Hohenlohe-Franken

Muswiese Bürgermeister als königliche Hoheit – und trotzdem ganz volksnah / Traditionsfest dauert noch bis Donnerstag an

Fürsorglich wie eine gute Amme

In Musdorf, wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen, tobt noch bis Donnerstag das pralle Leben. Gestern war Ruhetag – heute geht’s weiter.

Musdorf. Sie ist offensichtlich die Mutter aller Fragen in der Region: Welches Fest ist das größte – das Volksfest in Crailsheim oder die Muswiese in Musdorf?

Für Siegfried Gröner, den Bürgermeister von Rot am See, hat sich diese Frage allerdings noch nie gestellt. Bei der Eröffnung des größten Freiluftkaufhauses weit und breit bemühte er Thomas Strobl, den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes, um eventuell vorhandene Zweifler ein für allemal davon zu überzeugen, dass die Muswiese das Fest aller Feste ist – und schon immer war.

Warum ausgerechnet Strobl? Weil der unlängst in Crailsheim vorgerechnet hatte, dass das Fränkische Volksfest größer ist als das Oktoberfest in München – zumindest dann, wenn man die Einwohner ins Verhältnis zu den Besuchern setzt. Wenn in Crailsheim von rund 400 000 Besuchern ausgegangen wird, ist das das Elffache der Einwohnerzahl. Um diesen Faktor zu erreichen, müsste die bayerische Landeshauptstadt elf Millionen Gäste haben – hat es aber nicht.

Und jetzt kommt die Grönersche Rechenkunst ins Spiel: Musdorf hat 50 Einwohner und die Muswiese wird von 300 000 Menschen besucht, was heißt, dass die Einwohnerzahl um das 6000-fache übertroffen wird. „Wer hat dann das größte Volksfest“, fragte er mit siegessicherem Lächeln im Gesicht und konnte sich der Antwort aus der Runde der Zuhörer sicher sein: „Wir!“.

Der Bürgermeister nutzte die Gunst der Stunde und ernannte die Muswiese kurzerhand zur „Königin der Feste“.Was zeigt, wie viel Macht ein Schultes in Hohenlohe hat – und zudem den für Siegfried Gröner schönen Nebeneffekt, dass er zumindest für ein paar Tage König sein darf, Regent im Königreich Muswiese.

Da ein guter Regent weiß, wie wichtig tüchtige „Untergebene“ sind, bedankte sich Seine Majestät Gröner bei den vielen Helfern, die die Muswiese erst möglich machen. Des Bürgermeisters besonderer Dank galt dabei der Fest-Cheforganisatorin Beate Meinikheim, Marktmeister Florian Reiß, Bauamtsleiter Armin Vogt und dem Bauhof.

Nun hat ja die Region Hohenlohe keine guten Erfahrungen gemacht mit königlichen Hoheiten – weder mit bayerischen noch mit württembergischen.

Deshalb hob Siegfried Gröner hervor, dass die Fest-Königin Muswiese „eine Gute“ sei. Eine, der das Wohlergehen des Volkes wichtig sei. Sie sei, wusste er zu berichten, wie eine gute Amme: „Sie sorgt für gutes Essen und Trinken und beste Unterhaltung.“ Und natürlich hat eine gütige Königin immer auch einen guten Rat für ihre „Untergebenen“ parat. Gerichtet war er am Sonntag an Stephen Brauer, den neuen FDP-Landtagsabgeordneten aus Crailsheim: „Wer regelmäßig bei uns ist, wird nachweislich immer wiedergewählt“, hob Gröner hervor. Ob er dabei an den CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten gedacht hat, der ein Stammgast der Muswiese ist?