle natürlich Neugebauer selbst rund um die Uhr im Einsatz. „Wir haben es schließlich mit Lebewesen zu tun, die nicht nach Sonn- und Feiertag oder Feierabend fragen“, strahlt der Wanderschäfer angesichts der Unterstützung. Paul Beuchert und ein Veterinär aus Buchen besorgten Stroh, Thomas Haas Heu und Neugebauers Sohn Andreas lieferte mit dem Bulldog von Poppenhausen aus über sechs Tonnen Rüben zum Verfüttern an. Das Kraftfutter wurde bei Alfred Weinmann in Dornberg eingelagert, der auch für die im nahegelegenen Stall untergebrachten Schafe Wasser zur Verfügung stellte und ebenso wie seine Frau Waltrauf engagiert zupackte. Die Schlauchleitungen verlegte Markus Alter vom Gemeindebauhof. Zu den weiteren Helfern gehörten Pfarrer Andreas Rapp, Klaus Reinhard mit Frau Maria und die Bürgermeister Rohm und Hauck.

Zudem wurde dem Schäfer eine 350 Quadratmeter große Reithalle in Rütschdorf zur Verfügung gestellt, in der auch Rübenpellets als Kraftfutter gelagert werden durften. „Wir helfen, so gut wir können“, so Besitzerin Ulla Plöchinger gegenüber den Fränkischen Nachrichten.

„Wir lassen niemanden hängen“, betonte Thomas Haas. Schon früher habe die Familie gerne Schafe auf der Weide besucht. Jeden Tag habe er mit Frau Christine und Tochter Lea nach neuen Möglichkeiten gesucht, weitere Lämmer unterzubringen. „Das Futter hatten wir von unseren Pferden übrig. Wir helfen übrigens nicht wegen der Öffentlichkeit, sondern weil wir Tiere gern haben“, ist ihm wichtig. Und den Lämmern gefällt es. Sie spielen und springen putzmunter umher. Die übrige Herde überwinterte auf Weiden im Erftal zwischen Hardheim und der Wohlfahrtsmühle im Freien. i.E.