Heilbronn

Landgericht Lübeck Ehemann soll seine Frau, eine gebürtige Weikersheimerin, Ende 2017 im Schlaf erstickt und im Garten vergraben haben / Das Paar hat auch lange Zeit in Igersheim-Neuses gelebt

Anklage wirft dem 40-Jährigen heimtückischen Mord vor

Lübeck/Igersheim/Weikersheim.Er soll seine Ehefrau im Schlaf erstickt und im Garten vergraben haben, damit seine Geliebte bei ihm in die Wohnung einziehen kann: Vor dem Lübecker Landgericht hat am gestrigen Freitag der Prozess gegen einen 40-Jährigen aus Wulfsdorf bei Scharbeutz (Kreis Ostholstein) begonnen.

Aus niedrigen Beweggründen

Die Anklage wirft ihm heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Der Staatsanwalt: „Der Angeklagte hatte einer Feuerwehrkameradin Ende 2017 das Angebot gemacht, bei ihm einzuziehen. Doch sie wollte nicht, so lange seine Ehefrau noch im Haus war. Weil der Angeklagte die Kameradin liebte und sein Leben mit ihr verbringen wollte, tötete er seine Ehefrau, indem er ihr im Schlaf eine weiche Bedeckung massiv gegen den Hals drückte.“

Der 40-Jährige, der die Verlesung der Anklage mit gesenktem Kopf verfolgt, will keine Angaben machen. Die psychiatrische Sachverständige erklärt, ihr gegenüber habe der Angeklagte die Tat gestanden. Er soll unter Tränen gesagt haben: „Ich kann seitdem keine Nacht mehr durchschlafen, die Erinnerung, wie ich ihr das Kissen aufs Gesicht drücke, kommt immer wieder.“

Im Verlauf des Gespräches habe er diese Aussage jedoch revidiert, so die Sachverständige. Er habe keine Erinnerungen, da sei nur ein schwarzes Loch.

Gebürtige Weikersheimerin

Die Ehefrau ist eine gebürtige Weikersheimerin. Zudem hat die Familie über mehrere Jahre in dem Igersheimer Gemeindeteil Neuses gelebt. In Igersheim hatte sich vor allem die Frau auch in verschiedener Hinsicht ehrenamtlich engeagiert.

Über seine Ehe und sein Motiv sagte der Mann: „Wir haben 2005 geheiratet, es war eine Vernunftehe wegen der Steuervorteile.“

Die Beziehung sei bis vergangenes Jahr ruhig verlaufen, dann habe seine Frau keine Lust mehr auf ihn gehabt. Sie habe nur noch für sich und den Sohn gekocht und viel gemeckert.

In Panik aufgewacht

Als sie ihn Weihnachten nach dem Sex verhöhnte, habe er zu dem Kissen gegriffen. Mehr wisse er nicht. Er sei morgens im gemeinsamen Bett aufgewacht und in Panik geraten, als er ihre Leiche sah.

Nach zwei bis drei Schnäpsen habe er die Tote in eine Tagesdecke gewickelt und, wie bei der Feuerwehr gelernt, ins Erdgeschoss gebracht. Damit der gemeinsame zehnjährige Sohn seine tote Mutter nicht sieht, habe er sie in Dampfbremsfolie gewickelt und in den Gartenschuppen gelegt.

Der Geliebten aus einem Nachbarort erklärte er das Verschwinden seiner Frau damit, dass sie zum Arbeiten in die Schweiz gefahren sei. Daraufhin sei sie bei ihm eingezogen.

Vor der Tat recherchiert

Die Ermittlungen ergaben, dass der 40-Jährige drei Stunden vor der Tat recherchiert hatte, wie man Haustiere im Garten bestattet und sich über ungeklärte Mordfälle informierte. Als schließlich die Polizei ermittelte, weil Arbeitskolleginnen die Ehrfrau als vermisst gemeldet hatten, holte er die Leiche aus dem Schuppen und vergrub sie neben einem Sielschacht auf dem Grundstück. Der Gutachterin sagte er: „Ich dachte, die Alpträume gehen weg, wenn ich sie vergrabe.“ Der Prozess wird fortgesetzt. Eckard Gehm