Heilbronn

Podiumsdiskussion bei der IHK Digitalisierung trifft auch die Finanzwelt und beeinflusst die Bankgeschäfte

Das Ende des Bargelds ist absehbar

Heilbronn.Einen Einblick in die nicht mehr ganz ferne Zukunft des Geldes und die Veränderungen der Finanz- und Bankgeschäfte von morgen bekamen die Gäste der Podiumsdiskussion im Haus der Wirtschaft der IHK Heilbronn-Franken zum Thema „Die Zukunft des Geldes – Bares oder Digitales“. Die Expertenrunde war sich am Schluss einig, dass das Ende des Bargeldverkehrs absehbar sei.

In spätestens 20 Jahren, vielleicht auch schon früher, knistere kein Geldschein mehr zwischen den Fingern, und das Münzensparschwein hat auch ausgedient. „Die Digitalisierung schreitet auch im Finanzsektor in einem atemberaubenden Tempo voran. Zukunftsweisende Entscheidungen sind gefordert. Man muss mitmachen, ob man will oder nicht“, fasste IHK-Sprecher Stefan Gölz die sich abzeichnenden Veränderungen zusammen“.

Trend nicht verschlafen

Nicht weniger deutlich zeichnete der Finanzjournalist und Moderator der Gesprächsrunde, Andreas Franik, die aktuelle Lage: „Es bleibt kein Stein auf dem anderen, wer den Trend verschläft, wird sehr schnell vom Markt sein“.

Oliver Flaskämper, Gründer und Vorstand der Bitcoin Deutschland AG, beschrieb in seinem Impulsreferat den Werdegang seines Unternehmens seit der Gründung vor zehn Jahren.

„Der große Hype seit der Geburt der Kryptowährung ist vorbei“, aber er sei fest davon überzeugt, dass die Digitalwährung ihren Wert und damit der Bitcoin eine Zukunft habe. Entscheidend sei das Vertrauen, das man in diese neue Geldform setze, die zunächst durch ihre Seltenheit Aufsehen erregte.

Flaskämper räumte aber auch ein, dass der Bitcoin nie die herkömmlichen staatlichen Zahlungsmittel ersetzen werde, und auch der Umgang mit der Kryptowährung im Anlagebereich sei nichts für „schwache Nerven“.

Reine Rechnungseinheit

Der Bitcoin sei weder konventionelles Geld noch elektronisches Geld, sondern eine reine Rechnungseinheit.

Im Gespräch mit den Finanzexperten Jürgen Pinnisch, Vorstand der Volksbank Heilbronn eG, Alexander Berger, Geschäftsführer der Daubenthaler & Cie. GmbH, sowie Dr. Dirk Sturz, Managing Director, Börse Stuttgart GmbH, beschäftigte sich die Runde mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Bankgeschäft von morgen und ging der zukunftsweisenden Frage nach: „Ist das Bargeld ein Auslaufmodell oder ersetzen bald digitale Währungen wie Bitcoins & Co. den Euro?“

„Klassische Geldanlage“

Dabei wurde aus Sicht der Anlageberatung deutlich, dass die Unternehmen das Digitalgeld eher mit Vorsicht betrachten und bevorzugt die „klassische Geldanlage“ wählen. Der Stuttgarter Börsianer sieht vor allem in der Blockchaincomponente im Zusammenhang mit der Kryptowährung einen echten Nutzen. Gleichwohl glaubt der Börsenmanager an den Vormarsch der virtuellen Währung.

Die Bankenseite vermisst hinter dem Bitcoin die vertrauensbildende Geldwertstabilität. Das Geld werde als gesetzliches Zahlungsmittel immer seine Bedeutung behalten.

Wie groß das Vertrauen in das Bargeld heute sei, zeige sich darin, dass 80 Prozent des Zahlungsverkehrs immer noch über diese Schiene und über die Kartenzahlung abgewickelt werden. Beim letzten Thema, „Bargeld, ein Auslaufmodell“ wurde das Ausland als Beispiel angeführt, wo der bargeldlose Zahlungsverkehr weit verbreiteter sei als in Deutschland. In 20 Jahren oder auch schon früher rechnen die Experten damit, dass auch hierzulande das Bargeld nur noch eine unbedeutende Rolle spielen wird, denn die Kartenakzeptanz nehme immer mehr zu.

Vor allem sieht man darin eine Eindämmung der Steuerflucht, und ein erhebliches Einsparungspotenzial für die Geldinstitute. Für den Bitcoin-Vorstand wäre die Kryptowährung ein gleichwertiger Ersatz für alle Geldgeschäfte, die dazu für den Fiskus noch leichter kontrollierbar würden.