Heilbronn

IHK Heilbronn-Franken Forschungstransferpreise überreicht / Würth Elektronik aus Rot am See mit Goldpreis bedacht

Erste elastische Leiterplatte produziert

Archivartikel

Heilbronn.Zum siebten Mal verlieh die Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken den Forschungstransferpreis an Unternehmen und Forscher aus der Region. Die Übergabe der Urkunden fand am Montagabend im Haus der Wirtschaft in Heilbronn statt. Die mit insgesamt 20 000 Euro dotierten Auszeichnungen gingen an drei herausragende angewandte Forschungsprojekte sowie Leistungen zum Technologie- und Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaft.

Die Auszeichnung soll Anreize schaffen, dass sich Wirtschaft und Wissenschaft besser vernetzen und damit Wettbewerbsvorteile durch Kooperationen zum Tragen kommen. Mit dem Preis will die IHK aber auch einen Anreiz für Projektpartner schaffen, sich auch künftig in Kooperationsprojekten stärker zu engagieren.

Twinflex-Strech

Der Forschungstransferpreis in Gold (10 000 Euro) ging in diesem Jahr an die Würth Elektronik in Rot am See, der es gelang, zusammen mit dem Fraunhofer Institut die erste elastische Leiterplatte, Twinflex Stretch, zu entwickeln und in die Serienfertigung zu bringen. Flexible Leiterplatten, die es bereits auf dem Markt gibt, sind zwar biegsam, aber dennoch sperrig und hart. Werden sie direkt auf der menschlichen Haut oder eingebaut in Kleidungsstücke getragen, ist das für den Träger sehr unangenehm.

Mit dem Twinflex-Stretch können nun elektronische Bauteile auf ein dehnbares weiches Grundgerüst aufgebracht werden. Die Auszeichnung nahmen Dr. Alina Schreivogel (Würth Elektronik) und Dr. Thomas Löher (Fraunhofer Institut) aus den Händen von IHK-Präsident Professor Dr. Harald Unkelbach und Hauptgeschäftsführerin Elke Döring entgegen. Die Laudatio hielt die IHK-Vizepräsidentin und Unternehmerin Kirsten Hirschmann.

Der mit 5000 Euro dotierte Silberpreise ging an das Projekt Bottelpack – Easy Empty – eine neuartige und kostengünstige Infusionsflasche – das die Firma Rommelag Engineering aus Sulzbach-Laufen und die Hochschule Heilbronn gemeinsam auf den Weg brachten. Die zweiten 5000 Euro bekamen die Firma Rex Industrieprodukte aus Vellberg und die TU Dresden. Sie entwickelten das System „Cem2S – integrierte Sensorik in der Rotation“. Damit können Bremsbeläge auf wirtschaftliche Art mit einer Vielzahl von Sensoren ausgerüstet werden, welche im Blick auf Industrie 4.0 wesentliche Vorteile bieten.

IHK-Präsident Unkelbach, der auch der sechsköpfigen Jury angehört, die den Forschungstransferpreis zuerkennt, betrachtet die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft als unerlässlich, zeige sie doch, wie Wettbewerbsvorteile durch Kooperationen entstehen können. Gerade kleine und mittlere Unternehmen profitieren enorm von der Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, wenn es darum geht, durch ständige Innovationen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen, wie er betonte.

Den Festvortrag hielt Professor Dr. Erich Schöls von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt zum Thema „Digitalisierungszweifel und Zukunftseuphorie – vom medialen Overkill zum Aufbruch in virtuelle Erlebnisräume“. Der Hochschullehrer räumte ein, dass die Digitalisierung für die Wirtschaft unumgänglich sei, weil sich daraus große Chancen eröffnen. Er machte aber ebenso deutlich, dass sich durchaus auch große Risiken ergeben. Bis zum Jahr 2030 sieht er einen gewaltigen Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Rund 375 Millionen Menschen werden weltweit ihren Beruf wechseln oder neue Fertigkeiten erlernen müssen. Die Unruhe sei programmiert, denn mehr und mehr Unternehmen würden Arbeitsplätze wegrationalisieren. Dies müsse aber nicht so sein, wenn man sich auf das unvermeidliche Maß konzentriere. Trotz der sich verändernden Werte müsse der Mensch der Maßstab allen Handelns bleiben.

Wie schnell der technische Wandel durch Innovation fortschreite, zeigte der Wissenschaftler am Beispiel eines Füllhalters, der durchaus auch ein Rechtschreibprogramm, ein Übersetzungsprogramm beinhalten oder dem Benutzer eine Hilfe zum kreativen Schreiben bieten könne. Bei allen technischen Veränderungen sei immer die Frage nach dem Mehrwert zu stellen, denn letztlich müsse die Technik dem Menschen dienen.