Heilbronn

Geburtstag Carmen Würth wird am heutigen Dienstag 80 Jahre alt / Seit Jahrzehnten sozial und kulturell engagiert

"Jeder Mensch hat eine Gabe"

Künzelsau.Genau hinschauen und aufmerksam zuhören, handeln statt reden, entschlossen anpacken, wo andere endlos diskutieren. Wesensmerkmale, die Carmen Würth, Ehefrau des Künzelsauer Schrauben-Milliardärs Professor Dr. h. c. Reinhold Würth, in besonderer Weise auszeichnen und sie zu dem machen, was sie ist und wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird: eine außergewöhnliche, liebenswerte und selbstlose Frau, deren Name seit vielen Jahren für geradezu vorbildliches soziales und kulturelles Engagement steht. Heute wird Carmen Würth 80 Jahre alt. Zeitgleich mit der heute stattfinden Geburtstagsfeier wird am Firmensitz in Gaisbach auch das Carmen Würth Forum eingeweiht, das Reinhold Würth seiner Frau widmete.

Im Lager der "Anpacker"

In der Tat wird Carmen Würth nicht müde, sich für benachteiligte Menschen starkzumachen und ihnen zu helfen, ihre Stärken herauszustellen. Seit Jahrzehnten ist sie in der gesellschaftlichen Integration geistig behinderter Menschen engagiert. Sie gehört nicht zu der Fraktion "man sollte mal", wie Wolfgang Bok in seiner ungewöhnlichen Biografie über Carmen Würth schreibt. Vielmehr steht sie im Lager der "Anpacker", die eine Idee haben und sie auch umsetzen. Dafür wurde sie immer wieder mit ehrenvollen Auszeichnungen bedacht. So ist sie unter anderem Ehrenbürgerin der Stadt Künzelsau, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Schirmherrin zahlreicher sozialer Initiativen im In- und Ausland.

Mit kreativer Schaffenskraft hat sie etwa mit ihrem Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau einen Ort entwickelt, in dem Menschen mit und ohne Handicap erfolgreich Hand in Hand zusammenarbeiten. Sie hat damit Maßstäbe zur Integration vorgelegt, über die auch außerhalb der gastgebenden Branche voller Respekt berichtet wird. In kleiner Runde erzählt die in Pforzheim geborene Unternehmergattin über ihre Jugend, wie sie die Kriegswirren und die Zeit danach auf einem kleinen Bauernhof am Bodensee erlebte, die sie besonders geprägt habe. "Ich bin sehr bescheiden aufgewachsen und habe geschätzt, was es auf der Erde gab". So lebt Carmen Würth heute noch. Man erfährt auch, dass sie gerne Germanistik studiert hätte, stattdessen machte sie eine Ausbildung in der Hotellerie, und verdiente bis zur Heirat mit Reinhold Würth als Chefsekretärin ihr eigenes Geld.

Die Welt besser machen

Ihrem Herzensanliegen, "die Menschen zu gewinnen, um die Welt ein bisschen besser zu machen", kam die Mutter von drei Kindern mit der 1987 zusammen mit ihrem Mann gegründeten Stiftung Würth ein Stückchen näher. "Barrieren zu überwinden", diese Intention verfolgen auch die vielen Einrichtungen, die Würth damit im In- und Ausland unterstützt. Herausragend auch das langjährige Engagement der Jubilarin als Vizepräsidentin von Special Olympics Deutschland und als Schirmherrin der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Baden-Württemberg. Und nicht weniger beeindruckend ist ihre Arbeit mit Flüchtlingen, ihr Engagement in den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung und Erziehung, Forschung und Wissenschaft.

1999 entwickelt sie die Konzeption für eine Stätte der Kommunikation und Begegnung von Menschen mit und ohne Handicap, die 2003 in die Eröffnung des Hotel-Restaurants "Anne-Sophie" in Künzelsau mündet. "Sie engagiert sich frei nach ihrem Lebensmotto 'Mit dem Herzen sehen für Menschen, die besondere Zuwendung brauchen', meinte Ministerpräsident Winfried Kretschmann anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg an Carmen Würth vor einigen Monaten. Genau hinschauen und aufmerksam zuhören - daraus entstünden ihre Projekte, mit ihrer persönlichen Handschrift und geprägt von eigenen Erfahrungen. Ihrem großen persönlichen Einsatz und ihrem Mut ist es zu verdanken, dass aus einer kühnen Vision eine einzigartige Erfolgsgeschichte wurde.

Beispielhaft seien hier nur die Gründung der Stiftung Carmen Würth Sassen, für die Behinderten-Lebensgemeinschaft Sassen in Hessen und die Unterstützung des Kinderheims "Ümüt-Nadjeschda", eine Einrichtung für behinderte Kinder in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek genannt.

Warmherzig und offen

Auch in der Feierstunde zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, durch den ehemaligen baden-württembergischen Innenminister Reinhold Gall wurde ihr besonderes Engagement deutlich: Carmen Würth betone immer wieder, dass Menschen mit Behinderung Botschafter und Vermittler der sozialen Stärke seien.

Sie behaupte nicht nur, sondern stelle unter Beweis, dass jeder Mensch eine Gabe habe. Für Carmen Würth ist es nicht entscheidend, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Es kommt ihr auch nicht darauf an, was jemand nicht kann, sondern was er kann.

Dies kommt in ihrer Hingabe und Arbeit mit und für diese Menschen zum Ausdruck. Während andere reden, handelt die Jubilarin, denn Helfen ist für sie eine Frage der Verantwortung anderen gegenüber. Mit ihrer warmherzigen und offenen Art gibt Carmen Würth Menschen Mut, an sich zu glauben.

Die Wunschliste der fünffachen Großmutter und Urgroßmutter zum 80. ist überschaubar: "Die Menschen sollten sich bemühen, etwas mehr zu lächeln, gegenseitig Freundlichkeit verbreiten und weniger muffig sein". Als Geschenk Gottes betrachtet sie den Umstand, in der wunderbaren Hohenloher Landschaft mit dem Lebensmittelpunkt auf Schloss Hermersberg, in einem freien Land, leben zu dürfen.