Hohenlohe-Franken

Internationales Liedfestival Im Rothenburger Wildbad steht vom 8. bis 10. Juni die europäische Liedkultur im Mittelpunkt / Casting für Amateure am 2. Juni

Gegen den aufkeimenden Nationalismus

Archivartikel

Das Volkslied gehört nicht allein zu Deutschland, sondern zu Europa. Diesen Leitsatz vertritt das „Internationale Festival des Liedes“ vom 8. bis 10. Juni in Rothenburg.

Rothenburg. Wenn am Freitag, 8. Juni, um 20 Uhr im Rothenburger Wildbad neben „Die Gedanken sind frei“ und „All you need is love“ auch Walther von der Vogelweides „Palästinalied“ erklingen, dann wird jedem Hörer die Aktualität des Volks- und Kunstlieds bewusst. Das 3. Internationale Festival des Liedes vom 8. bis 10. Juni im Rothenburger Wildbad spannt den Bogen über mehr als 800 Jahre europäische Liedkultur und schließt neben Deutschland auch die Gastländer Italien und Polen mit ein.

Wie bereits 2014 und 2016 bestreiten auch dieses Mal wieder zwölf ausgewählte Nachwuchsstars, darunter Anna Herbst, Tiziana Portoghese, Piotr Koprowski und Katrin Küsswetter, das dreitägige Musikprogramm. Intendant Christoph von Weitzel ist nicht allein die Nachwuchsförderung ein Anliegen, sondern gerade auch der kulturpolitische Ansatz des Liedfestivals.

Mit Italien und Polen rücken zwei Gastländer in den Fokus, die uns in vielem scheinbar so nah, kulturell aber oftmals auch fremd sind. Dies ist nicht verwunderlich, denn Volks- und Kunstlieder sind stets auch Kondensate historischer Erfahrungen.

Und wenn im Zuge von Europas Krise und angesichts des Auseinanderdriftens von Europas Gesellschaften an die Ränder des politischen Spektrums das 3. Internationale Lied Festival prominent von den Generalkonsulaten Italiens und Polens unterstützt wird, ist gerade auch dies ein kulturpolitisches Statement aus Rothenburg für ein einiges Europa. Neben Vertretern der Bayerischen Staatsregierung, des Bezirks und des Landkreises werden der polnische Generalkonsul Andrzej Osik, der polnische Vizekonsul und Kulturattaché Marcin Król, der italienische Generalkonsul Dr. Renato Gianfararani sowie der italienische Kulturattaché und Leiter des italienischen Kulturinstituts in München Dr. Ziosi das Liedfestival besuchen.

Gerade den politischen Vertretern Polens ist es wichtig, daran zu erinnern, dass Polens staatliche Unabhängigkeit erst vor 100 Jahren neu errungen werden konnte. Daran wird am 9. Juni im Rahmen des Großen Galakonzertes der Historiker Prof. Dr. Ryszard Kaczmarek von der Universität Katowice erinnern.

Neben den musikalischen Glanzpunkten betont Intendant Christoph von Weitzel denn auch die identitätsstiftende Funktion des Volks- und Kunstliedes: „Schillers Ode an die Freude ist nicht zufällig Europas identitätsstiftendes Lied. Gegen alle aufkeimenden Nationalismen gilt es, an der Botschaft dieses Liedes festzuhalten – diese Botschaft wird dezidiert auch gegen alle populistischen Tendenzen in Deutschland, Polen oder Italien geltend gemacht werden – das Rothenburger Liedfestival führt die Völker über die Kultur auch politisch wieder zusammen.“

Die Menschen verbindende Kraft des Liedes findet gerade auch in der Programmgestaltung des Festivals seinen Niederschlag. Neben das klassische Konzertformat treten Workshops der „Jungen Stars“ und gesangsbegeisterter Amateure sowie eine ungewöhnliche Lied-Performance: Es wird also – neudeutsch –auch gecastet, „performt“ und experimentiert.

Große Bögen spannen

Bereits das Eröffnungskonzert am Freitag, 8. Juni, spannt große Bögen, und zwar vom Minnesang Walter von der Vogelweides bis zur Popmusik der Beatles. Es treten auf Anna Herbst, Tiziana Portoghese, Joanna Cierniak, Katrin Küsswetter, Piotr Koprowski, Enrique Ambrosio, Krzysztof Borysiewicz, Holger Schäfer, Krzysztof Anczyk, Francesco Palazzo, Fiorella Sassanelli, Jasmin Neubauer, Ulrich Pakusch, die Beatles Revival Band und der Chor von St. Jakob Rothenburg. Der Abend verspricht ein Cross Over sämtlicher Facetten europäischer Lied- und Song-Kultur. Beginn ist um 20 Uhr im Wildbad-Theatersaal.

Am Samstag, 9. Juni, folgt um 20 Uhr das Große Galakonzert des Liedes, bei dem die Volks- und Kunstlieder Polens, Italiens und Deutschlands farben- und facettenreich zueinander in Kontrast treten. Ein festlicher Abend europäischer Musikkultur mit den Künstlern Denise Felsecker, Christoph von Weitzel, Anna Herbst, Tiziana Portoghese, Joanna Cierniak, Piotr Koprowski, Enrique Ambrosio, Krzysztof Borysiewicz, Krzysztof Anczyk, Francesco Palazzo, Fiorella Sassanelli, Katrin Plica und Ulrich Pakusch. Am Sonntag, 10. Juni, um 15 Uhr erklingen dann die Stimmen der Jungen Stars in einer szenischen Lied-Performance (Theatersaal Wildbad Rothenburg). Stimmlich selbst versuchen kann man sich beim Gesangsworkshop der Amateure vom Freitag bis Sonntag, dem ein professionelles Casting für talentierte Hobby- Sänger am Samstag, 2. Juni,18 um 16 Uhr vorausgeht. Wer fasst den Mut und stellt sich auf die Bühne? Man kann auch als passiver Teilnehmer zuhörend mit von der Partie sein.

Mit Gesangslehrer und professionellem musikalischen Begleiter dürfen die Teilnehmer ihre Lieblingslieder, gerne aus allen Musikstilen, gründlich erarbeiten und „putzen“ und am Ende des Kurses im „Konzert der Amateure“ erstmals vor Publikum zum Besten geben. Anmeldung bei Frank Günther, Telefon 0163 / 55 58 235; frankguenther.bariton@web.de. pm