Höpfingen

Eiserne Hochzeit in Höpfingen Erwin und Egidia Schell sind nicht nur am gleichen Tag geboren, sie sind auch seit 65 Jahren verheiratet

Jubilare haben vieles gemeinsam

Höpfingen.Vor genau 65 Jahren, am 15. November 1952, schlossen Erwin und Egidia Schell, geborene Berberich den Bund der Ehe. Sie können folglich heute das seltene Fest der eisernen Hochzeit mit ihren vier Kindern, drei Schwiegerkindern, sieben Enkel und einem Urenkel begehen.

Das betagte Paar kennt sich nicht nur seit der Kindheit, die Ehepartner wohnten damals auch in vertrauter Nachbarschaft. Sie wurden im gleichen Jahr geboren und besuchten gemeinsam die gleiche Klasse von der Einschulung bis zur Schulentlassung in ihrem Heimatort Höpfingen.

Beide wurden recht früh dazu angehalten, in der elterlichen Landwirtschaft mitzuhelfen. Als Schüler des Jahrgangs 1926/27 wurden sie nach Ostern 1933 eingeschult und am 29. März 1941 aus der Schule entlassen. Bereits als Jugendliche entfaltete Egidia Schell bewundernswertes Geschick und handliche Fertigkeiten als Hobby-Schneiderin und Näherin. Diese Beschäftigungen pflegte sie auch später gerne neben ihren Arbeiten in Haus, Hof und auf dem Feld.

Nach der Schulentlassung fand Erwin Schell eine Lehrstelle als Maschinenschlosser bei der Firma Emil Böhrer in Höpfingen. Unmittelbar nach seiner Lehrzeit, am 1. September 1943, wurde er zum Reichsarbeitsdienst nach Rothenburg ob der Tauber einberufen. Es folgten die Grundausbildung in Verdun, Verlagerung zur 4. Fallschirmdivision an die Front in Italien mit Verwundung am 2. Oktober 1944; wiederholter Einsatz bei Imola in Oberitalien; Rückzug über den Brenner nach Österreich, wo die Amerikaner seine Kompanie an die Russen übergaben. Schließlich landete der Jubilar nach einem Vier-Wochen-Marsch und dem Abtransport südlich des Urals in Sibirien, etwa 500 Kilometer entfernt vom heutigen Swerdlowsk.

Was er im Krieg und der anschließenden vierjährigen russischen Gefangenschaft in Sibirien erlebte und erleidete, gleicht einer beispiellosen Odyssee, so Erwin Schell, der jahrelang an der schriftlichen Zusammenfassung seiner Kriegsjahre arbeitete und diese schließlich in einem 200 Seiten umfassenden Buch niederschrieb. Darin berichtet er von Hunger, Kälte, Heimweh, Hoffnung, Enttäuschung, aber auch von Kameradschaft und schließlich von seiner Heimkehr am 21. September 1949.

Die akribische und authentische Wiedergabe seiner Kriegserlebnisse verdankt er dem Umstand, dass trotz der Kriegswirren Hunderte von Briefen und Karten, die er an seine Familie adressierte, allesamt ankamen, wie auch erstaunlicherweise die Rückantworten nach Sibirien.

Einige Jahre nach seiner glücklichen Heimkehr fand Erwin Schell eine Anstellung als Betriebsschlosser in der Höpfinger Ziegelei, die er bis kurz vor Einstellung der Produktion des Ziegelwerkes 1969 innehatte. Danach war er 20 Jahre für die Heizungsanlage der Hardheimer Kaserne bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1989 zuständig.

Bereits im April 1950 trat er dem Männergesangverein als aktives Mitglied bei und erhielt für seine 40-jährige Mitgliedschaft mehrere Auszeichnungen. Dem Heimatverein, dem Obst- und Gartenbauverein sowie der FGH 70 gehören Erwin und Egidia Schell ebenfalls an. Bis vor wenigen Jahren haben sie immer noch beim Schlachtfest der FG Arbeitseinsätze geleistet.

Am heutigen Mittwoch feiert das Jubelpaar das Fest der eisernen Hochzeit mit einem Amt um 11 Uhr in der Höpfinger Pfarrkirche, in der beide getauft wurden, ihre erste Heilige Kommunion erhielten und in der sie sich vor 65 Jahren ihr Jawort gaben vor dem damaligen Ortspfarrer Ludwig Schliermann. Den Gratulanten schließen sich die Fränkischen Nachrichten gerne an. (ck)