Heilbronn

Weinbauverband Württemberg Traubenlese hat früh begonnen / Qualität stimmt, aber Erträge fallen unterschiedlich aus

Große Trockenschäden im Taubertal

Weinsberg.Auch das laufende Jahr wird für die Wengerter des Weinbauverbandes Württemberg kein „normales Weinjahr“. So viel steht für Verbandspräsidenten Hermann Hohl zum Auftakt der Hauptlese Anfang September jetzt schon fest, und er spricht aus eigener Erfahrung. „Der Klimawandel ist auch in den Weinbergen des Verbandsgebietes angekommen. Das tatsächliche Ergebnis sehen wir erst am Ende der Lese, wenn der Wein im Keller ist.“

Den voreiligen Prognosen vom bevorstehenden „Vollherbst und einem großen Jahrgang“ wollte sich der Präsident allerdings „nicht anschließen. „Die liegen alle falsch, zumindest was die Menge betrifft“. Gemeinsam mit Agrarminister Peter Hauk wagte Hohl am Montag beim Vor-Ort-Termin in den Rebenanlagen des Weinsberger „Schemelsberg“ eine erste offizielle Herbstprognose. „Die Qualität stimmt. Beim Ertrag in den einzelnen Regionen sieht es allerdings sehr unterschiedlich aus“. Das reicht bis hin zum Totalausfall durch die Trockenschäden in einigen Weinbergen des oberen Taubertales, das ja zum Verbandsgebiet Württemberg zählt.

Besonders geschädigt seien vor allem Junganlagen. Selbst in älteren, tief wurzelnden Weinbergen werden die verfügbaren Wasservorräte offensichtlich knapp, was sich etwa in kleineren Beeren zeige. Am ehesten könne man zur jetzigen Beurteilung des Jahrgangs 2018 Parallelen zum Weinjahrgang 2003 ziehen, der mit hohen Mostgewichten und niedrigeren Erträgen in Erinnerung bleibe, so Hohl.

Der Präsident des Weinbauverbandes rechnet mit einer durchschnittlichen Menge von 95 Hektoliter Traubenmost auf einen Hektar Rebfläche. In den Gebieten mit großen Trockenschäden dürfte die Menge deutlich niedriger ausfallen. Die bisher gemessenen Mostgewichte sind durchweg vielversprechend. „Die Qualität aber kann man nach den Vorlesen für Traubensaft und Sektgrundwein als gut bis sehr gut bezeichnen“, ist sich der Weinbaupräsident sicher.

Erfreulich sei zudem der hervorragende Gesundheitszustand der Weinberge und Trauben. Von tierischen Schädlingen, zum Beispiel der Kirschessigfliege, sei in diesem Jahr nichts zu befürchten. „Die Schädlinge haben sich wohl bei den hohen Temperaturen den Hintern verbrannt und verursachten so keinen Schaden in den Weinbergen und an den Trauben“, so Hermann Hohl.

Der Klimawandel sei in den Weinbergen des Landes in vollem Umfang angekommen. Das zeige sich an den starken Frostschäden im letzten Jahr und in diesem Jahr an den Folgen der anhaltenden Trockenheit. Durch die unkontrollierbaren Wetterereignisse, die auf den Wandel des Klimas zurückzuführen seien, sind auch die wirtschaftlichen Risiken der Weinbaubetriebe größer geworden.

Dieser Situation müsse sich die Weinwirtschaft in Württemberg stellen und nach Lösungen suchen. Für den Weinbaupräsidenten ist die Zukunft im Zeichen des Klimawandels nur mit dem professionellen Aufbau eines Wasser- und Bewässerungsmanagements zu bewältigen, wie es in den südlichen Weinanbaugebieten Europas gang und gäbe ist. Hohl weiß: „Das macht hohe Investitionen in Beregnungsanlagen und Wasserspeicherung notwendig.“ Unabdingbar sei zudem die Forschung nach trockenheitsresistenteren Sorten. Hohl setzt dabei große Hoffnung in die Arbeit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg.

Der Weinbauverband Württemberg will den Ruf nach der finanziellen Unterstützung durch den Staat möglichst vermeiden. Vorrangig seien Investitionen in die Vorsorge. Deshalb müsse der Weinbau jetzt gemeinsam mit Ministerien, Präsidien, Forschungseinrichtungen und nachgelagerten Behörden Lösungen suchen. Dabei müsse es auch um die seitens des Weinbauverbandes Württemberg geforderte Allgefahrenversicherung in Bezug auf Frost und Hagel gehen. „Bei allen Maßnahmen geht es darum, dem Handel und den Endverbrauchern Weine der Region in bester Qualität und ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen und um den Erhalt unserer Kulturlandschaft und unseres Lebensraumes“, so Hermann Hohl.

Neuer Studiengang

Bei der Herbstpressekonferenz gab es aber auch durchaus positive Nachrichten, denn Landwirtschaftsminister Peter Hauk teilte mit, dass ab dem Wintersemester 2019 am Standort Weinsberg der Bachelor-Studiengang „Wein – Technologie – Management“ angeboten wird. Damit ging ein langer Wunsch von Verbandspräsident Hohl in Erfüllung, der schon vor fünf Jahren diesen Studiengang ins Gespräch gebracht und auf seine Realisierung gepocht hatte. Im Zuge des allgemeinen Akademisierungstrends gelte es, die Bildungskompetenz am Standort Weinsberg in Baden-Württemberg zu erhalten und um den Bachelor-Abschluss zu erweitern. „Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen“, so Hauk.

Der Studiengang soll junge Menschen für die technischen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen in der Weinbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette qualifizieren und schließt mit dem Bachelor of Science ab, wie die Rektorin der Hochschule, Professorin Dr. Nicole Graf, ergänzte. Derzeit läuft das Akkreditierungsverfahren. Das Modell Weinsberg, eine Kooperation zwischen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), sei bundesweit einmalig in seiner Konzeption. Denn die Studenten werden sowohl während der Theoriesemester als auch in der Praxis finanziell unterstützt. Weinsberg werde daher zum zentralen Bildungsstandort für Weinbau und Önologie in Baden-Württemberg.

Neubau des Analytik-Gebäudes

Eine weitere sinnvolle Investition in die Zukunft ist für Minister Peter Hauk auch der bevorstehende Neubau des Analytik-Gebäudes in Weinsberg.

Hier können zukünftig die vielfältigen Aufgaben der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg noch professioneller bearbeitet werden. In den neuen Laboren werden dann sowohl für die Forschung als auch insbesondere für die Bildung optimale Bedingungen geschaffen.