Hohenlohe-Franken

Volksbank Hohenlohe Eine Anekdote von Altverleger Rolf Wankmüller zum 175-jährigen Bestehen des Geldhauses

Direkter Draht zum Direktor

Archivartikel

Die Volksbank Hohenlohe feiert als älteste noch selbstständige Genossenschaftsbank ihren 175. Geburtstag.

Gerabronn. Am 27. August 1843 gründeten 50 Bürger die „Oehringer Privatspar- und Leihkasse“, die heutige Volksbank Hohenlohe eG. Zum 175-jährigen Jubiläum erzählt Rolf Wankmüller, Altverleger des Hohenloher Tagblatts, eine wahre Begebenheit.

Wer kennt es nicht, das stattliche hohe Verwaltungsgebäude des „Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes“, kurz „Geno-Haus“, in der Heilbronner Straße in Stuttgart. Dort spielt die Erinnerung an eine Begegnung vor einigen Jahrzehnten, die just am heutigen Tag zum Jubiläum passt.

Im sechsten Stock des Gebäudes befand sich unter anderem auch die „Gene-Marketing-Abteilung“, wohin mich des Öfteren der weite Weg von Gerabronn in die Landeshauptstadt führte. Ich parkte wieder mal mein Auto auf dem firmeneigenen Parkdeck. Die Unterlagen für die Besprechung unterm Arm, ging’s flugs in den ersten Stock zum Aufzug, ich kannte mich ja aus.

„Halt“, und nachdem ich nicht reagierte, nochmals „Halt“ holte mich die energische Stimme eines Mannes ein. Es war die des hauseigenen Pförtners. Er hatte das Schiebefensterchen seiner Behausung hochgeschoben, rührte in einer Kaffeetasse, daneben stand seine Thermosflasche, eine „sottige“ gehört nämlich zum Pförtnerberuf, wie man weiß. In die Kaffeetasse dunkte der Pförtner ein Stück Marmorkuchen. Da mir heute der Name des Pförtners nicht mehr gegenwärtig ist, nenne ich ihn einfach „Herr Häberle“, abgeleitet von den beiden schwäbischen Kultfiguren „Häberle und Pfleiderer“ des SWR.

Nicht ohne den Pförtner

Nun entwickelte sich folgender Dialog: „Wie ist Ihr Name, wo kommen Sie her, zu wem möchten Sie, Ihr Geburtstag, Geburtsort und heutige Uhrzeit.“ Alles wurde fein säuberlich in ein Anmeldeformular eingetragen. Pförtner Häberle erfüllte vorbildlich seine Aufgaben an einer der wichtigsten Stellen des Geldinstituts, denn die damaligen Zeiten waren in Deutschland sehr unruhig.

Als ich ihm meinen Wohnort „Gerabronn“ nannte, fuhr es aus Häberle heraus: „Sou, von dort hinten, dem Schwäbisch-Sibirien …“ Da traf er den Nerv eines Hohenlohers an der empfindlichsten Stelle. „Mir Hohaloer sin a bsonderer Schlooch, mir hewwe Baure, a bekannte Industrie und a guede Luft und im Winter viel Schnee, und an Ferscht hewwe mir a und deshalb sooche die Hoheloer , mir fohre nach Schtugerd hinter‘ und net umkehrt.“

Schließlich, während Herr Häberle genüsslich ein zweites Stück Marmorkuchen eintunkte, erlaubte ich mir die Frage: „Herr Häberle, wisse Sie, ob zufällig der Direktor Junginger do is, i kenn ihn von aaner Volksbank-Generalversammlung in Gerabronn und do hat er mi eigloode, wenn i amol ins „Geno-Haus“ kumm, soll i ihn bsuche.“

Was ich nun erlebte, war ein Klacks, denn schneller als die „jagende“ Jagst dem Elpershofener Wehr zuströmt, sprudelte es aus Häberles Mund. „Sie, so geht das nicht. Wenn Sie unseren Direktor Junginger sprechen wollen, müssen Sie das zu Hause vorbereiten. Da rufen Sie die Sekretärin an (hier ist die Nummer) und dann frägt Sie die Sekretärin, warum und in welcher Angelegenheit Sie den Herrn Junginger besuchen möchten, und dann schaut die in seinen Terminkalender und sagt Ihnen, in vielleicht zwei Wochen besteht eine Möglichkeit, aber nicht heit, wenn Sie grad zufällich hier vor mir stehen.“

Menschen wie du und ich

Nun, ich gab mich zufrieden, was aber dann geschah, verschlug Pförtner Häberle fast die Sprache. Die Aufzugstür öffnete sich, heraus trat Direktor Junginger, stutzte und erkannte mich dann doch. „Ja was machen Sie hier bei uns?“ „Ich habe einen Termin in der Marketing-Abteilung.“

Darauf Direktor Junginger: „Ich fahre gleich mit Ihnen hoch, wenn Sie fertig sind, klopfen Sie an meine Tür fast gegenüber, dann trinken wir einen Kaffee, und ich zeige Ihnen den herrlichen Blick zum Bahnhof mit den vielen Gleisanlagen, den Parkanlagen, ganz hinten den Landtag und drüben die Weinberge am Berghang.“ Und wir plauderten mehr als zwei Stunden über Politik und Wirtschaft, über Genossenschaften und Gewerbevereine, die die Volksbanken gegründet haben und die Probleme des Mittelstandes und über vieles mehr.

Die Zeit war rum, ich fuhr aufzugsabwärts. Pförtner Häberle verordnete mir die Abmeldeformulare mit dem Aufdruck „Zwei Stunden“, und er murmelte vor sich hin: „So was ist mir noch nicht passiert.“ „Seeches, Herr Häberle“, sagte ich, „vo Gerabronn muss mer halt kumme, wisses, vo dohinte, do wird mer glei vorglasse.“

Die Moral von der Geschichte: Alle drei waren Menschen wie du und ich: der Pförtner Häberle, der Direktor Junginger und der Erzähler dieses Erlebnisses, das der Volksbank zum Geburtstag gewidmet ist.