Hohenlohe-Franken

Ausstellung in Aub „Die Retter von Baldersheim“ als Ergebnis einer Geschichtswerkstatt / Junger Marinesoldat verhandelte mit heranrückenden Amerikanern

Dorf verschont, Alfred Eck erhängt

Eine Ausstellung um die „Retter von Baldersheim“ hat die Stadt Aub im fränkischen Spitalmuseum eröffnet.

Aub. Auf den Tag genau vor 74 Jahren, am 7. April 1945, wurde einer von den Baldersheimer Rettern, der 35-jährige Marinesoldat Alfred Eck, auf dem Auber Marktplatz von Wehrmachtssoldaten standgerichtlich abgeurteilt und anschließend dort erhängt.

Die Vorgänge von damals sind noch heute ein viel diskutiertes Thema in Aub und Baldersheim. Im Jahr 1985 wollte der Auber Stadtrat nach einem mehrheitlichen Beschluss die damals neue Grundschule nach Alfred Eck benennen, dies scheiterte aber am damaligen Schulamtsrat, der es ablehnte, eine einem „Deserteur“ auf diese Art eine Plattform zu bieten. Im Laufe der sich daraus entwickelnden Diskussion zog die Familie Eck ihre Bereitschaft, die Schule nach dem ermordeten Wehrmachtssoldaten benennen zu lassen, zurück.

Vor einigen Jahren lebte die Diskussion erneut auf, als ein Eibelstadter Bürger den Vorschlag erneut aufgriff. Dieses Mal beschloss der Auber Stadtrat, die Schule nicht umzubenennen sondern eine andere Form der Würdigung zu finden. Die Stadt Aub richtete auf Anregung von Frank Stößel eine Geschichtswerkstatt ein, die die Vorgänge von damals genau untersuchen und so verlässliche Tatsachen erarbeiten sollte.

Truppen kurz vor Baldersheim

Die Ausstellung im Spitalmuseum präsentiert jetzt die Ergebnisse dieser Geschichtswerkstatt. Schautafeln mit Bilder der Ausstellung dokumentieren die Ereignisse im April 1945. Demnach standen amerikanische Truppen von Gelchsheim kommend kurz vor Baldersheim.

Der Marinesoldat Alfred Eck, der zu der Zeit in seiner Heimatgemeinde weilte, ging den Truppen zusammen mit dem Baldersheimer Bürgermeister Franz Engert entgegen, um die friedliche Übergabe des Ortes zu verhandeln und Blutvergießen zu vermeiden. Dabei wurde vereinbart, dass Baldersheim nicht beschossen werde, wenn sich die dort verbliebenen deutschen Soldaten zurückziehen würden. Die Soldaten waren im Elternhaus von Alfred Eck einquartiert. Der junge Soldat wollte sie überzeugen, abzuziehen und Baldersheim zu verlassen. Die Soldaten zogen zwar ab, nahmen Eck aber mit zum Gefechtstand nach Aub.

Der dortige Kommandeur, Hauptmann Busse, lässt Eck verhören und misshandeln. Eck wird der Wehrkraftzersetzung und des Überlaufens zum Feind angeklagt. Der Urteilsspruch lautete auf Kriegsverrat und Sabotage, wurde später um Fahnenflucht erweitert und sollte mit dem Tod durch den Strang bestraft werden.

Auf dem Marktplatz hingerichtet

Das Urteil wurde am 7. April gegen 13 Uhr auf dem Auber Marktplatz vollstreckt. Während dies geschah, rückten amerikanische Truppen kampflos in Baldersheim ein.

Alfred Eck wurde nach dem Krieg lange Zeit als Deserteur bezeichnet. Nach den Recherchen der Geschichtswerkstatt, so ist es auf den Tafeln der Ausstellung zu lesen, war Eck zum Küstenschutz auf dem Balkan stationiert. Im Frühjahr 1945 wurde er zum Bewachen eines Gefangenentransports nach Deutschland abkommandiert. Anschließend trat er einen mehrtägigen Heimaturlaub an.

Zeitzeugen befragt

Während dieser Zeit erkrankte er und wurde im Krankenhaus in Aub behandelt. Da die Amerikaner schon in Ochsenfurt standen, erreichte er seine Truppe nicht mehr und blieb in Baldersheim.

Bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung in der Spitalkirche lobte Bürgermeister Robert Melber die Arbeit der Geschichtswerkstatt. Fünfzehn interessierte Bürgerinnen im Alter von 15 bis 85 Jahren hatten die Ereignisse von damals aufgearbeitet, hatten Zeitzeugen befragt und Dokumente ausgewertet. Wissenschaftlich begleitet vom Historiker Georg Menig entstand daraus in fast vierjähriger Arbeit die Ausstellung.

Die Ausstellung, wird unterstützt mit zeitgenössischen Bildern aus dem Fotostudio Menth, die das Ausmaß der Zerstörung zum Kriegsende dokumentieren. Sie ist bis Oktober während der Öffnungszeiten des Spitalmuseums zu sehen.