Hohenlohe-Franken

Stadtrat Aub Weikersheimer Familie hat sich in Renaissance-Gebäude am Marktplatz „verliebt“ und will das historische Objekt wieder bewohnbar machen

Eine spektakuläre Sanierung steht in Aussicht

Über mangelndes Interesse aus der Bevölkerung konnte sich der Auber Stadtrat bei seiner jüngsten Sitzung nicht beklagen.Es standen einige für die Stadt wichtige Punkte auf der Tagesordnung.

Aub. Für das Wohnhaus am Auber Marktplatz mit dem markanten Renaissance-Giebel zeichnet sich eine Sanierung und Wiedernutzbarmachung ab. Regelrecht euphorisch zeigte sich der Stadtrat, als Bürgermeister Robert Melber eine Familie vorstellte, die das Haus erwerben und sanieren will.

Die Familie Lipinski, ursprünglich aus Berlin und derzeit in Weikersheim wohnhaft, hat sich nach eigenen Worten spontan in das Objekt verliebt. Die dreiköpfige Familie fühlt sich in der Gegend wohl. „Wir haben ein solches Objekt gesucht um es zu sanieren“, stellten sich die Lipinskis in Aub vor.

Erben wollen verkaufen

Aktuell ist das markante Haus noch im Besitz einer Erbengemeinschaft aus München, die nach Worten des Bürgermeisters aber gewillt ist, das Gebäude zu verkaufen und auch keine überzogen Preisvorstellung hat.

Architekt Felix Tannenberg erinnerte das Ratsgremium an die Besonderheiten des Gebäudes und stellte erste Planungen vor. Demnach ist der Giebel aus der Renaissancezeit, ein Teil des Gebäudes ist aber sogar aus der Zeit der Gotik. Schon vor Jahren hat sich die Stadt Aub an Voruntersuchungen des Gebäudes beteiligt, um den aktuellen Stand zu erfassen. Alleine der Dachstuhl ist eine besondere Konstruktion aus einem Labyrinth aus Dachbalken und Stützbalken. „Da wurde ein ganzer Wald verbaut“, so der Bürgermeister.

Das Landesamt für Denkmalpflege schätzt den Wert des Gebäudes sehr hoch ein, erläuterte Tannenberg dem Stadtrat. Das Gebäude nannte er auch für den Landkreis von großer Bedeutung, nicht nur für Aub.

Die Bauwerber wollen im Erdgeschoss des Gebäudes Wohnungen einrichten. Das Obergeschoss soll bei leichter Veränderung des Grundrisses umgebaut werden zu einer sehr großzügigen Wohnung mit Hinterhof und kleinem Garten. Dabei ist die Denkmalpflege sogar damit einverstanden, dass einige gotische Wände entfernt werden dürfen. Im hinteren Bereich der Etage darf eine später angebaute Wand ganz wegfallen und durch eine Glasfassade ersetzt werden.

Das Dachgeschoss mit der imposanten Dachkonstruktion wird zwar saniert, aber aktuell nicht ausgebaut. Die Fassade bleibt erhalten, wird aber ebenfalls restauriert. Nach Tannenbergs Ausführungen wird es eine „ganz spektakuläre Sanierung“ werden.

Bürgermeister Melber begrüßte, dass „das Haus wieder aufgeweckt wird“ und sagte den Bauwerbern die volle Unterstützung der Stadt Aub zu. Ratsmitglied Roman Menth sah die Aufgabe der Stadt Aub darin, das Projekt zu unterstützen und zu begleiten. „Vielleicht ergibt sich daraus ja, dass noch mehr Interessenten kommen, sanierungsbedürftige Häuser gibt es in Aub ja genug“ hofft er.

Für lebhafte Diskussionen im Gremium sorgte der Antrag eines Gebäudeeigentümers, auf dem Dach seiner Scheune in der Uffenheimer Straße in Aub eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Gerne hätte der Stadtrat diesen Antrag abgelehnt wie ähnliche Anträge in der Vergangenheit.

Der Stadtrat hatte sich dabei immer auf die Gestaltungssatzung gestützt, die im denkmalgeschützten Ensemble Fotovoltaikanlagen nur zulässt, wenn sie von öffentlichen Plätzen aus nicht zu sehen sind.

Aber gerade dazu gibt es gar keine rechtliche Grundlage. Nach Erkenntnis des Städtebauplaners kann sich der Stadtrat nur bei Objekten innerhalb des Geltungsbereiches der Gestaltungssatzung stützen. Die gilt aber, so wie sie ausgefertigt wurde, nicht im gesamten städtebaulichen Fördergebiet sondern nur für das denkmalgeschützte Ensemble, also im Grunde nur für den Bereich innerhalb der Stadtmauer.

Die betroffene Scheune liegt zwar in der Einfahrt zur Altstadt und im städtebaulichen Sanierungsgebiet, aber eben nicht im Geltungsbereich der Gestaltungssatzung. Der Städtebauplaner schlug deshalb vor, im Hinblick auf die städtebauliche Gestaltung zwar darauf zu achten, dass die Fotovoltaikanlage mit dunkel getönten Modulen ausgestattet wird, die nicht über die Dachfläche hinausragen. Er sah aber keine Grundlage, die Anlage nicht zu genehmigen.

Ratsmitglied Theo Theuerkaufer sah in den Fotovoltaikelementen auf dem Dach der Scheune eine wesentliche Einschränkung für die benachbarten Wohnhäuser. Auch Roman Menth sprach sich dafür aus, solche Anlagen abzulehnen und den Gleichheitsgrundsatz zu beachten. Karlheinz Krieger wollte den Antrag vertagen, bis die Gestaltungssatzung angepasst werden kann.

Aus Sicht der Mehrheit im Stadtrat ist es aber nicht möglich, den Geltungsbereich der Gestaltungssatzung rückwirkend zu erweitern. Gespalten zeigte sich das Gremium in der Abstimmung über diesen Antrag. Mehrheitlich mit acht gegen fünf Stimmen rang sich das Gremium dazu durch, die Fotovoltaikanlage zu genehmigen.

Mit dem Antragsteller sollen Gespräche geführt werden, die Anlage so zu gestalten, dass sie dem städtebaulichen Sanierungsziel nicht widerstrebt.