Höpfingen

Musiker- und Künstlerstammtisch in Höpfingen 20 Musikerfreunde im Alter von 20 bis 80 Jahren treffen sich jeden zweiten Dienstag im Monat

„Bei ZZ Top muss man aufpassen!“

Konzerterlebnisse, Lieblingsbands oder Ticketpreise: Dem Musiker- und Künstlerstammtisch in Höpfingen gehen die Themen nie aus.

Höpfingen. „Am Anfang stand die Idee, eine Plattform zum Austausch mit Gleichgesinnten aus der Taufe zu heben, um das musikalische Potenzial der Region auszuloten, neue Ideen zu entwickeln, Spaß zu haben und vielleicht ein gemeinsames Projekt anzukurbeln“, sagt Jürgen „Uno Kuhno“ Kuhn aus Höpfingen. Gemeinsam mit Josef „Mojo“ König initiierte er den an jedem zweiten Dienstag im Monat stattfindenden Höpfinger Musiker- und Künstlerstammtisch.

Und kaum nimmt das Personal im Restaurant „Schmitt“ die Bestellungen auf, geht es auch schon los: Egal ob Wasser, Cola, Apfelsaft oder Bier getrunken wird, die Stimmung ist locker und gelöst. „So ist das auch unter Musikern“, erklärt Kuhn, der selbst zehn Jahre lang als Alleinunterhalter aktiv war. „Die Musik ist eine Sprache, die uns alle verbindet.“ Dabei sei es nebensächlich, wie alt man sei, welches Genre man liebe oder welches Instrument man spiele. Beim Stammtisch treffen sich an diesem Abend 20 Musikerfreunde von 20 bis 80 Jahren. Gestandene Rocker, fröhliche Schlagerfreunde, Partymusiker, ein ehemaliger Organist und sogar ein Zitherspieler sitzen beisammen und fachsimpeln, was das Zeug hält. Die Taubertäler Oldie-Formation „PM 60“ ist sogar mit drei von vier Mitgliedern gekommen. „Unser Berni konnte leider nicht“, erklärt Bernd „Ernie“ Lehmann, der ursprünglich aus Frankfurt/Oder stammt und im Laufe seiner langen Karriere sogar Teil einer professionellen Band war. In der DDR-Rockband „Wahkonda“ wirkte er als Gitarrist und Sänger mit. Schnell ist der Bogen zur interessanten Musikwelt Ostdeutschlands gespannt. Es bahnt sich ein lebhaftes Gespräch über Veronika Fischer, Wolfgang Ziegler, Reinhard Lakomy, Vlady Slezak, Ralf Bursy, die Puhdys, Karat, Regina Thoss, Ekkehard „Ekki“ Göpelt und andere Musik-Legenden aus DDR-Zeiten an, von denen trotz fundierter Ausbildung nicht jeder nach der Wende den Sprung ins „gesamtdeutsche“ Showgeschäft packte.

Kein „erhobener Zeigefinger“

Natürlich respektvoll, freundlich und gegenseitig bereichernd: Jeder ergänzt das Fachwissen des Anderen, ohne mit dem „erhobenen Zeigefinger“ anzukommen. Irgendwie bahnt sich das Gespräch den Weg zu Aufnahmetechniken und Tonträgermedien: Der eine schwört auf die gute alte Kompakt-Kassette, der andere auf Vinyl, der andere bevorzugt seine mp3-Dateien auf dem Computer und der andere führt als Optimum die um 2000 populären Mini-Discs an. „Sie sind durch ihre Plastikhülle gut geschützt, dazu sehr kompakt und bieten gerade im Studio-Aufnahmebereich beste Voraussetzungen, um gut damit arbeiten zu können“, fasst „Ernie“ deren Vorteile zusammen.

Wie das bei leidenschaftlichen Musikern so ist, findet man mit jeder Minute mehr Gesprächsstoff. So kommt es zum Beispiel unmittelbar nach dem Vergleich der eigenen Plattenspieler und dem Erörtern des Reizes vom bewussten Hören qualitativ hochwertiger Musik zu einer Diskussion über Qualitätsunterschiede bei Live-Auftritten von Bands. „Bei ZZ Top musst du unglaublich stark aufpassen! Wenn die Jungs gut drauf sind, spielen sie auf Top-Niveau. Haben sie aber schlechte Laune, brechen sie gern mal ein Konzert ab“, berichtet „Ernie“ Lehmann. Am Nebentisch sitzt Ralf „Kimbel“ Kinbacher, bekannt unter anderem als Mitglied der Band „Glasgow Underground“. Auch einer, der das Thema nur zu gut kennt und den Bogen zu Konzertkarten und Eintrittspreisen spannt. „Es ist echt nicht mehr normal, wenn man über 200 Euro für ein Ticket zahlen muss“, betont er und spielt auf bekannte Gruppen an, die seit Jahren die Illusion einer „Abschiedstournee“ verbreiten und ihre Fans dadurch letztlich „abziehen“, wie er findet.

Große Bandbreite an Themen

Und schon ist das nächste Thema gefunden: Tournee-Termine. Wer spielt wo, wer spielt wann, was kostet es und wo ist man eigentlich selbst schon überall live mit dabei gewesen? Die Gespräche darüber zeigen einmal mehr, wie groß die Bandbreite der Musikrichtungen beim Stammtisch ist. Es fallen Namen von Bernhard Brink bis hin zu Gary Moore und Metallica. Josef König erinnert sich erfreut an Konzerte seines eigenen Projekts „Mojo & Friends“. Und einer vom Nebentisch räumt ein, in ferner Schulzeit als Imitator von Peter Alexander und Al Martino aufgetreten zu sein: „Das waren Zeiten!“

Da werden Speis und Trank fast schon zur Nebensache. Irgendwie fühlt man sich nicht wie in einem Restaurant, sondern wie in einem Proberaum oder einem Konzerthaus. Zumal dann auch live musiziert wird. Nach einer kurzen Ansprache von Jürgen Kuhn und einer gemeinsamen Abstimmung über mögliche Aktivitäten rund um die Fastnacht greift Sami Dargatz zur Gitarre. Auch das ist ein Ziel des Musiker- und Künstlerstammtisches. „Egal was man macht, ob Musik, Fotografie, Malerei, Bildhauerei oder was auch immer: Jeder ist eingeladen, sich und seine eigene Kunst bei uns ganz zwanglos vorzustellen“, informiert Kuhn und reicht das Mikro weiter. Und es geht noch weiter – jeden zweiten Dienstag im Monat.