Höpfingen

Liederabend in Waldstetten Vier Chöre gingen auf die Bühne / „Cantamus“ aus Buchen als Gastchor

„Frohsinn“ präsentierte ein „Best of“

Archivartikel

Vier Chöre, drei Generationen, ein fulminanter Liederabend: Der Gesangverein „Frohsinn“ präsentierte beim Liederabend ein „Best of“ der vergangenen fünf Jahre.

Waldstetten. In der bis auf den letzten Platz besetzten Turnhalle begeisterten die Chöre des Gesangvereins „Frohsinn“ Waldstetten und deren Gastchor „Cantamus“ aus Buchen die Zuhörer. Bereits der erste Auftritt der Gastgeber war nicht „von der Stange“, sondern ein „Einzug in die Halle“ mit rhytmischem Fingerschnippen und der musikalischen Aufforderung „Raise up your happy voice!“

Der Vorsitzende Herbert Frisch zeigte sich bei seinen Grußworten sehr erfreut über den großen Zuspruch. Er kündigte dem Publikum dann auch ein besonderes Programm an, denn Dirigent Michael Henn hatte ein „Best of“ aus den fünf Jahren seiner Dirigententätigkeit in Waldstetten zusammengestellt. Mit dem „Festhymnus“ von W. Gluck unterstrichen die Gastgeber denn auch den festlichen Rahmen des Abends.

Von den Ureinwohnern inspiriert

Mit „Kad si bila mala mare“, einer Volksweise aus Dalmatien, entführte der Gastchor „Cantamus“ unter Leitung von Kreischorleiter Michael Wüst das Publikum zunächst nach Südeuropa. Mit „Gabriellas Sång“ von Stefan Nilsen, begleitet am Klavier von Edi Farrenkopf, ging es nach Schweden und mit „Estrela e lua nova“ von Heitor Villa-Lobos nach Brasilien. Villa-Lobos hat sich in seinen Werken gerne von den Südamerikanischen Ureinwohnern inspirieren lassen, und „Cantamus“ gelang es hervorragend, diesen Einfluss herauszuarbeiten.

Den portugiesischen Solotext sang Michael Henn und unterstrich damit den multiethnischen Charakter des Werkes.

Sein großes sängerisches Potential und die Bandbreites seines Könnens stellte der Konzerchor „Cantamus“ auch im zweiten Auftritt unter Beweis. „Engel“ von der Rockgruppe „Rammstein“ würde man nicht unbedingt zu den Grundlagen anspruchsvoller Chorwerke zählen. „Cantamus“ jedoch verstand es herausragend, die Dramatik des Liedes im Arrangement von Oliver Gies umzusetzen.

Viel sanfter kam der populäre Love-Song „All of me“ von John Stephens/Toby Gad daher, mit Christian Herzmann im Solo und Edi Farrenkopf am Klavier. „The rythm of life“ von Cy Coleman wurde von Sabine Neidig-Haas und Michael Henn am Klavier begleitet und riss das Publikum förmlich im Rhythmus des Lebens mit. Kein Wunder, dass der Konzertchor „Cantamus“ unter tosendem Beifall und Zugaberufen den Auftritt abschloss.

Einziger Kinderchor im Sängerkreis

Ebenso international war der Kinderchor des Gesangvereins „Frohsinn“. Die zehn Kinder bilden den einzigen Kinderchor eines Gesangvereins im Sängerkreis Buchen. Unter Leitung von Michael Henn wurden sie in den letzten Jahren fester Teil des „Frohsinns“ und präsentierten sich nun erstmals an einem Liederabend stolz mit Poloshirts in Vereinsfarbe und Logo.

Mit „Sowieso“ von Mark Forster eröffneten die Kids ihre Darbietung und sangen sich bereits bei diesem ersten Lied in die Herzen des Publikums.

In „Hold back the river“ von James Bay sang Chiara Ballweg mit viel Gefühl einen Solopart. Auch hier zeigten sich die Früchte von Henns anspruchsvoller Probenarbeit. Viel Action brachten die neun Sängerinnen und ein Sänger dann mit „Hakuna Matata“ aus dem „König der Löwen“ auf die Bühne.

