Hohenlohe-Franken

Veranstaltungsreihe Premiere von „Talk im Schloss“ in Kirchberg mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer

Flüchtlings-Kasernierungen in Kauf nehmen

Mit Oberbürgermeister Boris Palmer aus Tübingen beginnt die Stiftung Haus der Bauern ihre Kirchberger Veranstaltungsreihe „Talk im Schloss“.

Kirchberg. Wir können nicht allen helfen“. So heißt das heiß diskutierte Buch des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (45). Der ist bekannt im Land wie ein bunter Hund – und er ist ein Grüner. Das halten etliche in seiner Partei fast nicht aus, da kommt dann schon mal auch die Ansage, er solle einfach mal – schwäbisch ausgedrückt – das Maul halten.

Palmer ist, obwohl er „nur“ Kommunalpolitiker ist, einer der bekanntesten Grünen-Politiker in Deutschland. Wie heißt der grüne Oberbürgermeister der baden-württembergischen Landeshauptstadt? Richtig, irgendwas mit Fritz oder so. Und wie heißt sein Amtskollege im beschaulichen Uni-Städtchen am Oberlauf des Neckars? Ja, genau: Boris Palmer.

Rittersaal übervoll

Der sagte auch am Montagabend im übervollen Rittersaal des Kirchberger Schlosses, dass Deutschland nicht allen Menschen in Not helfen könne – auch nicht all denen, die vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung fliehen. Der in der Bevölkerung so populäre wie in seiner Partei umstrittene Politiker machte den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Talk im Schloss“ des neuen Schlossherrn Rudolf Bühler.

Er hat die Stiftung Haus der Bauern gegründet und die ist Veranstalterin der Gesprächsreihe. Boris Palmer ist, genauso wie sein als „Remstal-Rebell“ bekannter Vater Helmut, ein Freund klarer, nicht selten hart anmutender Worte.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 angesichts des Flüchtlingszustroms nicht schnell die Grenzen geschlossen hat, ist für ihn „Staatsversagen“. Gefragt, was er denn an ihrer Stelle gemacht hätte, antwortet er ohne Zögern: „Die Grenzen gesichert.“ Mithilfe der Polizei. Damals habe sich Deutschland in einer Situation „jenseits der dauerhaften Belastungsfähigkeit“ befunden. Deshalb sein Credo: „Wir können nicht allen helfen.“ Nicht allen Verfolgten und Unterdrückten dieser Welt. Nicht allen Menschen, die vor wirtschaftlicher Not in ihrer Heimat flüchten.

Palmer will nicht am Asylrecht rütteln, will vielmehr vermitteln, dass gerade auf kommunaler Ebene Versorgung und Integration von Flüchtlingen eine große und langwierige Aufgabe ist. Deshalb hat er auch kein Problem mit dem Vorschlag von Innenminister Horst Seehofer (CSU), sogenannte Ankerzentren in Deutschland einzurichten. In ihnen sollen die Flüchtlinge so lange leben müssen, bis ihre Asylverfahren abgeschlossen sind. Das bedeutet in aller Regel Kasernierung, das nimmt Palmer in Kauf. Anschließend will er aber diejenigen, die bleiben dürfen, mit allen Ressourcen, die auf kommunaler Ebene zur Verfügung stehen, unterstützen.

Der Untertitel seines Buches heißt „Ein Grüner über die Integration und die Grenzen der Belastbarkeit“.

Man könnte den Titel auch etwas verlängern: „...und über die Belastbarkeit seiner Partei“. Palmer mutet ihr viel zu, öffnet sie aber auch für Wähler, für die Trittin und Hofreiter rote Tücher sind. In Kirchberg, einer Grünen-Hochburg in Hohenlohe, erhält er viel Beifall. Hier sind sie Grünen-Politiker mit pragmatischen Ansätzen und ohne Berührungsängste gewöhnt – man denke nur an Rezzo Schlauch.

Die AfD stellen

Beide haben ein feines Gespür für das, was Otto Normalbürger so umtreibt. Beide sind Freunde von pragmatischen Lösungen und verabscheuen ideologische Grabenkämpfe. Beide empfehlen einen so resoluten wie gelassenen Umgang mit der AfD. Für Palmer gibt’s in Sachen AfD nur einen Weg: nicht hinterherlaufen, nicht dämonisieren, nicht ignorieren, „sondern immer wieder die harte aber faire Auseinandersetzung in der Sache suchen“.

Dass Palmer keine Berührungsängste kennt, wurde auch in Kirchberg klar. Sein Gesprächspartner war Dr. Walter Döring aus Schwäbisch Hall, Mitglied im Beirat der Haus-der-Bauern-Stiftung. Und einstiger FDP-Spitzenpolitiker im Land.

Übrigens: Gesprächspartnerin bei der Vorstellung des Bosis-Palmer-Buches in Berlin war Julia Klöckner. Ja, genau: die von der CDU. aha