Hohenlohe-Franken

Tradition Zehn Millionen Euro, so lauten vorsichtige Schätzungen, werden mit dem Fränkischen Volksfest umgesetzt

Crailsheim leistet sich sein Volksfest

Die Ausgaben für das Fränkische Volksfest übersteigen die Einnahmen um ein Mehrfaches. Wenn der Festzug der Schulen ansteht, geht die Stadt mit rund 350 000 Euro ins Minus.

Crailsheim. Zehn Millionen Euro, so lauten vorsichtige Schätzungen, werden mit dem Fränkischen Volksfest in Crailsheim umgesetzt. Diese Summe basiert auf zwei Angaben: der Besucherzahl, die von der Polizei mit 400 000 angegeben wird, und der Annahme, dass ein Festbesucher im Schnitt 25 Euro ausgibt.

„Das sind unsere vagen Schätzungen“, sagt Susanne Kröper-Vogt, Ressortleiterin Soziales und Kultur bei der Stadt Crailsheim, bei der die Fäden der Organisation zusammenlaufen. „Geht man davon aus, dass die Hotels während des Festes nahezu ausgebucht sind, die Händler am Sonntag ihre Geschäfte öffnen dürfen und man auch in der örtlichen Gastronomie besser reservieren sollte, dürfte diese Zahl eher nach oben korrigiert werden müssen.“

Wirtschaftliches Potenzial

Das Volksfest ist historisch gewachsen und wichtig für das Heimatgefühl der Crailsheimer. Deshalb lässt es sich die Stadt auch einiges kosten: Die Ausgaben differieren je nachdem, welcher Umzug stattfindet. Sie betrugen vor zwei Jahren 693 000 Euro, im vergangenen Jahr 550 000 Euro und die Planungen für 2019 sehen Ausgaben in Höhe von 650 000 Euro vor.

Diesen Ausgaben stehen Einnahmen von lediglich 200 000 Euro gegenüber, die sich in den drei Jahren nicht wesentlich änderten. Am höchsten sind die Ausgaben für den Bauhof, die Security sowie für den Festumzug der Schulen. Dagegen nehmen sich die Kosten für das Feuerwerk (50 000 Euro) oder für den Vergnügungspark mit 80 000 Euro vergleichsweise gering aus. Dieses Minus, das 2016 bei 487 000 Euro und 2017 bei 350 000 Euro lag, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen im Gemeinderat und wirft die Fragen auf: Wie können die Einnahmen, die sich hauptsächlich aus den Standgebühren ergeben, erhöht oder die Ausgaben gekürzt werden? „Wir tun beides“, sagt Kröper-Vogt.

Die Ausgaben für die Beleuchtung der Fluchtwege und Absperrgitter schlugen kräftig zu Buche, sind aber bezahlt und fallen jetzt weg. Und die Standgebühren werden alle zwei bis drei Jahre erhöht und mit den Gebühren auf anderen Volksfesten abgeglichen: „Wir sind sehr hochpreisig für diese vier Tage“, so die Ressortleiterin und verweist auf die Gebührenordnung, die differenziert auflistet, wer wie viel zu zahlen hat. „Bei Kinderfahrgeschäften oder neuen Attraktionen, die wir unbedingt haben wollen, machen wir Zugeständnisse.“

Richtig teuer ist es für Schausteller, die Glücksspiele anbieten. Ein Losbudenbesitzer beispielsweise, muss für seinen etwa 50 Quadratmeter großen Stand auf dem Festplatz 1500 Euro für vier Tage zahlen. Ein Crailsheimer Handwerker hingegen, der seinen Stand auf dem Ausstellungsgelände hinter der Hakro-Arena aufschlägt, zahlt für die gleiche Größe nur 360 Euro. Das ist politisch gewollt: „Die Vergaberichtlinien sind darauf ausgerichtet, die heimische Wirtschaft zu stärken“, sagt Kröper-Vogt. Deshalb gibt es auch keine Diskussionen darüber, welche Brauereien die Festzelte beliefern dürfen. Beim Festzelt und dem „Kleinen Engel“ ist die Biermanufaktur Engel seit Jahren gesetzt. Das dritte Zelt wird von der Brauerei Distelhäuser aus Tauberbischofsheim beliefert.

Der Gemeinderat hat darüber hinaus entschieden, dass nur Crailsheimer Metzgereien einen Anspruch auf einen Standplatz auf dem Festgelände bekommen oder ihre Produkte über einen Vertreter verkaufen dürfen. Filialisten sind von dieser Regelung ausgeschlossen.

Seit zehn Jahren verantwortet Kröper-Vogt den Volksfesthaushalt und kann Tendenzen erkennen. 2008 lag das Defizit noch bei 170 000 Euro. Damals standen den Ausgaben von 290 000 Euro Einnahmen in Höhe von 120 000 Euro gegenüber. Die größten Zuwächse auf der Ausgabenseite gab es bei den Stundensätzen, die mit dem Bauhof verrechnet werden, und für die 120 Sicherheitskräfte, die für hoffentlich ungetrübte Festtage sorgen. kedo