In einer perfekten Performance spielten Kim Schneider, Nina Klotzbücher und Sarah Egenberger die Szene von Pumbaa, Timon und Simba und erklärten, unterstützt von den übrigen Sängern, ihre Philosopie. Das Publikum war total begeistert und verlangte lautstark eine Zugabe.

Mit „Wir sind der Stedemer Kinderchor“, teilweise geblasen auf dem Cazoo, gaben die Jüngsten dann auch dieser Forderung nach. Alle Lieder dieses Auftritts wurden von Michael Henn eigens für den Kinderchor arrangiert.

Weiter in der Welt der Musicals blieben dann auch die Sänger des gemischten Chores und präsentierten „Nessaja“ aus dem Musical „Tabaluga“ von Peter Maffay. Die getragene einfühlsame Präsentation kam beim Publikum bestens an und verzauberte die Zuhörer.

Begeistert Zugaben gefordert

Ein Kontrast dazu war der Sechziger-Jahre Schlager „Liebeskummer lohnt sich nicht“ im Arrangement von Lorenz Maierhofer. Die schwungvolle Aufforderung ließ das Publikum nicht kalt und weckte Erinnerungen an die Wirtschaftswunderzeit. Natürlich blieben auch hier die Zugabe-Rufe nicht aus.

Mit dem Jugend-Projektchor hat Michael Henn seit fünf Jahren auch die jungen Erwachsenen im Dorf in den Chorgesang eingebunden. Die 23 Sänger präsentierten dem Publikum Lieder, die in dieser Altersklasse angesagt sind. Da auch diese Musik weniger in der Chorliteratur zu finden ist, hat Michael Henn bei allen Liedern die Bearbeitung übernommen. So konnten die Geister bei „Spirits“ von den Strumbellas auch auf das Publikum überspringen. Michael begleitete auf dem Klavier und Simon Blau mit dem Cajon.

Blau übernahm dann auch das Solo in „Astronaut“ von Sido/Andreas Bourani äußerst gekonnt. Und, wie schon bei der Ansage angekündigt, hat an diesem Abend keiner so gut „gerappt“ wie der Jugendchor.

Schließlich sorgte „Numb“ von Linkin Park für einen weiteren Beifallssturm. Anna Wiener begleitete hier mit dem Cello und Simon Blau mit den Cajon und ohne Zugabe durften die Jungen nicht von der Bühne.

Der Kultsong „Die eine, die Hektar hat“ wurde mit einer speziellen Show-Einlage auf einem Trettraktor von Lorenz Frisch begleitet und brachte die Stimmung zum Kochen.

Generationsübergreifendes Singen

Was anderes als „Auf uns!“ von Bourani hätte jetzt als Schlusslied der Waldstettener besser passen können? Der gemischte Chor sang das Lied zusammen mit dem Kinderchor und präsentierte damit eindrucksvoll generationsübergreifendes Singen, denn in dieser Formation standen tatsächlich Großeltern, Eltern und Kinder aus einer Familie zusammen auf der Bühne.

„Ein Hoch auf den Dirigenten“

„Ein Hoch auf unseren Dirigenten Michael Henn, der es seit einigen Jahren fertigbringt, mehr als zehn Prozent der Waldstettener Bevölkerung singend auf die Bühne zu bringen“, lobte Vorsitzender Herbert Frisch dessen Engagement.

Ein weiteres „Hoch“ sprach er dem Gastchor „Cantamus“ aus Buchen sowie den Instrumentalisten und Solisten und allen Sängern aus. Lorenz Frisch, der schlagfertig und witzig durch das Programm führte, übernahm dann nochmals das Wort im Auftrag des Jugendchores. Er ließ aus Sicht des Projektchores die vergangenen fünf Jahre Revue passieren, gespickt mit der einen oder anderen witzigen Anekdote aus den Proben. „Wir freuen uns schon auf die nächste Probenphase“, so seine Botschaft.

Stimmgewaltig präsentierten zum Abschluss der „Cantamus“, der „Frohsinn“ und die Kinder den Gospel „Yakanaka Vhangeri“ in einem Satz von Henry O. Millsby. Ein letztes Mal Gänsehaut an diesem Abend? Nein, denn auch nach dem offiziellen Schluss sangen die Akteure dieses und weitere Lieder im Saal.