Hohenlohe-Franken

Bauernakademie Kirchberg Naturschützer und Weidetierhalter diskutierten mit Staatssekretär Baumann über Maßnahmen zum Schutz von Herden vor Wölfen

Der Wolf bleibt ein gefürchteter Zaungast

Naturschützer und Weidetierhalter diskutieren in der Bauernakademie Kirchberg mit Staatssekretär Andre Baumann, wie Herden vor dem Raubtier geschützt werden können.

Kirchberg. Der Wolf, lateinisch Canis lupus, ist bei Weidetierhaltern gefürchtet. Dass inzwischen Baden-Württemberg als Wolfserwartungsland gilt und in den vergangenen Jahren bei Bad Wildbad und in Unterkessach bereits Wolfsrisse dokumentiert wurden, beschäftigte auch die Teilnehmer eines Wochenendseminars auf Schloss Kirchberg.

Zum Seminarauftakt in der Bauernakademie begrüßte Gastgeber Rudolf Bühler viele Weidetierhalter aus Hohenlohe, die auf den ersten Vortrag mit Dr. Andre Baumann gespannt waren. In seinem Vortrag skizzierte der Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium seine Gedankengänge zur Weidetierhaltung und zum Wolf, der möglicherweise eines Tages auch in der Region Hohenlohe häufiger aufkreuzen könnte. „Ein Wolf kann problemlos bis zu 50 Kilometer am Tag zurücklegen“, erklärte der Politiker, der sich selbst gerne als „Schäferei-Fetischisten“ bezeichnet.

Andre Baumann, der von 2007 bis 2016 Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) war, geht auf die ökologische Bedeutung der Weidetierhaltung ein. „Richtige Naturlandschaften gibt es in Baden-Württemberg eigentlich kaum noch. Deswegen praktizieren wir Naturschutz überwiegend in Kulturlandschaften. Ein typisches Beispiel hierfür sind Wacholderheiden und Kalkmagerrasen, die auch wegen der Weidetierhaltung so artenreich sind“, führte er aus.

Für den promovierten Diplom-Biologen ist klar, dass eine biologische Vielfalt vor allem durch bäuerliche Nutzung erreicht wird und es daher auch künftig auf eine enge Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft ankomme.

„Wir brauchen mehr Schafe und wollen die Weidetierhaltung stärker fördern.“ In diesem Zusammenhang sei es seiner Meinung nach wichtig, bei auffälligem Wolfsverhalten rasch und unbürokratisch zu handeln, wenn diese sich auf Weidetiere als Beute spezialisieren würden. Der Wolf sei aber nicht das eigentliche Problem der Weidetierhalter. „Die Weidetierhaltung leidet unter Nachwuchsproblemen, und auch die Agrarförderung muss verbessert werden“, schob Andre Baumann hinterher.

„Wertvolle Anreize“

Hinderlich für eine attraktivere Weidetierhaltung findet der Umweltexperte ebenso die Mentalität vieler Konsumenten, die landwirtschaftliche Produkte nur zum billigsten Preis kaufen wollten.

Andre Baumann versprach den Zuhörern, der Weidetierhaltung und dem Öko-Landbau auch in Brüssel ein besseres Standing zu verschaffen. „Höhere Prämien für Grünland und attraktive Weidetierprämien können wertvolle Anreize sein“, sagte der Redner.

Die Hausaufgaben vor der eigenen Haustür wollen aber ebenfalls gemacht sein, wie Baumann betonte. „Wir möchten einen verbesserten Herdenschutz für Weidetierhalter auf den Weg bringen und daher sind wir auch gespannt, wie sich die Prototypen für Zäune zur effizienten Wolfsabwehr bei uns in Baden-Württemberg bewähren. Wir wollen auch den Dialog mit der Landwirtschaft stärken.“ Dass das Erproben von neuen Zäunen und modernen Schutzmaßnahmen zur Abwehr von Wölfen oder streunenden Hunden wichtig ist, zeigt sich im Vortrag von Frank Lamprecht.

Pilotprojekt vorgestellt

Der Experte vom Nabu stellte den Zuhörern in der Schlossakademie neben Herdenschutzhunderassen das Pilotprojekt „Herdenschutz in der Praxis“ vor und brachte dabei auch eigene Erlebnisse als Weidetierhalter ein.

„Wölfe lernen schnell. Wenn die Schutzzäune unter der vorgesehenen kräftigen Spannung stehen und der Wolf bei Berührung ordentlich eine gewischt bekommt, zeigt er danach an eingezäunten Herden kein Interesse mehr“, erklärte er. „Schön wäre es, wenn wir künftig in der Weidetierhaltung von den Maschendrahtzäunen wegkommen würden und mehr elektrische Zauntypen einsetzen könnten.“

Allerdings gab der Nabu-Experte zu, dass das Aufstellen von Elektrozäunen nicht nur an windreichen und abschüssigen Stellen mit einigen Tücken verbunden ist. „Wildschweinrotten können den Zaun niederdrücken und an Wasserläufen muss kontrolliert werden, ob die elektronische Zaunversorgung auch bei Hochwasser reibungslos funktioniert.“ Andreas Scholz