Heilbronn

Projekt „Demografische Allianz“ abgeschlossen Hilfestellung bei der Lösung der Mammutaufgabe wurde dankbar angenommen

„Erfahrungsaustausch beibehalten“

Gaisbach.Der demografische Wandel ist unumkehrbar. Die Menschen werden immer älter, und immer weniger Menschen werden geboren. Die Zahlen sind eindeutig und unzweifelhaft. Insbesondere der ländliche Raum – die Region Heilbronn-Franken – ist davon betroffen und hier speziell der Main-Tauber-Kreis.

Brisanz massiv unterschätzt

Obwohl das Problem bekannt ist, wurde die Brisanz offensichtlich vielerorts lange Zeit massiv unterschätzt, und die Folgen sind bereits deutlich in der zunehmenden Fachkräfteverknappung zu spüren, wie Unternehmer Reinhold Würth am Dienstagabend im Alma-Würth-Saal bei der Abschlussveranstaltung des Projekts „Demografische Allianz Heilbronn-Franken“ in seiner Rede betonte.

Um schnell zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, wie man der drohenden Überalterung der Region wirkungsvoll begegnet oder damit umgeht, wurde vor drei Jahren das Projekt gestartet. Man wollte nach außen deutlich machen, dass eine ganze Region dieses Thema gemeinsam angeht und damit ihre Zukunftsfähigkeit unter Beweis stellt, wie der Vorsitzende der Bürgerinitiative „pro Region“, Jochen K. Kübler und Projektleiter Frank Stroh in ihren Reden betonten.

Innovativ und offen

Dies sei gelungen, denn 25 Städte und Gemeinden aus vier Landkreisen haben sich der Aufgabe gestellt. Aus dem Main-Tauber-Kreis beteiligten sich die Gemeinde Ahorn und die Städte Boxberg und Külsheim sowie die Kreisstadt Tauberbischofsheim mit den Stadtteilen Dittwar, Dittigheim und Distelhausen.

Mit dem Projekt, das der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth mit 150 000 Euro unterstützte, bot die Bürgerinitiative „pro Region“ kleineren Kommunen bis 10 000 Einwohnern Hilfe zur Selbsthilfe bei der Bewältigung des demografischen Wandels. Projektleiter Frank Stroh sah in dem Projekt die Chance, die Region auch nach außen als innovativ und für gesellschaftliche Veränderungen offen darzustellen. Im Laufe des dreijährigen Projekts sei deutlich geworden, dass der demografische Wandel viele Facetten habe, die Probleme überall aber fast die gleichen seien.

Der Erfahrungsaustausch untereinander und über die Landkreisgrenzen hinweg sei zunehmend mehr geschätzt und die gesteckten Ziele erreicht worden, wie Stroh bilanzierte. Auch mit der Frage „Wie geht es jetzt weiter?“ beschäftigten sie die Projektteilnehmer. Hier wurde der Wunsch geäußert, dass der landkreisübergreifende Erfahrungsaustausch unbedingt beibehalten werden sollte.

Kritik am Main-Tauber-Kreis

Der Projektleiter bedauerte an dieser Stelle sehr, dass sich der Main-Tauber-Kreis an dieser neuerlichen Gesprächsrunde mit dem Hinweis auf „eigene Aktivitäten“ nicht mehr beteiligen wolle. Auch ein persönliches Gespräch habe nicht gefruchtet. Dies sei mit Blick auf die Projektgemeinden aus dem Main-Tauber-Kreis umso beklagenswerter, zumal gerade das Taubertal vom demografischen Wandel in der Region am stärksten betroffen sei. Mit den drei anderen Landkreisen der Region wurde vereinbart, dass unter der Federführung von „pro Region“ einmal im Jahr ein Erfahrungsaustausch der Projektkommunen organisiert wird, der auch anderen interessierten Kommunen offensteht. Selbstverständlich sei auch der Main-Tauber-Kreis zu diesen Veranstaltungen eingeladen. Es sei ihm wichtig, so Frank Stroh, dass die Landkreise eingebunden seien, um Doppelstrukturen zu vermeiden.

Im Anschluss an die Rede von Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha, der sich eingehend mit dem Thema „Demografische Entwicklung – Eine Herausforderung an Land und Region“ beschäftigte, zeichnete Professor Dr. Reinhold Würth die Vertreter des vor wenigen Monaten gegründeten Vereins „Die Stromer“ für ihr Best-Practice-Beispiel aus und überreichte einen Scheck über 5000 Euro. Die Vereinsmitglieder aus der kleinen Gemeinde Zweiflingen bei Öhringen haben sich Gedanken gemacht, wie man die Mobilität im ländlichen Raum umweltfreundlich gestalten und gleichzeitig dabei auch auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingehen kann. Das vom Verein angeschaffte E-Mobil steht im Car-Sharing-Verfahren mehr oder weniger allen Einwohnern zur Erledigung persönlicher Alltagsbesorgungen zur Verfügung. Es kann auch als Mitfahrgelegenheit genutzt werden.