Hohenlohe-Franken

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Festakt zum 30-Jahr-Jubiläum im historischen Zeughaus von Schwäbisch Hall / Heute 1460 Mitglieder in der Region

Als Pioniere national und international gefragt

Schwäbisch Hall.„30 Jahre Projekte für die ländliche Regionalentwicklung in Hohenlohe“, so überschreibt Gründer Rudolf Bühler den Festakt zum Jubiläum der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) in Halls „guter Stube“, dem Neubausaal. In diesen Jahren, so Bühler, ist die bäuerliche Familie von acht Gründungsmitgliedern zur stattlichen Zahl von 1460 Mitgliedern gewachsen.

Vor mehr als 650 Gästen wünscht Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium, „der Gemeinschaft weiterhin Erstarken“ und zollt „nicht nur dem Begründer, auch den Mitarbeitern großen Respekt“. Verbraucher wollten heute wissen, wer hinter dem Produkt steht: „Die Bäuerlichen machen Landwirtschaft mit allen Sinnen erlebbar.“ Die BESH sei ein „Leuchtturmprojekt“ und als Pionier national und international gefragt. Mit der Übernahme des ehemals kommunalen Schlachthofs und dem Bau der Wurstmanufaktur sei es Rudolf Bühler und seinen Mitstreitern gelungen, die gesamte Wertschöpfungskette in Händen zu halten: „Sie haben die Chancen in der Vermarktung erkannt.“

Auch der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer zollt der Entscheidung der BESH-Verantwortlichen Respekt, auf regionale Erzeugung und Vermarktung zu setzen: „Es war richtig, den anderen Weg zu gehen und nicht für den Export zu erzeugen.“ Laut einer Umfrage der holländischen Bauernzeitung – das Land ist zweitgrößter Agrarexporteur Europas – seien zwei Drittel der niederländischen Bauern heute der Überzeugung, Export sei der falsche Weg. „Es ist mit der BESH sehr, sehr viel richtig gemacht worden“, lobt der Regierungspräsident. Und kritisiert die Politik: „Im Bundeslandwirtschaftsministerium gibt es keine Unterstützung für die Bauern.“ So fordert Reimer eine Haltungskennzeichnung analog zur Eierkennzeichnung, um „die Verbraucher in die Pflicht zu nehmen“.

Rudolf Bühler, Gründer und Vorstand der BESH, bilanziert das in den vergangenen 30 Jahren Erreichte: „Wir erzeugen das, was die Gesellschaft haben will und von uns erwartet“, sagt er, „deshalb genießen wir eine hohe Akzeptanz , haben die Qualitätsführerschaft inne und zahlen unseren Mitgliedern bundesweit die höchsten Preise.“ Solidarisches Wirtschaften, Ökologie und Biodiversität, Kultur und Bildungsarbeit auf dem Lande sowie die Bewältigung der sozialen Herausforderungen seien die Werte, für die die BESH stehe. „Wir sind mit unserer gemeinsamen Projektarbeit mitten in der Gesellschaft angekommen“, ruft der Bio-Landwirt seinen Mitstreitern zu, „das gibt uns Hoffnung, dass es eben nicht umsonst ist, sich einzubringen und zu engagieren.“

„Öko“ von Bauern entwickelt

Hier die Theorie, dort die Praxis. Dieses Thema nimmt sich auch der Agrarwissenschaftler Professor Dr. Hartmut Vogtmann vor, der in seiner nachdenklich machenden Rede die Forschungspolitik in den Ländern und der Bundesrepublik kritisiert. „Solidarisches Wirtschaften und Ökolandbau sind von den Bauern entwickelt worden, nicht von den Forschern“, sagt der Experte. In diesem Sinne arbeite die BESH „bedürfnisorientiert, sozial und ökologisch“ und erfülle so ziemlich mindestens 14 der 17 Kriterien der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. „Müssen wir nicht manchmal Dinge nicht tun, die wir tun könnten?“, spricht der emeritierte Professor das Thema Gentechnik an, das in der Erzeugergemeinschaft seit Anfang an tabu ist. „Mein Appell“, so schließt Vogtmann, „es geht auch um Mäßigung.“ besh