Heilbronn

Freizeitbad Aquatoll OB Hertwig meint, „die Stadt ist verpflichtet, das bestehende Bäder- und Saunaangebot zu erhalten“ / Gesamtkosten bei mehr als 23 Millionen Euro

Stadtverwaltung plädiert für den Erhalt

Die Stadtverwaltung Neckarsulm spricht sich für den Kompletterhalt und die schrittweise Sanierung des Freizeitbades Aquatoll aus.

Neckarsulm. OB Steffen Hertwig hatte in den jüngsten nicht-öffentlichen Vorberatungen einen klaren Impuls für den Erhalt des Aquatoll-Freizeitbads gesetzt und den Gemeinderat zu einem eindeutigen politischen Bekenntnis für den Fortbestand des städtischen Eigenbetriebs aufgerufen. Jetzt schlägt die Verwaltung in einer Beschlussvorlage für die kommende Ratssitzung vor, für das Aquatoll der Zukunft Variante eins weiterzuverfolgen und die Verwaltung mit den entsprechenden Planungen zu beauftragen.

Das Gremium hatte in einer Klausur Ende Januar die möglichen Handlungsoptionen auf drei Varianten verdichtet. Variante eins sieht vor, das Erlebnisbad einschließlich Foyer und Restaurant sowie die Saunalandschaft in einzelnen Abschnitten zu sanieren und teilweise zu attraktivieren. Hierfür wird ein Erstinvestitionsaufwand von zwölf Millionen Euro veranschlagt. Zu den Alternativen gehören der Abriss des Erlebnisbades mit Erhalt der Sauna (Variante zwei) und der Komplettabriss von Erlebnisbad und Sauna, so dass nur das Sportbad erhalten bliebe (Variante drei). Über den Beschlussvorschlag der Verwaltung für den Kompletterhalt entscheidet der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am Donnerstag, 19. Juli, in der Ballei.

Der Neubau eines Reha- und Fitnessbereichs, der als Ersatz für den Wegfall des Erlebnisbades beziehungsweise als Ergänzung des Angebots diskutiert wurde, soll nicht weiterverfolgt werden. Wie Vorgespräche mit möglichen Betreibern ergeben haben, wären der Bau und die Verpachtung eines solchen Bereichs nur mit entsprechender finanzieller Beteiligung oder in Trägerschaft der Stadt möglich gewesen. Dies hatte der Gemeinderat aber in den Vorberatungen grundsätzlich ausgeschlossen.

„Wir blicken auf einen langwierigen und schmerzhaften Entscheidungsprozess zurück, der vor allem der hohen Komplexität des Themas geschuldet ist“, analysiert OB Steffen Hertwig.

Die schwierige Ausgangslage verdeutlicht den Handlungsdruck: Nach fast 28 Betriebsjahren weist das Aquatoll dringenden Sanierungsbedarf auf.

In einer sich wandelnden Bäderlandschaft muss sich der städtische Eigenbetrieb zudem gegen wachsenden Konkurrenzdruck behaupten, so dass das Bad zusätzlich attraktiviert werden müsste. Erschwerend hinzu kommt das hohe jährliche Defizit zulasten des städtischen Haushalts. Der Jahresverlust des Erlebnisbades mit Saunabereich beträgt laut Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Aquatoll für dieses Jahr 1,9 Millionen Euro.

„Rein betriebswirtschaftlich betrachtet, spricht nichts für den Erhalt des Aquatoll“, räumt Hertwig ein. „Aber das Aquatoll ist mehr als nur ein Kostenfaktor. Die rege Diskussion um die Zukunft des Bades hat auch gezeigt, dass das Aquatoll vielen Bürgern am Herzen liegt und ein Stück heimatliche Identität stiftet. Insofern sollte der Gemeinderat der Tendenz des Bürgerwillens folgen und eine eindeutige politische Entscheidung zugunsten des Aquatoll treffen“, appelliert der OB.

