Heilbronn

66. Jahrestagung des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) Weniger Papier-, dafür mehr Online-Leser / Kampf gegen gezielte Falschinformationen / Diskussion über Amtsblätter

„Professionellen Journalismus stärken“

Das immer wieder nachgewiesene große Vertrauen der Leser in den professionellen Journalismus wollen die Südwestdeutschen Zeitungsverleger bestärken und untermauern.

Bad Mergentheim. Der Wert einer unabhängigen und kritischen Presse – gedruckt, genauso wie in den digitalten Kanälen – für die Demokratie soll in Zeiten von gezielten Falsch- informationen („fake news“) betont, ja sogar mit einer eigenen Kampagne hervorgehoben werden, beschloss der Verband der Südwestdeutschen Zeitungsverleger (VSZV) in Bad Mergentheim.

„Die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit werden weltweit angegriffen und auf verschiedenste Weise bedroht“, sagte Valdo Lehari jr., der VSZV-Vorsitzende auf der 66. Jahrestagung im Kursaal, und ergänzte später: „Diese Freiheiten sind nicht einfach vom Himmel gefallen, sie müssen immer wieder gelebt, geschützt und verteidigt werden.“ Und selbstkritisch an die eigenen Verbandsmitglieder gerichtet, fügte er noch an: „Wir müssen aber auch noch mehr unsere Aufgabe und Funktion erklären und näher bei den Menschen sein!“

Wie wichtig ein professioneller Journalismus von der lokalen Ebene bis hinauf nach Berlin und Brüssel sei, unterstrich auch Rainer Wiesner, der Geschäftsführer der Südkurier GmbH, der meinte: „Demokratie beginnt vor der Haustüre.“ Er warb für eine großflächig angelegte Imagekampagne unter dem Titel „Journalismus zeigt Gesicht“, die ab Herbst mit Hilfe einer Hamburger Agentur starten könnte, und bekam viel Beifall sowie die mehrheitliche Zustimmung der VSZV-Mitglieder.

Die Tageszeitungen wissen um ihre hohen Glaubwürdigkeitswerte und eine Reichweite von 88,5 Prozent in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren mittels gedruckter und digitaler Angebote. Sie wissen aber auch, dass vor allem die Ansprache junger Zielgruppen zu den großen Herausforderungen der Verlage gehört. Während die elektronische Zeitung (ePaper) zweistellige Zuwachsraten ausweist, hält der Auflagenschwund bei den gedruckten Exemplaren an. Und auch die Anzeigenumfänge reduzierten sich im vergangenen Jahr. VSZV-Vorsitzender Valdo Lehari jr. blickt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft der Medienhäuser.

Systemrelevante Infrastruktur

Die Zeitungsverleger appellieren an das Bundesarbeitsministerium, staatliche Maßnahmen zur Sicherstellung von Vielfalt und Vertrieb der Zeitungen zugunsten der Verlage zu ergreifen, da diese unter anderem große Kosten bei den Druckereien und Vertriebsnetzen zu schultern hätten. Die systemrelevante Infrastruktur müsse flächendeckend erhalten werden, um weiterhin die breite Bevölkerung mit der gewünschten Zeitung versorgen zu können.

Seine große Freude brachte Lehari über die Entscheidung aller beteiligten EU-Institutionen zur Urheberrechtsreform zum Ausdruck. Der VSZV-Vorsitzende begrüßte zudem die Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Sachen „Kommunale Amtsblätter“, welche die Neue Pressegesellschaft in Ulm gegen die Stadt Crailsheim erstritten hatte und die für die Zeitungsbranche richtungsweisend sei. Zahlreiche Kommunen gestalteten ihre Amtsblätter immer presseähnlicher und betrieben ausufernde Öffentlichkeitsarbeit in gedruckter Form, aber auch auf Online-Portalen. Der BGH habe in diesem Grundsatzurteil solchen Aktivitäten erfreulicherweise deutliche und klare Grenzen gesetzt.

In einer von Stefan Lutz, Chefredakteur des Südkurier, moderierten Podiumsdiskussion mit Thomas Brackvogel (Südwest Presse), dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, Gudrun Heute-Bluhm, sowie Wolfgang Reinhart, dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Landtag, und Tilmann Distelbarth (Heilbronner Stimme) zum Thema „Zukunft der Amtsblätter“ rückte die Frage der Grenzziehung schnell ins Zentrum. Distelbarth sagte: „Wir brauchen eine Klärung der Rollenfunktion auf allen Kanälen.“

Deutlich wurde, dass es der Job der Medienvertreter sei, kritisch nachzufragen, zu bewerten und einzuordnen. Ein Agieren der Stadtverwaltungen und Politiker an der Presse vorbei, aufgrund von Misstrauen und das Schaffen einer Gegen-Öffentlichkeit könne nicht der richtige Weg sein, so Thomas Brackvogel, während Wolfgang Reinhart für eine ausgewogene Berichterstattung der Medien eintrat und betonte, dass er ein großer Anhänger der Presse- und Informationsfreiheit sei. „Das BGH-Urteil muss man hinnehmen, der rechtliche Rahmen ist jetzt klar“, meinte Gudrun Heute-Bluhm. Sie sprach sich für ein gutes Miteinander von Kommunen und Medien aus und sah Letztere auch in der Verantwortung, da sie viel mehr Möglichkeiten in der Verbreitung von Nachrichten hätten.

Auf die aktuellen Herausforderungen in Politik und Medien eingehend hatte CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart bei einem Grußwort zuvor schon deutlich gemacht, dass Politiker und Zeitungsmacher mehr gemeinsam hätten, als auf den ersten Blick vermutet: „Für beide bestimmen Tempo, Aktualität und Entscheidungsdruck das Tagesgeschehen. Beide brauchen ein sicheres Gefühl für Themen, Stimmungen und Debatten.“ Er hob auch hervor: „Eine unabhängige, kritische Presse und eine vielfältige Zeitungs- und Medienlandschaft sind für unsere demokratische Kultur elementar! Das ist nicht immer bequem, aber notwendig.“

Am Abend wurden die VSZV-Vertreter von Michael Grethe, Geschäftsführer der Fränkischen Nachrichten, im Reinhold-Würth- Haus begrüßt. Er drückte seine Freude darüber aus, dass der Verband der Einladung seiner Zeitung erneut ins Taubertal gefolgt war. Bereits 1976 und 1991 hatte es VSZV-Jahrestagungen in der Kurstadt gegeben. Die „führenden Köpfe der südwestdeutschen Zeitungsverlage“ hieß auch Oberbürgermeister Udo Glatthaar willkommen. Er warb dafür, dass Kommunen und Medien gemeinsam Sorge tragen für eine gut informierte Öffentlichkeit und eine „lebendige Demokratie im Lokalen“.