Heidelberg

Tourismus Apothekenmuseum eröffnet Kräutergarten im Schloss / Historische Quellen genutzt / 50 000 Euro investiert

Der Thymian sprießt neben der Gojibeere

Heidelberg.Madonnenlilie, Allermannsharnisch und Knöllchen-Steinbrech fühlen sich hier schon wohl: Am Donnerstagnachmittag ist der rund 100 Quadratmeter große Kräutergarten des Deutschen Apothekenmuseums im Heidelberger Schloss offiziell eröffnet worden. Die Kosten von 50 000 Euro hat der Förderverein übernommen. Die 150 Pflanzenarten sind danach ausgewählt, was in der Renaissance als Heilpflanze verwendet wurde. Der Garten kann bei Führungen des Museums besichtigt werden.

Für Museumsdirektorin Elisabeth Huwer geht ein langgehegter Traum in Erfüllung: Die begeisterte Hobbygärtnerin hat die Idee eines pharmazeutischen Gartens schon 1997 bei ihrem Vorstellungsgespräch mit im Gepäck gehabt, erzählt sie. Lange wurde nach einem Standort gesucht: Ein öffentlich zugänglicher Platz im Schlossbereich schied aus – schon, weil auch Giftpflanzen angepflanzt werden.

An der Nordost-Seite schienen schließlich die Bedingungen ideal, wie Bernd Müller, als Leiter des Amtes für Bau und Vermögen für die Liegenschaft Schloss, zuständig, beschreibt: Apothekertrakt und Glockenturm sind mit der Ostseite erst kürzlich saniert worden – Baugerüste sollen hier in nächster Zeit nicht errichtet werden. Zur Vorarbeit gehörten auch die Recherchen in historischen Pflanzenbüchern. Der Kunsthistoriker und Experte für frühneuzeitliche Schriften Wolfgang Metzger stieß auf eine Schrift des berühmten Apothekers des Kurfürsten, Philipp Stefan Sprenger, der etwa 1536 bis vor 1608 in der Stadt lebte. Er hatte seinen Apothekengarten unterhalb des Schlosses angebaut, in der Nähe des Marktplatzes, wo noch ein denkmalgeschütztes Gebäude an ihn erinnert. Sprengler hinterließ eine lange Liste seiner Pflanzen. Doch von dieser Üppigkeit konnten Huwer und ihr Team nur träumen: Allein 18 Apfel- und 26 Clematis-Sorten standen unter anderem darauf. In zehn Feldern aufgeteilt, gedeihen die Kräuter thematisch zugeordnet – nach der Indikation, bei der sie einst angewandt wurden.

Ein „Naschbeet“ lockt mit essbaren Blättern wie Basilikum und Thymian. Hier ragt auch eine Gojibeere hoch. Die Früchte der China-Pflanze werden bei uns als „Superfood“ verkauft. Huwer räumt damit auf: Pharmazeutische Untersuchungen hätten keine einzige der angepriesenen gesundheitsfördernden Wirkungen nachgewiesen – aber eine sehr hohe Pestizidbelastung: „Auch für Aufklärung dieser Art möchten wir den Garten nutzen.“

Sternekoch und Schlossgastronom Martin Scharff hat für die Eröffnung schon einmal aus dem Kräuterbeet stibitzt und aus Basilikum, Minze und anderen frischen Zutaten eine erfrischende Limonade komponiert. „Zuerst werden wir unsere getrockneten Kräuterbestände auffüllen“, sagt Huwer. Aber Scharff darf sich hier auf jeden Fall inspirieren lassen – und sicher auch hin und wieder Gourmetgäste.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/heidelberg