Bürgerbeteiligung

Um das komplexe Thema von allen Seiten zu beleuchten und bei der Entscheidung möglichst alle Aspekte zu berücksichtigen, hatte die Stadt eine Bürgerbeteiligung initiiert. Die verschiedenen Nutzer- und Interessensgruppen bildeten eine Bürgerbegleitgruppe, die in drei Arbeitstreffen Vorschläge und Empfehlungen für das Aquatoll der Zukunft formulierte. Sprecher der Gruppe stellten die Ergebnisse im Gemeinderat öffentlich vor. Dabei sprach sich die Bürgergruppe einhellig für den Erhalt aus und schlug Maßnahmen vor, um die Attraktivität des Bades zu steigern.

Nach dem Urteil der Begleitgruppe ist das Aquatoll für alle Altersgruppen attraktiv und erfüllt wichtige Funktionen in puncto Schwimmen, Gesundheitsförderung und Erholung. Für den Fall, dass das Erlebnisbad abgebrochen wird und nur Sauna und Sportbad erhalten bleiben, regte die Gruppe neue Angebote an. Um den Wegfall des Erlebnisbades zu kompensieren, schlug die Begleitgruppe unter anderem einen Natursee, ein Reha-Zentrum, den Anbau zusätzlicher Warmwasserbecken sowie einen Indoor- und Wasserspielplatz für Kinder vor.

„Die rege öffentliche Diskussion hat gezeigt, dass das Aquatoll wichtige Funktionen für alle Altersgruppen erfüllt, die bei einem Wegfall an anderer Stelle ersetzt werden müssten“, fasst Steffen Hertwig zusammen. „Auch die Architektur und der Imagefaktor wurden von der Begleitgruppe als positive Merkmale hervorgehoben. Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Aquatoll für Besucher weiterhin attraktiv ist“, urteilt OB Hertwig. „Die Stadt ist daher aus meiner Sicht politisch verpflichtet, das bestehende Bäder- und Saunaangebot für die Neckarsulmer Bevölkerung und damit auch für Bürger der Region zu erhalten.“

Investitionen gerechtfertigt

Vor diesem Hintergrund sind die hohen Investitionen nach Ansicht von Steffen Hertwig gerechtfertigt, auch wenn sie den städtischen Haushalt stark belasten. Um die Investitionen zeitlich zu strecken, schlägt die Verwaltung vor, das Bad abschnittsweise zu sanieren. Es wird erwartet, den Badebetrieb während der Sanierung aufrechterhalten zu können. Die Sanierung kann auf eine grundsätzlich gute Bausubstanz aufbauen. In welchem Umfang und mit welchem Aufwand die einzelnen Funktionsbereiche saniert werden, soll die Fachplanung aufzeigen. In jedem Fall sollen sicherheitstechnische Investitionen Vorrang haben.

Die Erstinvestition in Höhe von maximal zwölf Millionen Euro soll durch Folgeinvestitionen in Höhe von 0,5 bis einer Million Euro pro Jahr ergänzt werden. Sie sollen nach voraussichtlich etwa drei bis fünf Jahren nach Abschluss der Erstsanierung einsetzen und sicherstellen, dass das Bad dauerhaft erhalten bleibt.

Rechnet man die jährlichen Folgeinvestitionen zur Erstinvestition hinzu, so ergibt sich bei Berücksichtigung der Kostensteigerungen ein Gesamtinvestitionsaufwand von mehr als 23 Millionen Euro.

Allerdings müssten auch die Besucher dazu ihren Beitrag leisten, fügt der OB hinzu. „Wie bei allen städtischen Einrichtungen, müssen wir auch beim Aquatoll die Nutzer künftig stärker an der Finanzierung beteiligen.“

So sieht der Verwaltungsvorschlag zur Sanierung ergänzende Maßnahmen vor, um das operative Defizit zu begrenzen. Neben einem organisatorisch verbesserten Personaleinsatz hält es die Verwaltung unter anderem für nötig, die Eintrittspreise in der Saunalandschaft und im Erlebnisbad sowie die Nutzungsentgelte für Vereine und Schulen im Sportbad deutlich zu erhöhen.

„Das Aquatoll ist für unsere Stadt zu einer unverzichtbaren Einrichtung geworden. Es bereichert unsere Infrastruktur und stellt für die Region einen Wohlfühlfaktor dar. Das Aquatoll ist schlicht und einfach ein Stück Lebensqualität, das viele nicht missen möchten“, betont der Oberbürgermeister.