Höpfingen

Kirchenkonzert in Höpfingen Trachtenkapelle und Gesangverein gestalteten den Abend / Höhepunkt war die Aufführung der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert

Geheimnisvoll-mystische Atmosphäre

Gemeinsam mit der Jugendkapelle, dem gemischten Chor, dem Männerchor und dem jungen Chor „Vocalis“ führte „seine“ Trachtenkapelle Schuberts bekannte „Deutsche Messe“ auf.

Höpfingen. Ein langgehegter Wunsch von Dirigent Holger Dörr wurde am Sonntag in der Pfarrkirche St. Ägidius verwirklicht. Eingebettet war die „Deutsche Messe“ in ein musikalisch herausragendes Abendkonzert. Nach der Begrüßung von Georg Berberich (Gesangverein Höpfingen) und Elmar Kaiser (Musikkapelle Höpfingen) übernahm Kerstin Schuh das Mikrophon, um sich über die außergewöhnlich gut gefüllte Kirche zu freuen und den Taktstock der Jugendkapelle zu übernehmen.

Gleich die von Johann Sebastian Bach komponierte Ouvertüre „Arioso“ passte mit ihrem getragenen Charisma bestens in das Gotteshaus, ehe „Highland Cathedral“ von Michael Korb als leicht schwermütiges Instrumental mit „typisch schottischem“ Anstrich erhabene Höhen, edle Schlösser und saftige Wiesen vor dem geistigen Auge erscheinen ließ.

Einen Kontrast zur sanften Blasmusik setzten die Mitglieder des von Gerhard Bönig geleiteten Männerchors des Gesangsvereins 1861 Höpfingen, der mit gleichnamigem Lied von Conradin Kreutzer zum „Forschen nach Gott“, zum Nachdenken und dem Huldigen der Sehnsucht nach dem Gutgen einlud.

Wie vielfältig Chormusik sein kann, demonstrierte mit Nachdruck der gemischte Chor: Unter Leitung von Gerhard Bönig sorgte das flotte Spiritual „Rock My Soul In The Bosom Of Abraham“ für beste Unterhaltung. Natürlich wurde der stringente Rhythmus kräftig mitgeklatscht.

Kaum war der Applaus verklungen, moderierte Kerstin Schuh einen ganz besonderen Programmpunkt an. Nicht nur durch ihre Aufführungsdauer von über 40 Minuten erwies sich die nach ihrem Komponisten Franz Schubert als „Schubert-Messe“ bekanntgewordene, 1826 in Zusammenarbeit mit Texter Johann Philipp Neumann verfasste „Deutsche Messe“ als Filetstück und Höhepunkt des Abends. Hier zogen die Mitwirkenden alle Register und zeigten während der acht Messgesänge und dem imposanten Anhang, dass sich der lange Probenaufwand lohnte.

Die Einzelbeiträge „Wohin soll ich mich wenden“, „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe“, „Noch lag die Schöpfung formlos da“, „Du gabst, oh Herr, mir Sein und Leben“, „Heilig, heilig, heilig – heilig ist der Herr“, „Betrachtend deine Huld und Güte“, „Mein Heiland, Herr und Meister“, der Schlussgesang „Herr, du hast mein Flehen vernommen“ und der sich auf das Vaterunser beziehende Anhang „Anbetend deine Macht und Größe“ überzeugten auf ganzer Linie und sorgten für eine mitreißende, prachtvolle und zugleich geheimnisvoll-mystische Atmosphäre in der mit Zuhörern aller Altersklassen bis in die Empore besetzten Kirche.

Nach diesem musikalischen Ausrufezeichen verblieb von den Beteiligten „nur“ die von Holger Dörr dirigierte Trachtenkapelle im Altarbereich, um den Abend mit Klassik und Pop zu bereichern. Als bekanntestes Werk von Johann Pachelbel erfreute der „Kanon“ die Liebhaber klassischer Klänge, während das Medley „The Best Of Billy Joel“ ein Wiederhören mit den Klassikern „Just The Way You Are“, „Honesty“, „My Lif“ und „Uptown Girl“ bescherte. Auch im orchestralen Gewand erwiesen sich die nach wie vor im Radio gern gespielten Dauerbrenner des 1949 geborenen US-Barden als Garanten für gute Unterhaltung.

Betont poppig ließ es hernach der Frauenchor „Vocalis“ angehen. Allerdings verstand sich der mit viel Gefühl dargebotene Songtitel „Nearer Than Before“ beinahe schon als Abschiedsmelodie: Das Konzert endete mit der nun folgenden „Hymne an die Freundschaft“ von Kurt Gäble, zu der sich nochmals alle Mitwirkenden die Ehre im Altarbereich gaben. Sie sangen und musizierten jedoch nicht allein. Nicht nur aufgrund der ausliegenden Texte sang das Publikum aus Leibeskräften und gerne mit.

Nach dem Dankesgruß von Holger Dörr wurde manchem freilich die tiefere Bedeutung speziell des letzten Liedes bewusst: Das gemütliche Beisammensein im katholischen Gemeindezentrum verstand sich durchaus auch als herzliches Wiedersehen mit Freunden und Bekannten. ad