Hohenlohe-Franken

Unglück Zwillingsschwestern stürzen im Raum Schwäbisch Hall 25 Meter in die Tiefe / Die 59-Jährigen wurden mit Hubschraubern in Spezialkliniken nach Würzburg und Ludwigsburg geflogen

Geheimtipp für Streckenwanderer wird zur bösen Falle

Archivartikel

Anhausen.Auf dem Bühlertalwanderweg bei Anhausen lauern auf schwierigem Terrain manche Gefahren. Zwei abgestürzten Schwestern geht es laut Polizei etwas besser. Eine Frau sei nicht mehr in Lebensgefahr.

Schwere Wanderunfälle verbindet man am ehesten mit Wegen im Hochgebirge. Aber dass am Samstag, 25. August, gegen 13 Uhr eine Frau auf dem Bühlertalwanderweg lebensgefährlich und ihre Zwillingsschwester schwer verletzt wurde, überrascht schon. Die 59-Jährigen wurden mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken nach Würzburg und Ludwigsburg geflogen. Sie kamen aus dem Odenwaldkreis und wollten mit einer Bekannten aus dem Kreis Hall den Weg entlang der Bühler erkunden. Für zwei Frauen endete das Wandervergnügen tragisch. Sie stürzten laut Polizeibericht 25 Meter in die Tiefe.

„Der Bühlertalwanderweg ist ein Kleinod“, schwärmt Michael Burkhardt aus Obersontheim. Er ist Hauptfachwart Wege im Schwäbischen Albverein und kennt den Weg aus eigener Erfahrung. Auch er ist von dem Absturz überrascht und besichtigte jetzt die mutmaßliche Absturzstelle.

Landschaftlich hat der Weg mit der Bühler viel zu bieten. Doch den Blick sollte der Wanderer beim Gehen schon auf den Boden richten. Der Pfad oberhalb der Bühler bei Anhausen in Richtung Vellberg ist schmal. Nebeneinander zu gehen ist oft nicht möglich. Die Erde ist beim Vor-Ort-Termin knochentrocken und an einigen Stellen bröselig. Festes Schuhwerk ist vonnöten. „Dreimal im Jahr kontrolliert der Albverein für den Tourismusverein die Markierungen“, erklärt Burkhardt. Die roten Punkte für die Route und die mit den Buchstaben BTW (Bühlertalwanderweg) weisen den Weg.

Unmittelbar vor der mutmaßlichen Unfallstelle warnt ein Schild vor dem Weitergehen. Der Weg ist wegen Sanierungsarbeiten der Deutschen Bahn am nahen Viadukt gesperrt. Die Umleitung über Buch wird empfohlen.

Ob die drei Wanderinnen die Hinweise nicht gelesen oder die Richtungspfeile falsch interpretiert haben, lässt sich heute nicht sagen. „Da könnte die Unfallstelle sein“, ist sich Burkhardt ziemlich sicher. Kurz hinter dem Warnschild geht es steil bergab. Auf dem Weg sind frische Fußabdrücke zu erkennen. Abgeknickte Äste und ein größtenteils weggebrochener Erdpfad stützen seine These.

Wer dort zu Fall kommt, stürzt die im Polizeibericht beschriebenen 25 Meter fast senkrecht hinab in die Bühler. Dort sind keine Büsche oder Bäume, die den Sturz – wie sonst fast überall auf dem Wanderweg – bremsen könnten.

Auf der anderen Bühlertalseite sind die Arbeiter der Deutschen Bahn gerade dabei, die Baustelle nach Beendigung der Sanierungsarbeiten am Viadukt aufzuräumen. Tibor Schmalz war am Tag des Unglücks auch bei der Arbeit. „Wir wollten gegen 13 Uhr Feierabend machen. Da habe ich zwei junge Wanderer mit Walkingstöcken am Bühlerufer gesehen. Sie haben was von einem Unfall gesagt“, berichtet der Arbeiter. Sein Kollege habe dann den Rettungsdienst alarmiert. Er selbst habe sich an den Feldweg am Waldrand gestellt, um den Rettungsdiensten den Weg zu weisen.

Junge Wanderer eilen zu Hilfe

Die beiden jüngeren Wanderer waren von einer dritten Frau, die den Absturz mitbekommen hatte, zu Hilfe gerufen worden.

Marco Heigold, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Vellberg, hat den Einsatz geleitet. „Wir wurden gut zur Unfallstelle geleitet“, sagt er. Zu dem gesundheitlichen Zustand der aufgefundenen Frauen will er nichts sagen. Um sie zu retten, musste die Feuerwehr die Bühler überqueren. Da sie nicht viel Wasser führt, sei das kein Problem gewesen. Die zwei Rettungshubschrauber hätten auf der Wiese beim Viadukt gut landen können. Die Feuerwehr war mit zwei Fahrzeugen und 18 Personen ausgerückt.

Dem Schwäbisch Haller Landratsamt sind weitere Unfälle auf dem Bühlertalwanderweg nicht bekannt. Der Weg werde derzeit nicht aktiv beworben, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage.

Die Vellberger Bürgermeisterin Ute Zoll stellt klar, dass sich der Unfall auf Haller Gemarkung ereignet hat. „Die Stadt Schwäbisch Hall bedauert den Unfall der beiden Wanderinnen sehr“, schreibt Franziska Hof von der Pressestelle der Stadt Hall.

Da der Bühlertalwanderweg auf diesem Streckenabschnitt mehrfach die Gemarkungsgrenze zwischen Schwäbisch Hall und Vellberg überquere, sei erst im Verlauf der Woche klar geworden, dass sich der Unfall auf Haller Gemarkung ereignet habe. Die Stadt und die Tourismusgemeinschaft wollen sich mit Experten einen Gesamteindruck von der Wegesituation vor Ort verschaffen, um eine tragfähige Entscheidung zu fällen. So lange solle die Schlechtwetterroute über Buch genutzt werden.

Die Polizei will zu den Frauen, wenn es ihnen besser geht, Kontakt aufnehmen. Für die Staatsanwaltschaft werde ein Bericht verfasst. Laut Polizei ist die eine Frau mittlerweile außer Lebensgefahr. Auch der anderen gehe es etwas besser. Sie hätten Knochenbrüche und Kopfverletzungen erlitten. jkor