Heilbronn

Arbeitsagentur für Arbeit Business-Talk gab Tipps, wie Unternehmen Auszubildende gewinnen können

Wer nicht auffällt, fällt weg

Archivartikel

Schwäbisch Hall.„Seien Sie einzig, nicht artig“: So lautet eine der zehn Grundregeln von Dr. Dr. Niels Albrecht, Experte für Kommunikations-, Change- und Krisenmanagement. Beim Business-Talk der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim zeigte er mit vielen positiven Beispielen auf, wie sich ein Unternehmen mit Konzepten aus dem Marketing als attraktiver Arbeitgeber präsentieren kann. Dabei stellte er auch schonungslos die typischen Fehler der Firmen vor: „Slogans wie ,Wir suchen Azubis’ auf ein Firmenfahrzeug zu pflastern, ist völlig out.“

Vielfältige Anregungen

Seine Tipps sind vielfältig, manchmal überraschend und für jeden Interessierten ist etwas dabei. „Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihre Räumlichkeiten den jungen Mitarbeitern für Partys zur Verfügung zu stellen? Und dabei den Mut, sie ohne Aufsicht feiern zu lassen?“

Unter dem Titel „Azubis per Mausklick“ hatte die Arbeitsagentur zum Business-Talk eingeladen. „Junge Leute wollen Verantwortung tragen. Wie wäre es, wenn Ihre Auszubildenden die Firmenhomepage gestalten“, so ein Vorschlag von Gastgeberin Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Rund 70 Firmenvertreter querbeet durch alle Branchen waren ihrer Einladung gefolgt, um zu erfahren, wie sich Unternehmen positionieren müssen, um Auszubildende für ihren Betrieb zu bekommen.

Moderatorin Saskia Funke gehört mit ihren 21 Jahren zur Zielgruppe und brachte deren Sichtweise mit ein. „Wir bewerben uns in erster Linie bei Unternehmen, die bekannt sind und informieren uns vorrangig im Internet“, erklärt die Studentin an der Medienakademie in München.

Christel Noller, Geschäftsführerin von Fertighaus Weiss GmbH, tut einiges dafür, dass ihre Firma bekannt ist. „Wir kooperieren mit Schulen, und inzwischen schicke ich unsere Auszubildenden in die Klassen, denn die jungen Leute unter sich kommen viel besser ins Gespräch.“ Deshalb werden Praktikanten bei Weiss üblicherweise auch von Auszubildenden begleitet.

„Warum finden denn Betriebe und Jugendliche immer seltener zusammen?“ Das möchte Saskia Funke von Christian Rauch, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, wissen. Er nennt drei Gründe. Erstens sorgt die demografische Entwicklung dafür, dass die Bewerberzahlen zurückgehen. Zweitens spielen die Eltern eine große Rolle, denn sie haben den stärksten Einfluss auf die Berufswahlentscheidung ihrer Kinder. „Alle wollen das Beste für ihr Kind, und viele meinen damit einen Hochschulabschluss, doch oft ist eine duale Ausbildung der weitaus erfolgreichere Weg in den Beruf. Und drittens: „Der schwäbische Arbeitgeber hat recht hohe Anforderungen an die Bewerber. In Bayern beispielsweise gelingt wesentlich mehr Schülern der Direkteinstieg in die Ausbildung, wobei die bayrischen Schüler sicher nicht schlauer sind als die bei uns. Ich rate dazu, bei der Bewerberauswahl mutig zu sein. Wir unterstützen beispielsweise Schwierigkeiten in der Berufsschule durch ausbildungsbegleitende Hilfen.“

Christel Noller hat mit ihren Auszubildenden Filme gedreht und stellt so alle 13 Ausbildungsberufe auf ihrer Homepage vor. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit bietet Bewerbertage für Unternehmen an, die gleich mehrere Berufe und Lehrstellen anbieten. Karin Käppel erklärt den Vorteil: „Wir kennen die Berufswünsche der Schulabgänger und laden geeignete Bewerber für die Firmen ein.“

Viele Gäste sind überrascht vom Format des Business-Talks der Arbeitsagentur. Ein Unternehmenstheater sorgt mit zwei amüsanten Kurzauftritten für Unterhaltung, und beim anschließenden „Get together“ vertiefen die Gäste im Gespräch mit den Podiumsgästen, dem Referenten und den Ausbildungsvermittlern des Arbeitgeber-Services ihre neu gewonnenen Erkenntnisse.

Ziel der Business-Talk-Veranstaltung ist es, neue Impulse für die Arbeitswelt der Zukunft zu setzen und den Austausch unter den Unternehmen in der Region zu fördern.

„Wir setzen gezielt Themen auf die Agenda, die unsere Arbeitgeberkunden zukünftig beschäftigen werden“, so Karin Käppel. Und das in einer entspannten Lounge-Atmosphäre, die zur lockeren Meinungsbildung und offenen Diskussionen einladen soll.