Höpfingen

Gottesdienst und Feier Frauengemeinschaft Höpfingen feierte 100-jähriges Bestehen / Mit über 300 Mitgliedern eine der größten Gemeinschaften auf Dekanatsebene

„Trotz seines Alters ein ewig junger Verein“

Das Eingangslied „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ war Programm: Mit einem durchaus als „Fest des Glaubens“ zu bezeichnenden Ereignis feierte die kfd Höpfingen ihr 100-jähriges Bestehen.

Höpfingen. Herzstück des Nachmittags war der Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Ägidius, der mit einer kurzen Ansprache von Vorstandsmitglied Anke Hauck begann. Sie begrüßte diverse Ehrengäste sowie die Musiker der Gruppe „Noventus“, die zum feierlichen Rahmen des Gottesdienstes beitrug.

„Treuer Begleiter geworden“

„Erst durch so viele Gäste wird ein solches Fest lebendig“, bemerkte Hauck und übergab das Wort an Dekan Gerhard Hauk (Tauberbischofsheim), der als gebürtiger Höpfinger gern in seine Heimatgemeinde gekommen war und sich auf „weithin in unserem Leben sichtbare Spuren Gottes“ bezog. Solche lege die Frauengemeinschaft seit einem Jahrhundert, was aller Ehren und jedes Dankes wert sei. So könne man auch von einem Dankgottesdienst sprechen.

Zumal er sich auch ganz persönlich noch zu „bedanken“ habe – und zwar für sein Messbuch, das er anlässlich seiner Primiz am 25. Mai 1980 von der Frauengemeinschaft geschenkt bekam. „Es ist mir ein treuer, mit mancher Erinnerung gespickter Begleiter bei meinem Wirken im Weinberg des Herrn“, erklärte der Geistliche und bezeichnete das Buch als „Spur der Frauengemeinschaft im eigenen Leben“, die stellvertretend für die Vielseitigkeit jener Fährten stehe. „Die Spuren des Herrn können schlicht, einfach und menschlich sein, aber ebenso komplex, unergründlich und nur schwer zu erkennen“, merkte er an.

Hier setzte der Text „Spuren Gottes“ an, mit dem Vorstandsmitglieder aktueller und früherer Tage an längst in die Höpfinger Annalen eingegangene Spuren der Frauengemeinschaft erinnerten. Unter anderem blickten sie auf spirituelle und liturgische Angebote für Geist und Seele, getreu dem Leitsatz „Gemeinsam Glauben leben“ zurück, auf die Krabbelgruppe als Ausgangspunkt oftmals jahrzehntelanger Freundschaften, Vortragsveranstaltungen zu politischen, sozialen und gesellschaftlichen Themen, den jährlichen „Sommerabendtreff“ bei Selbstgebackenem, den über lange Zeit gut besuchten Frühstückstreff und den mit Informationen zu fernen Ländern, ihren sozialen Missständen und ihrer Folklore aufwartenden Weltgebetstag der Frauen sowie die früher stets beliebten Kochkurse zurück.

Auch die Wallfahrten nach Würzburg und Altötting sowie die seinerzeit mehr aus einem räumlichen Notstand heraus zunächst probeweise in die Obst- und Festhalle verlegten, dort jedoch entgegen aller Zweifel zum echten „Hit“ gewordenen Fastnachtsfeiern schrieben ein Stück der Erfolgsgeschichte, zu der die Ehrenvorsitzenden Maria Böhrer und Agnes Schell gratulierten.

Auch Bürgermeister Adalbert Hauck zeigte sich stolz auf den „trotz seines Alters ewig jungen und agilen Verein“, der Höpfingen seit nunmehr 100 Jahren präge und mit über 300 Mitgliedern einer der Größten auf Dekanatsebene sei.

Mit der warmherzigen Geschichte über Herrn Mayer und Hadschi Halef Omar, die im Wüstensand die Spuren Gottes entdeckten, näherten sich die Vorstandsmitglieder weiterhin den „Spuren, die wir in jedem Strauch, jedem Baum und jedem Menschen finden können“.

Dekan Gerhard Hauks Predigt fokussierte in amüsanter und zugleich berührender Weise den Dialektspruch „habt’er scho gedaalt?“ („habt ihr schon geteilt?“ im Sinne vom Aufteilen des Besitzes an die Nachkommen). Nun sei das Weitergeben und Teilen beileibe kein Leichtes, aber erforderlich, „damit der Nachwuchs das Werk fortführen kann“, so Hauk.

Zu teilen seien im Falle der Frauengemeinschaft klassische und daher zeitlose Werte, die der ehemalige Mütterverein in all den Jahren der früher für Frauen gültigen Maxime „Kirche, Küche, Kinder“ entgegen setzt: „Mutige Frauen gingen dem Selbstverständnis der Frau entgegen, was die kfd als Verband von einiger Gewichtigkeit zum Ergebnis hat“, erklärte er und betonte durchaus auch selbstkritisch, dass auch der Klerus bis in die Gegenwart mitunter noch Probleme damit habe, die heutige Rolle der Frau fortzuschreiben – gerade, weil auch ein beträchtlicher Bestandteil des kirchlichen Lebens durch engagierte Frauen bewerkstelligt wird, sollte man ihnen mit größerer Wertschätzung begegnen. „Seit 100 Jahren streut die Frauengemeinschaft Höpfingen den Samen Gottes“, hielt Hauk fest und appellierte dazu, Selbige auch durch die nachfolgenden Generation weiter pflanzen zu lassen.

Nach den Fürbitten dankte Vorstandssprecherin Hedi Greulich allen Beteiligten und übergab das Wort an Bürgermeister Adalbert Hauck, der sich als Vorsitzender des Heimatvereins und leidenschaftlicher Heimathistoriker mit der Gründung und dem Werdegang der seinerzeit als Mütterverein durch den 1918 nach Höpfingen versetzten Pfarrer Valentin Pfenning gegründeten Frauengemeinschaft auseinander setzte.

So ging hervor, dass der heutige Name erst in den 1960er-Jahren etabliert wurde und der ursprüngliche Zweck des Vereins darin bestand, Müttern außerhalb ihres Hauses den Zugang zu Bildung und Wissen sowie gegenseitiger Hilfe zu ermöglichen. Mit einem Beisammensein im Pfarrheim klang der Festtag aus. ad