Hohenlohe-Franken

Sozialdemokraten Armin Bönisch mit SPD-Ehrenbrief ausgezeichnet / Rühriger Schrozberger Politiker kämpft mit lebensbedrohlicher Krankheit

Feuersteine als Türöffner in die Politik

Armin Bönisch hat die Schrozberger Sozialdemokraten über Jahrzehnte geprägt. Landesvorsitzende Leni Breymaier zeichnete ihn mit dem Ehrenbrief aus.

Schrozberg. Wie schafft man es, dass sich Menschen auch nach Jahren noch an einen erinnern? Zum Beispiel durch ein besonderes Geschenk. Nicht vom Wert her gesehen, sondern von der Originalität und Seltenheit. „Wir sind viel gewandert und haben Steine gesucht“, berichtet Elke Bönisch. „Aber meist hat mein Mann die Schönsten gefunden.“ Der Blick des Gasts schweift vom Esszimmertisch auf die Fensterbank, wo diverse Steine ausgestellt sind. „Das sind Feuersteine, aus Hohenlohe“, erklärt Armin Bönisch. „Alle selbst gesammelt, selbst aufgesägt und in Handarbeit poliert. Viele Politiker haben einen von mir bekommen, das hat viele Türen geöffnet.“

Es ist ein Nachmittagsgespräch über Leichtes und Schweres, über Politik und Krebs. Wobei die Stimmung nicht gedrückt, sondern hoffnungsvoll ist. Armin Bönisch erzählt konzentriert, man versteht ihn gut. Auch wenn der Tumor im Sprachzentrum zwar langsam, aber stetig wächst. Operativ lässt er sich nicht komplett entfernen. Bestrahlungen und eine Elektrotherapie sollen helfen. Bei der Elektrotherapie handelt es sich um eine Art Mütze, an der Elektroden festgemacht sind, die durch einen Akku gespeist werden. „Eigentlich müsste man diese nur 18 Stunden täglich tragen, aber mein Mann lässt sie dann gleich den ganzen Tag auf“, sagt seine Ehefrau. „Es tut mir gut“, bestätigt er. Damit der Strom ungehindert fließen kann, dürfen keine Haare auf dem Kopf wachsen.

Auch schwierige Zeiten scheinen in seinem Lebenslauf durch. 1996 war er aufgrund einer chronisch verlaufenden Hautkrankheit ein Jahr krankgeschrieben. Nach diversen Klinikaufenthalten folgte 1999 die Verrentung. Doch das war kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Eine Vielzahl an Ehrenämtern ließ keine Langeweile aufkommen: SPD-Ortsvorsitzender (1997 bis 2009, dabei stieg die Mitgliederzahl von sechs auf 33), seit 2004 im Schrozberger Gemeinderat, Schatzmeister im Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg und so weiter.

Herausforderungen gemeistert

Bönisch lacht, als das Gespräch auf seinen Eintritt bei der SPD kommt: „Meine Partei benötigte Geld, also bin ich eingetreten. Wenn ich gewusst hätte, dass ich auch einfach nur spenden könnte, hätte ich damals wohl kein Parteibuch geholt.“

Aber auch im Ortsverein gab es eine große Herausforderung: Es waren nur noch vier Mitglieder übrig. Bönisch kann gut mit Menschen umgehen, Parteigenossen wie Erich Wollmershäuser, Klaus Leonowski, Frank Weiß und Franz Beibl werden zu Freunden. Wobei es mit dem Letztgenannten eine besondere Verbindung gibt: „Auf dem Sterbebett hat er mir das SPD-Kassenbuch übergeben.“

Der Netzwerker Bönisch hat eine besondere Erfahrung gemacht: „Nur wer miteinander isst, kann miteinander reden.“ Das kann man in jedem Jahr beim Neujahrsempfang der Schrozberger SPD erleben. Sogar Bürgermeister Klemens Izsak habe immer seinen Winterurlaub so geplant, dass er bei dieser Veranstaltung dabei sein konnte.

„Viele sagen: Wahnsinn, wie ihr das in Schrozberg macht, solche bekannten Redner zu bekommen“, erzählt Bönisch lächelnd. „Jeder von ihnen hat einen Hohenloher Feuerstein bekommen. Dann erinnern sie sich, wenn ich anrufe: Oh, das ist der mit dem Stein.“ So bekannte Politiker wie Hubertus Heil (ehemaliger SPD-Generalsekretär) und Ivo Gönner (Ex-OB in Ulm) haben ein Exemplar in den Händen gehalten.

Wobei der 58-Jährige den großen Zusammenhang sieht: „Die Großkopfeten sollen zu uns aufs Land kommen und sehen, was wir brauchen.“

Hilfreich ist da sicher auch ein Charakterzug, den Elke Bönisch bei ihrem Mann kennt: „Er hat vor nichts Angst. Deshalb hat er damals bei Herrn Gönner auch samstagnachmittags angerufen und ihn tatsächlich ans Telefon bekommen. Dann kam das mit dem Stein wieder ins Spiel.“ Den Feuerstein hatte Gönner ein paar Jahre zuvor von Bönisch bei einer Veranstaltung in Crailsheim übergeben bekommen.

Quasi aus dem Nichts ereilt

Die Tumorerkrankung ereilte ihn sozusagen aus dem Nichts. Noch bei einer Wanderung im Himalaja fühlte er sich topfit. Zwei Wochen danach bekam er einen epileptischen Anfall, nach etlichen Untersuchungen wurde der Tumor gefunden. Das Schwierige dabei: Dieser zieht Wasser, dadurch steigt der Druck im Kopf. Bönischs Umfeld hatte Angst, dass ihr Familienmittelpunkt das erste halbe Jahr nicht überleben würde. Das ist rumgegangen. Seine Frau nennt Details: „Die durchschnittliche Lebenserwartung bei dieser Erkrankung liegt bei 16 Monaten. Doch es gibt auch Menschen, die schaffen neun Jahre.“

Bönischs bekommen viele Hilfsangebote, was die beiden sehr freut. „Man weiß nie, ob und wann man diese Menschen braucht“, sagt seine Ehefrau. Dabei strahlt ihr Mann viel Kraft aus, auch wenn ihm nicht mehr alle Worte sofort über die Lippen gehen und er kurz nachdenken muss. Er schaut sein Gegenüber ruhig an und sagt: „Ich will zum lieben Gott, aber nicht jetzt.“ Guido Seyerle