Höpfingen

Drei Aufführungen der „Höpfemer Bühnenkracher“ Laienspieler glänzten in dem Lustspiel „Wenn einer eine Reise tut“

Seitenhiebe und jede Menge Situationskomik

Archivartikel

Höpfingen.„Reisen, das ist eine Hatz“, stellte Peter Alexander 1988 fest. Er behielt Recht, was die Theatergruppe „Höpfemer Bühnekracher“ mit dem in der an drei Terminen ausverkauften Obst- und Festhalle aufgeführten Lustspiel „Wenn einer eine Reise tut“ nach Regina Rösch bewies: Der Dreiakter beleuchtete nach kurzer Einführung von Rebecca Hauck amüsant die Tücken, die ein Urlaub mit sich bringen kann.

Oswald und Emil sind gestandene Feuerwehrkameraden und dicke Freunde mit einem klaren Ziel: Sie wollen ihren wohlverdienten Urlaub genießen. Und zwar in Bad Füssing, wo sie seit Jahr und Tag getreu dem Motto „morgens Fango, abends Tango“ unvergessliche Auszeiten verbringen. Ihre Gattinnen freilich verfolgen andere Pläne. Betty möchte eine Kreuzfahrt buchen, Helga will Mauritius („Maurizinus“) sehen.

Für Oswald und Emil wäre das freilich ein Horrorszenario: Wie sollen sie nur zwei Wochen ohne Sauerkraut und Dörrfleisch aushalten? Ihr Kamerad Max spricht ihnen aus der Seele: „Lieber drei Wochen mit dem Traktor auf das Feld, als drei Wochen mit der eigenen Frau im Urlaub“, stöhnt er.

Nach zünftiger Zechtour durch die Nacht ist es soweit: Oswald und Betty sitzen zwei Stunden vor der Abfahrt an der Bushaltestelle und warten nicht nur primär auf den Reisebus, sondern viel mehr auf den Fensterplatz vorn rechts. Man möchte ja die Füße ausstrecken. Bei den Männern liegen die Nerven blank; Nachbarin Marie kocht ihnen einen Kaffee nach dem anderen. Dann aber folgt eine Überraschung auf die Nächste: Kaum kündigen Helga und Betty an, dass es nun doch sehr zur Freude ihrer Angetrauten nach Bad Füssing geht, erklären sie, mit dabei zu sein. Oswald und Emil sind entsetzt.

Im Bayernland setzt sich der feriale Zickzack-Kurs nahtlos fort. „Die Zeit geht ums Verrecken nicht rum“, ächzt Emil. Kein Wunder: Tomatensaft, Heilwasser und Bio-Schonkost sowie Psychiater, Morgenlauf und Wassergymnastik hängen ihm zum Halse heraus. Oswald wittert gar eine Intrige: „Das ist keine Erholungskur, sondern ein Entwöhnungcamp“, glaubt er.

Spannend wird es, als illustre Gestalten im Kurhaus eintrudeln: Kaum ziehen die „Lackaffen“ Ferdinand von Cartier und Adalbert Baron von und zu Stadelhofen alle Blicke auf sich, geben sich mit Chantal und Jacqueline zwei ältliche Damen in bunten Kleidern die Ehre. Da läuft Heiratsschwindler Ferdinand leichte Beute in die Arme, wobei ihm Helga und Betty einen Strich durch die Rechnung machen. In ihren knallbunten Jogginganzügen, die ihnen „der amerikanische Multimillionär Mr. Woolworth“ gab, üben sie sich darin, polyglott und modisch zu wirken. Chantal und Jacqueline sehen das anders. Aber auch Helga und Betty hätten sich die Tour anders vorgestellt: Von Masseur Harry, der auf perfekte Art die Gratwanderung zwischen Charme- und Schleimbolzen repräsentiert und seine Patienten mit fleischigen Händen malträtiert sowie seiner Gehilfin Susi sind sie wenig angetan. Die Dauerwelle droht überdies Schaden zu nehmen.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Das Unheil nimmt weiter seinen Lauf. Zwar versuchen Oswald und Emil, den Urlaub ihrem Geschmack und den alten Tagen anzunähern, aber bedingt das die vorübergehende Trennung von Betty und Helga. Die Damen lenken gnädig ein, Oswald und Emil reiben sich die Hände: Endlich ist ein Date mit Chantal und Jacqueline in Sichtweite. Aber Helga und Betty sind nicht von gestern und nehmen ihren ganzen Charme zusammen, um sich mit Ferdinand und Adalbert zu treffen. Das alles lässt alle miteinander einen Urlaub erleben, den keiner so schnell vergessen wird.

Mit herzlichem Wortwitz, allerhand Seitenhieben, jeder Menge Situationskomik und Lokalkolorit setzten die bestens gelaunten Darsteller der „Höpfemer Bühnekracher“ den Maßstab für Laientheater weit oben an. Dazu trugen auch das sehenswerte Bühnenbild und die authentische Requisite bei.

Auf der Bühne glänzten Wolfgang Schell (Oswald), Karin Gutmann (Helga), Adalbert Hauck (Emil), Ute Scheuermann (Betty), Lothar Gronostay (Max), Claudia Hauk (Marie), Lukas Hauck (Ferdinand von Cartier), Luca Petermann (Adalbert Baron von und zu Stadelhofen), Heike Häfner (Chantal), Maria Edelmann (Jacqueline), Jakob Hauck (Harry) und Magdalena Hauck (Susi); ferner wirkten Anke Hauck (Souffleuse), Günter Nohe und Kurt Scheuermann (Technik), das Friseur-Team „Querschnitt“ (Maske/Styling) und die Firma Egon Pahl (Bühnenbild 1. Akt) sowie Matthias Hauk (Grafik/Layout) mit. Regie führten „alle zusammen und niemand“. ad