Heilbronn

Bürgerinitiative pro Region zog Bilanz Regionaltag mit großem Programm am 13. Juli auf der Bundesgartenschau

Bedeutung von Wirtschaft und Hochschule explizit hervorgehoben

Archivartikel

Erlenbach.Das von der Bürgerinitiative „pro Region“ im Jahr 2015 gestartete und 2018 erfolgreich abgeschlossene Projekt „Demografische Allianz Heilbronn-Franken“ nahm auch im Jahresbericht des Vorsitzenden Jochen K. Kübler für 2018 bei der Mitgliederversammlung am Dienstag breiten Raum ein. Aus den Ergebnissen der verschiedenen Fachtagungen wurden relevante Themen erarbeitet mit dem Ziel, auch nach außen deutlich zu machen, dass eine ganze Region das Thema demografischer Wandel gemeinsam angeht und damit ihre Zukunftsfähigkeit unter Beweis stellt.

Das Projekt endete am 12. Juni 2018 mit einer Abschlussveranstaltung im Alma-Würth-Saal in Gaisbach, zu der auch Sozialminister Manfred Lucha gekommen war. Der mit 5000 Euro dotierte Preis für das Best Practice-Beispiel aus den teilnehmenden 25 Projektkommunen wurde von Professor Dr. Reinhold Würth an das eCar-Sharing-Projekt „Die Stromer“ aus Zweiflingen überreicht. Mit den Projektkommunen sowie den Landratsämtern Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Heilbronn wurde vereinbart, dass sich die Projektbeteiligten einmal pro Jahr treffen, um sich auszutauschen. Ein erstes Treffen fand im Januar 2019 statt. Neben den Landkreisen Heilbronn, Hohenlohe und Schwäbisch Hall beteiligten sich aus dem Main-Tauber-Kreis auch die Gemeinden Ahorn und Igersheim, die Städte Boxberg und Külsheim sowie die Kreisstadt Tauberbischofsheim mit ihren Stadtteilen Dittwar, Dittigheim und Distelhausen an diesem Projekt.

Die künftigen Zusammenkünfte sieht Kübler als Chance, die Region auch nach außen als innovativ und für gesellschaftliche Veränderungen offen darzustellen. Die Bürgerinitiative „pro Region“ verbinde damit die Erwartung, dass das Thema demografischer Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Chance für die Region und ihre Menschen gesehen wird.

Erfahrungsaustausch

Der Wunsch ist, dass in der Fortsetzung des Projekts kreative Ideen zu diesem Thema nicht nur gesammelt, sondern auch umgesetzt werden. Damit entstehe ein Netzwerk, das einen Erfahrungsaustausch zu verschiedenen Themen des demografischen Wandels sicherstelle. Von der gegenseitigen Unterstützung oder gemeinsamen Projekten über die Gemeindegrenzen hinweg könnten alle profitieren, denn bestimmte Themenfelder dieser Mammutaufgabe können nur gemeinsam und regional gelöst werden.

Weitere bedeutende Aktionen und Anlässe im zurückliegenden Berichtszeitraum waren verschiedene Vortragsveranstaltungen, Abgeordnetengespräche, die Regionaltafel im Carmen-Würth-Forum, der 21. Regionaltag in Künzelsau auf dem sich rund 60 Aussteller aus der ganzen Region Heilbronn-Franken präsentierten und verschiedene Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung, das sich „pro Region“ als Hauptaufgabe vorgenommen hatte.

Damit will „pro Region“ versuchen das Thema Digitalisierung einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Die zentrale Veranstaltung in dieser Reihe fand am 17. Juni 2018 in Tauberbischofsheim für interessierte Bürger unter der Überschrift „Ist die Zukunft digital?“ statt. Der Beauftragte der Landesregierung für Digitalisierung, Stefan Krebs, hielt einen Vortrag zum Thema „Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die Bürger und für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg“ (wir berichteten).

Von den bedeutenden Veranstaltungen des bereits laufenden Jahres, ist besonders der 22. Regionaltag zu erwähnen, der am Samstag, 13. Juli, auf dem Gelände der Bundesgartenschau (Buga) in Heilbronn stattfindet. Mit einer Auftaktveranstaltung bei der Volksbank Heilbronn wird der Regionaltag um 11 Uhr eröffnet. Festredner ist Minister a. D. Professor Dr. Peter Frankenberg. Er spricht zum Thema „Wirtschaft und Hochschule – Bedeutung für die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit der Region Heilbronn-Franken“. Gegen 12 Uhr beginnt dann ein umfangreiches Programm auf der Showbühne am Kiliansplatz. Rund 60 Aussteller werden sich in der Innenstadt präsentieren. Im gläsernen SWR-Studio der Buga gibt es Mundart und Musik. Die nächsten Regionaltage finden in Crailsheim (2020) Bad Mergentheim (2021) und Güglingen (2022) statt.

Im laufenden Jahresprogramm ist in Kooperation unter anderem mit der Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken, der Buga und der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH das Popbüro Heilbronn-Franken mit Poetry Slam auf der Buga zu Gast im „Schaufenster der Region“. Termine 29./30. Juni und 14. September.

Auskunft über die Finanzen der Bürgerinitiative gab Schatzmeister Werner Gassert. Den Einnahmen von rund 273 700 Euro standen Ausgaben in Höhe von rund 168 000 Euro gegenüber. Größte Ausgabebrocken waren der Regionaltag mit 44 360 Euro, und das Projekt „Demografische Allianz“ mit 25 860 Euro. Die Regionaltafel kostete 8445 Euro. Ohne die großzügige Spende von rund 200 000 Euro der Adolf Würth GmbH könnte die Bürgerinitiative ihre Arbeit nicht leisten. Derzeit hat der Verein ein Vermögen von rund 109 850 Euro.

Im Anschluss an die Vereinsregularien sprach der ehemalige Finanzminister, MdL Willi Stächele, Vorsitzender des Ausschusses für Europa und Internationales der Landesregierung, zum Thema „Auswirkungen der Europa- und Kommunalwahlen“. Er verfolge die dynamische Entwicklung der Region Heilbronn-Franken mit großer Freude, betonte der Landtagsabgeordnete aus der Ortenau eingangs. Als unmittelbarer Nachbar zu den Menschen im französischen Elsass habe er schon von frühester Jugend an die unterschiedlichen politischen Verhältnisse und die verschiedenen Kulturen rechts und links des Rheins kennen gelernt. Er glaube fest an das vereinte Europa, denn es sei die einzige echte Chance für die Menschen. Die schleppenden Verhandlungen um die Position des Kommissionspräsidenten könne er verstehen, denn es sei nicht unproblematisch, dieses hohe Amt mit einem deutschen Politiker zu besetzten.

Stächele setzt auf die Zielstrebigkeit der Europabefürworter, und er sieht trotz aller unterschiedlicher Betrachtungen, vor allem in der Flüchtlingsfrage, nur in der Gemeinsamkeit den richtigen Weg, denn die „Zweckgemeinschaft“ Europa sei der Garant für Frieden und Wohlstand. Hier sei vor allem eine gemeinsame Sicherheitspolitik gefragt. In Zukunft, so Stächele, werde das Regieren in Europa schwerer, denn die zahlreichen neuen politischen Gruppierungen, die nach der zurückliegenden Europawahl jetzt auch im Gremium mitreden werden, machen es nicht einfacher, gemeinsame Beschlüsse mit qualifizierten Mehrheiten zu bekommen.