Höpfingen

"Zeit für Neues" In der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen gibt es ein neues, innovatives Gottesdienstmodell / Gespräch der FN mit dem Mitarbeiterteam

Jesus wie einen Schatz im Acker finden

"Zeit für Neues" ist ein neues Gottesdienstmodell in der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen im Madonnenland.

Hardheim/Höpfingen. Durch verschiedene innovative Arten von Gottesdiensten versucht man in den Kirchengemeinden, sich den geänderten Erfordernissen in der Gesellschaft anzupassen. Ziel ist es, wieder mehr Menschen anzusprechen, zu berühren und in die Kirche zu bringen. Verschiedene Versuche und neue Angebote im vergangenen Jahr in der Seelsorgeeinheit HardheimHöpfingen haben gezeigt, dass besondere Gottesdienstformen ankommen, während der Besuch in den "normalen" Sonntagsmessen erschreckend zurückgeht.

Eine dieser speziellen Messfeiern ist die Angebotsreihe "Zeit für Neues". Dem Team der kirchlichen Mitarbeiter, das diese Gottesdienste vorbereitet und mit durchführt, gehören Wolfgang und Renate Kaufmann, Manfred und Christiane Weihbrecht, Maria Keim sowie Claudia Beger an.

Die Fränkischen Nachrichten sprachen mit Ihnen über Ihre Beweggründe, Intentionen und Ziele.

Frau Beger, als Leitwort für diese Initiative hat das Team "Zeit für Neues" gewählt. Wie kamen Sie auf die Idee, dass es etwas Neues braucht?

Claudia Beger: In der Begegnung und in Gesprächen mit unterschiedlichsten Personengruppen spüre ich eine Sehnsucht nach Gott. Gleichzeitig erleben wir, dass viele sich schon längst von den herkömmlichen Gottesdienstformen verabschiedet haben.

Was bedeutet dann "Zeit für Neues"?

Beger: Es braucht andere Formen von Gottesdiensten, zu anderer Zeit, in einem anderen Setting, andere Sprache, eine weniger liturgisch festgelegte Sprache mit unterschiedlichen, ungewohnten Zugängen. Innerhalb der Gottesdienste schaffen wir Räume für das, was Menschen in ihrem Leben umtreibt, Grenzerfahrungen, Situationen, in denen ihr Leben durchkreuzt ist und was sie froh macht. Dabei soll es möglich sein, mit diesen Situationen unseres Lebens emotional in Berührung zu bekommen und das Leben mit Gott in Verbindung zu bringen. Wir setzen uns intensiver mit Grunderfahrungen, Alltagssituationen auseinander und thematisieren sie. Wir versuchen eine entsprechende Raumatmosphäre zu schaffen, die einladend wirkt - zum Beispiel mit Lichtern, wir sprechen die Seele an und integrieren kreative Elemente: Sprechszenen, passende Bildern, wir bauen überraschende Elemente ein, die man im Gottesdienst sonst nicht findet, machen damit neugierig. Unsere Angebote sollen auch eine Brücke sein für Menschen, die mit Gottesdienst nicht mehr viel am Hut haben. Aber ebenso auch für alle treuen Gottesdienstbesucher, die ab und zu etwas anderes suchen, um einen Aha-Effekt zu ermöglichen.

Und wie kann man sich das Ganze konkret vorstellen? Welche Form hat dann dieser Gottesdienst?

Wolfgang Kaufmann: Er hat zumindest bisher keine festgelegte Form. Wir sind da noch ganz frei. Das wird an den Gottesdiensten sichtbar, die wir schon gefeiert haben. Am Palmsonntag stand anhand des Turiner Grabtuches eine Auseinandersetzung zwischen Glaube und Wissenschaft im Raum und gleichzeitig bewegte uns die Frage, "wer will dieser Jesus für mich sein?"

Am Muttertag war unsere Zielgruppe besonders Familien. Wir haben im Altarraum die Möglichkeit geschaffen zu erleben, wie es sich anfühlt sich in Gottes Hände fallen lassen zu können. Wir waren natürlich selbst sehr unsicher und gespannt, ob das angenommen wird. Am Ende waren wir erstaunt, wie viele Familien sich darauf eingelassen und uns aufgrund der besonderen Erfahrung eine Rückmeldung gegeben haben.

Am 27. August feiern wir den Gottesdienst in der Kappel mit dem Thema "Der Himmel steht für uns offen". Dabei nutzen wir die Chance, den offenen Himmel in der Natur leibhaftig erleben zu können. Auch suchen wir nach Formen, mit dem Wort Gottes so umzugehen, dass es etwas mit uns macht und in den Alltag mitgeht. Das kann man in einem Interview schlecht beschreiben, das muss man einfach erleben. Auch für die Lichterprozession in Hardheim am 24. September haben wir ein paar Ideen, die sehr unkonventionell sind, um die Botschaft auf eine überraschende Weise nahezubringen und das Evangelium mit aktuellen Situationen in Zusammenhang zu setzen.

Warum macht Ihr das überhaupt, warum engagiert Ihr Euch dafür?

Maria Keim: Mir geht es darum, anderen etwas von meinem Glauben, meiner persönlichen Beziehung mit meinem Gott weiterzugeben, da ich Gott auch durch Menschen kennengelernt haben, die mir von ihrem Gott und dem Glauben erzählt und diesen vorgelebt haben.

Christiane Weihbrecht: Mir ist es wichtig, Menschen Möglichkeiten zu schaffen, Gott zu erfahren und unser Leben mit ihm in Verbindung zu bringen, Wege aufzuzeigen, mit Gott in Verbindung zu kommen und zu bleiben. Für mich ist Gott sehr wichtig in meinem Leben. Oft hilft er mir und ist mir Stütze. Dies will ich gerne auch anderen ermöglichen. Und ich merke, dass es wichtig ist, die Stimme nicht nur denen zu lassen, die gegen alles und jeden sind und die alles immer schlecht reden. Ich will etwas Positives dagegen setzen.

Manfred Weihbrecht: Ich will Menschen neugierig machen auf eine Begegnung mit Gott und dazu ermutigen, mit der Gegenwart Gottes zu rechnen und ihm weiten Raum zur Begegnung mit uns zu geben. Ich wünsche mir, dass viele Menschen die Erfahrung machen, dass Glaube von Angst befreit. Außerdem ist es mir wichtig, Beisammensein und Austausch zu ermöglichen. Übrigens bieten wir "Zeit für Neues" sonntags abends an, weil wir darin eine Chance sehen, dass man hinterher noch etwas Zeit hat, um sich auszutauschen und bei einem Getränk und Gebäck zusammenzustehen und so auch Gemeinde zu erleben. Das wurde bisher sehr gut angenommen.

Wolfgang Kaufmann: Mein großer Wunsch und meine Hauptmotivation ist es, dass Menschen diesen Jesus als den "Schatz im Acker" entdecken, der das Leben reicher macht, in Herausforderungen Halt gibt, dem ich wichtig bin, der mich ermutigt, Hindernisse zu überwinden, und der mir Frieden im Herzen schenkt. Die Menschen mögen spüren, wie es das Leben verändert, wenn sie morgens aufstehen in der Gewissheit, dass Jesus auferstanden ist und in jeder Situation bei uns ist.

Renate Kaufmann: Wir knüpfen mit diesem neuen Gottesdienstmodell zum Beispiel auch an das Taizégebet und an die Lyrics-Abende an, die schon einen großen Freundeskreis haben.