Hohenlohe-Franken

Medizin Todkrankes Mädchen nach Stammzellenspende vollkommen genesen / In Spender-Datenbanken fanden sich drei Treffer

Ende eines schrecklichen Jahres

Die kleine Alexa aus Gera-bronn kam todkrank auf die Welt. Die Anteilnahme war groß. Jetzt die tolle Nachricht: Das Mädchen ist gesund.

Gerabronn. Geduld – Maria Gelrod und Denis Heckmann aus Gerabronn konnten dieses Wort nicht mehr hören, als sie um das Leben ihrer Tochter bangten. „Geduld“, sagten die Ärzte trotzdem wieder. Und wieder. Und wieder. Anfang Oktober hatte bei der kleinen Alexa die Chemotherapie an der Uniklinik Würzburg begonnen, anschließend bekam sie Stammzellen zugeführt. Jetzt half nur Hoffen – und eben geduldiges Warten.

Die Therapie schlug an

Wochenlang passierte nichts, dann wurden die Blutwerte besser. Zuerst ein ganz kleines bisschen, irgendwann immer schneller. Die Therapie schlug an. Und heute: Alexa sitzt auf dem Tisch und lacht. Sie zieht an der Schnur der Lampe über ihrem Kopf. Sie krabbelt hin und her. Sie ist gesund. „Vollkommen genesen“, sagt Mutter Maria Gelrod.

Gleich nach ihrer Geburt am 29. Januar 2018 war bei dem Mädchen Thrombozytopenie diagnostiziert worden. Alexas Knochenmark konnte keine Blutplättchen (Thrombozyten) bilden, die für die Blutgerinnung essentiell sind. Schnell war klar, dass nur eine Stammzellenspende ihr Leben würde retten können. Bei einer Typisierungsaktion in der Gerabronner Stadthalle ließen sich im Sommer 1658 potenzielle Spender registrieren.

Vor allem der örtliche TSV und Mitarbeiter der Firma Bürkert engagierten sich unermüdlich, um die Werbetrommel für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu rühren. Und tatsächlich fanden sich – nicht bei der Aktion in Gerabronn, aber in der parallel durchsuchten Datei – drei Menschen, deren Merkmale zu jenen von Alexa passten. Gleich der erste erklärte sich tatsächlich zur Spende bereit: ein erster Schritt auf dem steinigen Weg der Genesung.

Alexa verlor ihre Haare, Alexa kämpfte mit Wassereinlagerungen, Alexa durfte nicht nach draußen und ihre Eltern durften nicht bei ihr übernachten. Zu groß war die Infektionsgefahr. „Ich durfte noch nicht einmal ihr Essen pusten“, sagt Gelrod. „Wir wären fast durchgedreht: Dieses Zimmer, immer diese vier Wände!“

Jede einzelne Minute genießen

Doch all das ist Vergangenheit. Mitte Februar wurde der Kleinen der Katheter entfernt. „Das war die Abschluss-OP. Jetzt müssen nur noch ab und zu routinemäßig die Blutwerte gecheckt werden“, so Gelrod. Die Einjährige muss fast keine Medikamente mehr nehmen – aber sie hat etwas aufzuholen: Ihr körperlicher Entwicklungsstand ist noch nicht ganz so weit wie bei den meisten Gleichaltrigen. Deshalb geht’s beispielsweise regelmäßig zur Physiotherapie.

Aber was ist das schon verglichen mit dem, was hinter der jungen Familie liegt? Alexas Mutter sagt: „Wir genießen jetzt jede einzelne Minute, in der wir einfach Eltern sein dürfen, ohne Probleme. Wir hatten immer Angst, sie zu verlieren. Jetzt unbeschwert zu sein, ist der Wahnsinn.“ Alexa könne nun endlich Freunde finden, sie selbst könne sich mit anderen Mamas treffen.

Was bleibt von diesem schrecklichen Jahr? „Wir wissen, dass es Wichtigeres gibt als die kleinen Dinge, über die man sich sonst gerne mal aufregt“, sagt Gelrod. „Wir haben viele Leute besser kennengelernt.“

Und sie haben große Hilfsbereitschaft erfahren: „Wir werden niemals genug Dankbarkeit zeigen können für die ganze Unterstützung, die wir hatten.“ Leute hätten sogar Mützchen ins Krankenhaus geschickt als Alexa ihre Haare verloren hatte, fügt der Vater hinzu.

Jetzt erobert sich die Familie gemeinsam den neu gewonnenen, unendlich wertvollen, weil ganz normalen Alltag. „Manchmal ist Alexa eine Nervensäge“ sagt ihre Mutter. Wie jedes Kind eben. Mit einer besseren Nachricht hätte dieses Jahr nicht enden können.