Hohenlohe-Franken

Europawahl AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen sprach in Onolzheim / Scharfe Kritik an den Grünen geäußert

„Gekommen, um zu bleiben“

Archivartikel

Die AfD holt ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl nach Crailsheim. Der schießt sich schnell auf Lieblingsgegner ein: die Grünen.

Onolzheim. Dass mit Dr. Jörg Meuthen der einzige Europaabgeordnete der AfD zu einem Wahlkampfauftritt nach Crailsheim kommt, ist alles andere als Zufall. Rechte Parteien haben bei Wahlen in der Stadt schon immer gut abgeschnitten. Bei der Landtagswahl 2016 holte die „Alternative für Deutschland“ 22 Prozent. Damals war die AfD in fünf von 22 Stimmbezirken die stärkste Partei – der Spitzenwert lag bei knapp 38 Prozent auf dem Sauerbrunnen.

Bei der Bundestagswahl 2017 kamen die Rechtspopulisten bei den Zweitstimmen auf 18 Prozent, und wieder war es der Sauerbrunnen, der mit knapp 29 Prozent dafür sorgte, dass die AFD sogar vor der CDU lag.

Dass der Spitzenkandidat der AfD den Weg nach Onolzheim fand, hat also damit zu tun, dass Crailsheim für diese Partei ein gutes Pflaster ist. Und damit, dass es in Crailsheim offensichtlich ein unterstützendes Umfeld gibt – zumindest bedankte sich Jens Moll vom AfD-Kreisverband ausdrücklich bei Horst Bembenek für die gute Vorbereitung der Veranstaltung. Laut Bembenek – er war der Veranstaltungsleiter – waren knapp 400 Menschen gekommen, um hauptsächlich den Bundesvorsitzenden der Partei zu hören, die sowohl im Bundestag in Berlin als auch im Landtag in Stuttgart die größte Oppositionspartei ist.

Allerdings mussten sie eine ganze Weile auf Meuthens Auftritt warten, weil sich zuerst Christine Anderson und Martin Hess an den üblichen AfD-Themen abarbeiteten: die „übermächtige EU“, offene Grenzen, „zu viele Flüchtlinge“. Insbesondere der ehemalige Polizist Hess schien den Zuhörern aus dem Herzen zu sprechen, als er seine Ausführungen zur „Schicksalsfrage Migration“ in dem Satz zusammenfasste: „Deutschland und unsere Bevölkerung zuerst!“.

Hauptredner Meuthen ließ es zunächst etwas langsamer angehen, begrüßte erst die „lieben V-Leute“ vom Verfassungsschutz, freute sich darüber, dass die Halle gut gefüllt war („Ihr seid keine Wutbürger, sondern Mutbürger“), ärgerte sich über Denkverbote („Wer sich heute als konservativ bezeichnet, gilt als ewiggestriger Reaktionär“), und war dann doch schnell bei seinem politischen Lieblingsgegner: den Grünen. Die würden zusammen mit den Linken ihr „Unwesen in Deutschland treiben“, die Menschen bevormunden und einschüchtern. „Aber wir“, rief er in die Halle, „wir lassen uns den Mund nicht verbieten“. Wer bei den Grünen noch die Hoffnung habe, dass die AfD ein Spuk sei, der vorübergeht, der irre sich gewaltig: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Jörg Meuthen, der sich ansonsten im Vergleich zu seinen Vorrednern in der Wortwahl zurückhielt, redete sich, sobald er auf die Grünen kam, in Rage, sprach von „Öko-Trullas“ im Europaparlament, und verhöhnte bei seinem Auftritt in dem Bundesland, in dem die Grünen den Regierungschef stellen, die gesamte Partei: „Wer bei diesen Öko-Ideologen ist, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Und auch vor solchen Unterstellungen schreckte Meuthen nicht zurück: „Die reden wirres Zeug.“ Aber es blieb auch noch Zeit fürs eigentliche Thema: für Europa. Das EU-Parlament, dem er selbst angehört, ist für Meuthen eine „Quasselbude“, eine „Demokratie-Simulation“. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker, so höhnte er weiter, sei zwar ein mächtiger Mann in Europa, aber nicht immer in der Lage, zwei gleiche Schuhe anzuziehen. Dann machte er sich über EU-Richtlinien zu Schnullerketten und Kondomen lustig, um dann zu behaupten, dass die EU nicht in der Lage – oder schlimmer noch – nicht Willens sei, die großen Probleme anzugehen.

Probleme sieht Meuthen in der „zunehmenden Islamisierung“ und in „Deutschlands offenen Grenzen“. Zumindest die, geht es nach dem Willen der AfD, gibt es nicht mehr lang. Ex-Polizist Hess will mithilfe starker AfD-Fraktionen in den Parlamenten neue Bilder in die Welt setzen: Weg von den Fotos einer Kanzlerin, die sich mit Flüchtlingen fotografieren lässt, hin zu „Bundespolizisten, die unsere Grenzen sichern“. Solche Sätze will der Hardliner in der AfD-Bundestagsfraktion nicht als verbale Kraftmeierei missverstanden wissen, denn er ist sich ganz sicher: „Wir können nicht aufgehalten werden“

Andreas Harthan