Hohenlohe-Franken

Buchvorstellung Gunter Haug bringt sein Werk „Der Rebell vom Taubertal“ neu heraus / Hans Böhm hat auch heute noch Vorbildfunktion

Für die Rechte der einfachen Menschen gestritten

Archivartikel

Kirchberg.Er war der erste deutsche Revolutionär – und sein tragisches Schicksal bewegt auch heute die Menschen, auch nach über 500 Jahren. So war es nicht verwunderlich, dass der Schriftsteller Gunter Haug die Neuauflage seines Buches über Hans Böhm, den legendären „Pfeifer von Niklashausen“ im voll besetzten Rittersaal von Schloss Kirchberg vorstellte.

„Das war mir eine Herzensangelegenheit, denn unser „Schloss der Bauern“ ist für eine solche Premiere genau der richtige Ort“, bekannte Rudolf Bühler, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), der Haug nach Kirchberg eingeladen hatte. Diese Meinung vertrat auch der Autor, „schließlich war Schloss Kirchberg die Initialzündung für die Neuauflage dieses Buches!“

Nachdem Gunter Haug im vergangenen Herbst einen Vortrag über das Leben des jungen Hirten gehalten hatte, der mit seinen revolutionären Thesen im Jahr 1476 eine riesige Volksbewegung für mehr Gerechtigkeit entfacht hatte, hatten von zahlreiche interessierte Gäste das Buch erwerben wollen „und ich musste Ihnen sagen, dass es leider schon seit Jahren vergriffen ist“. Bereits auf der Rückfahrt von seinem Vortrag habe er deshalb beschlossen, den Titel so schnell wie möglich neu aufzulegen, denn „das Andenken an diesen herausragenden Mann, der wegen seines Eintretens für die Rechte der einfachen Menschen im Alter von 23 Jahren auf dem Scheiterhaufen in Würzburg sein Leben hat lassen müssen, darf niemals im Dunkel der Geschichte verschwinden. Dann hätten seine Gegner endgültig gewonnen. Und das dürfen wir nicht zulassen!“ Obwohl nach dem Tod des Pfeiferhans auf Geheiß des Bischofs von Würzburg sämtliche Spuren seines Lebens und Wirken ausgelöscht wurden – selbst die Kapelle in Niklashausen, in der Hans Böhm von der Gleichheit aller Menschen gepredigt hatte, wurde dem Erdboden gleichgemacht – ist die Erinnerung an ihn für immer in den Herzen der Menschen geblieben. „Und Bücher, wie dieses über den „Rebell vom Taubertal“, sollen dieses Andenken weiter festigen“, erklärte Haug. „Dass es nun ein Schloss gibt, das den Bauern gehört und in dem die Portraits der Adeligen abgehängt und vom Bildnis eines revolutionären Bauern mit Freiheitsfahne ersetzt worden sind, das ist genau die Botschaft, die seinerzeit von diesem winzigen Ort im Taubertal in alle Welt gesandt worden ist!“ Folgerichtig ziert das Portrait aus Kirchberg auch das Cover von Haugs neuem Buch. „Es war uns eine Freude, dieses Portrait zur Verfügung stellen zu können“, bekräftigte Rudolf Bühler und erläuterte den Weg, den Hans Böhms Ideen durch die Jahrhunderte genommen haben. Angefangen bei Luthers Postulat von der „Freiheit eines Christenmenschen“ über die zwölf Artikel der Bauernaufstände von 1524/1525, dem Ruf der französischen Revolution nach „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bis zur UN-Deklaration der Menschenrechte. Als UNO-Botschafter für die Rechte der Bauern weiß Bühler, dass dieser Weg noch lange nicht zu Ende ist. Und so ist die Botschaft des Pfeiferhans aus dem Taubertal, der vor 543 Jahren ein besseres und gerechteres Leben für alle Menschen eingefordert hat, nach wie vor von einer geradezu bedrückenden Aktualität.

Die sichtlich beeindruckten Zuhörer des Premierenabends dankten den beiden Referenten für ihre engagierten Vorträge mit lang anhaltendem Applaus.